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Mehrwertsteuer-Senkung: Gastronomie-Preise bleiben für Verbraucher stabil

NGG-Studie zeigt: Nur ein Prozent der Gerichte wurden günstiger, acht Prozent teurer.

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Mehrwertsteuer-Senkung: Gastronomie-Preise bleiben für Verbraucher stabil

Die im Januar beschlossene Senkung der Mehrwertsteuer für Speisen in der Gastronomie von 19 auf sieben Prozent sollte die Branche entlasten. Doch eine aktuelle Analyse der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) zeigt: Bei den Verbrauchern kommt die milliardenschwere Entlastung kaum an. Von mehr als 180.000 untersuchten Gerichten in über 12.000 Restaurants bundesweit wurde nur etwa ein Prozent günstiger. 91 Prozent blieben preislich unverändert, rund acht Prozent verteuerten sich sogar.

Besonders betroffen von Preiserhöhungen waren Bowls, aber auch Schnitzel- und Steakgerichte. Die NGG hatte das Beratungsunternehmen wmp consult mit der umfangreichen Preiserhebung beauftragt. Das Ergebnis fällt ernüchternd aus für alle, die auf günstigere Restaurantbesuche gehofft hatten.

Gewerkschaft kritisiert fehlende Weitergabe an Beschäftigte

NGG-Vorsitzender Guido Zeitler sieht nicht nur die Gäste benachteiligt. Auch den mehr als zwei Millionen Beschäftigten im Gastgewerbe sei die Steuersenkung nicht zugutegekommen. "Man hat im Gastgewerbe einen der größten Niedriglohnbereiche in Deutschland", sagte Zeitler. Jeder zweite Beschäftigte arbeite unterhalb der Niedriglohnschwelle. Lohnsteigerungen gebe es praktisch nur dann, wenn der Mindestlohn erhöht werde.

Die Gewerkschaft fordert, dass die Betriebe das "Steuergeschenk" nutzen, um den Beschäftigten mehr Geld zukommen zu lassen. Doch in den laufenden Tarifverhandlungen mit dem Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA) erlebe die NGG "eine große Blockadehaltung bei Lohnerhöhungen", so Zeitler.

Eine eigene Befragung unter gut 2.100 Beschäftigten in Hotellerie und Gastronomie ergab zudem: Fast die Hälfte arbeitet bis zu zehn Stunden täglich, ein Fünftel sogar zehn bis vierzehn Stunden. 71 Prozent der Befragten denken über einen Branchenwechsel nach. Dienstplan-Änderungen erschwerten zudem die Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Privatleben.

DEHOGA sieht Entlastungswirkung bei den Betrieben

Der Gastronomieverband DEHOGA weist die Kritik zurück. Die Einführung der sieben Prozent sei "kein staatliches Preissenkungsprogramm" gewesen. Hauptgeschäftsführerin Jana Schimke betont: "Die sieben Prozent kommen an." Eine eigene Verbandsumfrage vom Juli unter 2.000 gastgewerblichen Unternehmen zeige, dass drei Viertel der Betriebe ihre Preise trotz massiv gestiegener Kosten stabil halten konnten. 72,2 Prozent hätten gestiegene Personal- und Lohnkosten auffangen können, 53,1 Prozent bestehende Arbeitsplätze sichern. Bei 29,5 Prozent hätten notwendige Preiserhöhungen zumindest geringer ausfallen können.

Mit Blick auf die langen Arbeitszeiten fordert der DEHOGA eine Umstellung auf eine wöchentliche Höchstarbeitszeit gemäß der EU-Arbeitszeitrichtlinie. "Unsere Mensch-zu-Mensch-Branche ist geprägt von Nachfragespitzen, Schwankungen, kurzfristigen Umplanungen", sagte Schimke. Eine flexiblere Verteilung der Arbeitszeit schaffe für die Beschäftigten bessere Möglichkeiten, Arbeit und Privatleben zu organisieren.

Einzelfall "Steuerhähnchen" – Wirt gibt Entlastung weiter

Ein positives Beispiel findet sich in Berlin-Mitte. Wirt Veiko Narten vom Restaurant "BBQ-Kitchen" hat die Mehrwertsteuersenkung an seine Kunden weitergegeben – zumindest bei seinem Kassenschlager. Das halbe Grillhähnchen kostet jetzt 5,90 Euro statt zuvor 8,90 Euro. Narten wirbt auf einer Werbetafel mit dem Slogan "Unser Steuerhähnchen". Die übrigen Preise seien stabil geblieben.

Allerdings relativiert auch Narten den Spielraum: Die Mindestlohnerhöhung und tägliche Preiserhöhungen von Lieferanten belasteten das Geschäft. Zudem beobachtet er einen veränderten Gastronomiebesuch: Dass Gäste auch nach 22 Uhr noch ausgingen, etwa nach dem Kinobesuch, falle inzwischen fast völlig weg. "Das hat mit der wirtschaftlichen Lage Deutschlands zu tun", sagt Narten.

Fazit für Anleger

Die Debatte um die Mehrwertsteuersenkung zeigt die angespannte Lage der deutschen Gastronomie. Einerseits kämpfen Betriebe mit steigenden Personal- und Lieferkosten, andererseits bleiben die Verbraucher vorsichtig. Für Anleger in börsennotierte Restaurantketten oder Gastronomie-Zulieferer bleibt die Branche ein schwieriges Umfeld: Margen sind gedrückt, die Preissensibilität der Kunden hoch und der Arbeitsmarkt angespannt. Die unterschiedlichen Studien von NGG und DEHOGA belegen vor allem eines: Die Entlastungswirkung der Steuersenkung verpufft weitgehend in den Betrieben, ohne dass Gäste oder Beschäftigte substanziell profitieren.

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