DAX zum Wochenschluss: Kursverluste trotz positiver Vorgaben erwartet
DAX startet schwächer – Ölpreise sinken, JP Morgan ohne Prognose

Der deutsche Leitindex DAX dürfte am Freitag mit leichten Verlusten in den Handel starten. Am Vortag hatte das Börsenbarometer noch mit einem Plus von 0,7 Prozent bei 25.716 Punkten geschlossen. Sinkende Ölpreise und die gelassene Aufnahme der jüngsten Zinserhöhung der US-Notenbank Federal Reserve hatten für freundliche Stimmung gesorgt.
"Die Anleger fanden es beruhigend, dass die Fed angesichts der lauten Forderungen Donald Trumps nach niedrigeren Zinsen standhaft blieb, was die Glaubwürdigkeit der Fed stärkt", sagte Susannah Streeter, Chef-Anlagestrategin bei Wealth Club. Die Notenbank hatte den Leitzins zuletzt wie erwartet angehoben und signalisiert, weiterhin entschlossen gegen die Inflation vorzugehen.
Ölpreise geben weiter nach – JP Morgan ohne klare Prognose
Vom Rohstoffmarkt kommen aktuell keine weiteren negativen Signale. Die Hoffnung auf alternative Lieferwege für Öl aus dem Nahen Osten sorgt für eine leichte Entspannung. Die Ölpreise sinken zum dritten Mal in Folge. Die Rohöl-Sorte Brent aus der Nordsee verbilligte sich um 0,8 Prozent auf 103,94 Dollar je Barrel. Das US-Öl WTI notierte 0,7 Prozent schwächer bei 101,15 Dollar.
Allerdings stellt sich die Frage, welche Bedeutung den Bewegungen am Ölmarkt noch beizumessen ist. Die US-Großbank JP Morgan hat nach eigenen Angaben zum ersten Mal seit Beginn des Iran-Krieges keine klare Prognose mehr für die Ölmärkte. "Wir wissen einfach nicht, wie wir den Ausgang modellieren sollen", schrieben die Analysten der Bank in einer Studie. Sechs Monate nach Beginn des Konflikts seien viele wirtschaftliche rote Linien überschritten worden, ohne dass eine Lösung in Sicht sei.
Positive Vorgaben aus Übersee – Technologiewerte gefragt
Die Vorgaben aus Asien und den USA fallen indes freundlich aus. Nachlassende Ölpreise und robuste Arbeitsmarktdaten hatten der Wall Street Auftrieb gegeben. Die Anleger griffen vor allem bei Technologie-Werten zu. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss 0,6 Prozent höher auf 51.778 Punkten. Der breiter gefasste S&P 500 rückte um 1,1 Prozent auf 7.638 Zähler vor. Der Index der Technologiebörse Nasdaq gewann 1,7 Prozent auf 26.418 Punkte.
In Asien legt der Nikkei zur Stunde um fast zwei Prozent zu. Die Erholung der Technologietitel zieht auch in Japan den Leitindex nach oben. Im Mittelpunkt des Interesses stand die Bank of Japan (BOJ), die ihren Leitzins wie erwartet auf ein 31-Jahres-Hoch von 1,25 Prozent anhob. "Entscheidend für die Märkte ist nicht nur, ob die BOJ die Zinsen anhebt, sondern auch, wie sie dies tut und wie Gouverneur Kazuo Ueda den weiteren Weg kommuniziert", sagte Währungsstratege Michael Wan von MUFG.
BDI hebt Wachstumsprognose für Deutschland an
Positive Nachrichten gibt es auch von der konjunkturellen Front. Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) erhöht seine Wachstumsprognose für das laufende Jahr. Die deutsche Wirtschaft soll demnach in diesem Jahr um ein Prozent wachsen. Bisher hatte der BDI ein Plus von 0,6 Prozent erwartet. Auch Wirtschaftsforschungsinstitute hatten ihre Erwartungen für 2026 zuletzt erhöht, zeigten sich aber optimistischer als nun der BDI.
Der BDI weist jedoch darauf hin, dass vor allem staatliche Ausgaben das Wachstum treiben würden – insbesondere Investitionen in Infrastruktur und Verteidigung. Private Investitionen blieben dagegen schwach. Die Wachstumsaussichten hellen sich damit zwar auf, die Basis bleibt aber fragil. Für Anleger bedeutet dies: Die konjunkturelle Erholung in Deutschland ist erkennbar, aber noch nicht nachhaltig breit aufgestellt.
