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Powell vor Zinssenkung: Komplexe Herausforderungen

Geopolitik, Wahlkampf und Arbeitsmarkt prägen die Geldpolitik

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Powell vor Zinssenkung: Komplexe Herausforderungen

Jerome Powell hat angekündigt, dass eine Zinssenkung im September zur Debatte steht. Diese Aussage markiert eine neue Phase in der Geldpolitik der US-Notenbank Federal Reserve (Fed), nachdem die Leitzinsen unverändert bei 5,25 bis 5,5 Prozent belassen wurden. Investoren rechnen fest mit einer Zinssenkung im September, wobei einige sogar eine Reduzierung um 0,5 Prozentpunkte für möglich halten. Diane Swonk, Chefökonomin bei KPMG, erwartet zwei reguläre Zinsschritte in diesem Jahr.

Powell steht vor einem dreifachen Balanceakt. Neue geopolitische Spannungen könnten die Energiepreise und damit die Inflation wieder ansteigen lassen. Eine Zinssenkung könnte zudem Diskussionen über politische Einflussnahme zugunsten der Demokraten vor der US-Präsidentschaftswahl befeuern. Powell betont jedoch, dass die Sorge um den Arbeitsmarkt im Vordergrund steht. Mohamed El-Erian, Kapitalmarktexperte und Berater der Allianz, sieht die hohe Beschäftigung als einen zentralen Grund für die Stärke der US-Wirtschaft.

Trotz des hohen Leitzinses von 5,25 bis 5,5 Prozent, dem höchsten Stand seit 23 Jahren, bleibt der Arbeitsmarkt robust. Die Arbeitslosenquote ist zuletzt auf 4,1 Prozent gestiegen, was historisch gesehen immer noch niedrig ist. Powell möchte jedoch keine wesentliche Abkühlung auf dem Arbeitsmarkt sehen. Ebrahim Rahbari, unabhängiger Markstratege, warnt, dass die Arbeitslosenquote in Phasen hoher Zinsen zunächst langsam steigt, sich aber erfahrungsgemäß schnell beschleunigen kann. Er sieht einen Wendepunkt am Arbeitsmarkt kommen.

Neue US-Jobdaten, die am Donnerstag veröffentlicht wurden, unterstützen diese Einschätzung. Die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung stieg auf den höchsten Stand seit fast einem Jahr. Analysten der Citigroup erwarten, dass die Arbeitslosenquote im Juli weiter auf 4,2 Prozent gestiegen ist. Auch der Konsum, ein wesentlicher Beitrag zur Wirtschaftsleistung der USA, schwächt sich ab. Chris Kempczinski, CEO von McDonald's, betonte den wachsenden Druck auf die Verbraucher.

Es besteht die Sorge, dass die Fed mit ihrer Zinswende zu spät dran sein könnte. Kritiker werfen der Fed vor, zu lange gewartet zu haben, die Zinsen zu erhöhen. Rick Rieder von Blackrock hält die aktuellen Leitzinsen für zu hoch und plädiert für eine Senkung auf rund vier Prozent. Mohamed El-Erian drängt ebenfalls auf eine schnelle Zinswende und empfiehlt Powell, vorausschauender zu handeln.

Der politische Druck auf die Fed wächst vor den US-Wahlen. Drei demokratische Senatoren, darunter Elizabeth Warren, forderten Powell auf, die Zinsen schnell zu senken, um steigende Arbeitslosigkeit und verlangsamtes Lohnwachstum zu vermeiden. Powell betonte, dass die Fed sich nicht in den Wahlkampf einmischen werde. Auch Republikaner um Donald Trump appellieren an die Fed, die Zinsen bis zur Wahl nicht zu verändern, um nicht den Eindruck zu erwecken, Biden zu unterstützen.

Die Debatten um die Geldpolitik werden von den Wählern genau verfolgt. Hohe Lebenshaltungskosten belasten viele US-Familien seit drei Jahren. In diesem Jahr gaben 41 Prozent der Amerikaner an, dass die hohe Inflation ihr größtes finanzielles Problem darstellt. Experten des Analysehauses Kobeissi warnen, dass sich viele Amerikaner die Grundbedürfnisse nicht mehr leisten können.

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