China reduziert US-Staatsanleihen auf tiefsten Stand seit 2008
Chinas Bestand an US-Staatsanleihen fällt auf 618 Milliarden Dollar – niedrigster Stand seit 2008.

Chinas Bestände an US-Staatsanleihen sind auf den niedrigsten Stand seit August 2008 gefallen. Wie aus aktuellen Daten des US-Finanzministeriums hervorgeht, sank der Wert der von chinesischen Anlegern gehaltenen US-Staatsverschuldung im Juli auf 618 Milliarden US-Dollar. Damit setzt Peking seinen jahrelangen Trend zur Reduzierung seiner US-Anleihenbestände fort.
Zum Vergleich: Auf ihrem Höhepunkt im November 2013 hielt China noch mehr als 1,3 Billionen US-Dollar an US-Staatsanleihen. Der kontinuierliche Rückgang unterstreicht den Wandel im Management der chinesischen Währungsreserven und die wachsenden wirtschaftlichen Spannungen zwischen den beiden größten Volkswirtschaften der Welt.
Hintergrund des Rückgangs
Die Entwicklung ist vor dem Hintergrund stark unterschiedlicher wirtschaftlicher Rahmenbedingungen in den USA und China zu sehen. Während die USA mit enormen Haushaltsdefiziten und höherer Inflation kämpfen, leidet China unter verlangsamtem Wirtschaftswachstum und deflatorischen Tendenzen – trotz Rekord-Handelsbilanzüberschüssen. In der Vergangenheit wurden diese Überschüsse größtenteils in US-Staatsanleihen investiert.
„Die sinkenden US-Staatsanleihebestände Chinas sind Teil eines globalen Trends der Diversifizierung in Gold und Agenturanleihen sowie anderer Vermögenswerte wie Aktien, insbesondere im Zuge des KI-Booms“, sagte Wei Li, Leiter Multi-Asset-Investments für BNP Paribas Securities in China.
Analysten gehen zudem davon aus, dass China einen wachsenden Anteil seiner US-Assets über Drittanbieter-Verwahrstellen wie Euroclear in Belgien und Clearstream in Luxemburg hält. Dies könnte das tatsächliche Ausmaß seiner Bestände verschleiern. Die offiziellen Daten des Finanzministeriums deuten dennoch auf eine schrittweise Reduzierung der offiziellen Bestände hin.
Geopolitische Faktoren beschleunigen den Trend
Chinas Desinvestitionen bei US-Staatsanleihen beschleunigten sich nach der Einfrierung russischer Auslandsreserven durch die USA infolge des russischen Angriffs auf die Ukraine im Jahr 2022. Peking fürchtet offenbar, zukünftig ähnlichen Maßnahmen ausgesetzt zu sein. Ein Teil des Rückgangs könnte jedoch auch marktbedingte Bewegungen widerspiegeln.
Die Financial Times berichtete diese Woche, dass ausländische Anleger nun mehr US-Aktien als Staatsanleihen kaufen. Dies ist ein Zeichen für die Anziehungskraft des durch Künstliche Intelligenz befeuerten Aktienmarktes und möglicherweise ein Signal für Bedenken hinsichtlich des „risikofreien“ Status von US-Staatsanleihen.
Laut Analysen der Deutschen Bank erreichten die internationalen Zuflüsse in US-Aktien im Jahr bis Juni durchschnittlich 2,8 Prozent des US-BIP und übertrafen damit zum ersten Mal in diesem Jahrhundert die Staatsanleihen mit 2 Prozent – abgesehen von kurzen Episoden während der Covid-19-Pandemie und in der Folge der globalen Finanzkrise.
Auswirkungen auf die globalen Märkte
„Chinas Schritt zeigt vor allem den USA, dass sie Staatsanleihen abstoßen können“, sagte Alicia García Herrero, Chefvolkswirtin für Asien-Pazifik bei der Investmentbank Natixis. Sie fügte hinzu, dass globale Anleger zunehmend besorgt über die US-Schuldenstände seien, die vergangenen Monat die Marke von 40 Billionen US-Dollar überschritten haben.
Gleichzeitig lockten steigende Renditen japanischer Staatsanleihen japanische Anleger zurück in den heimischen Markt, was die Renditen für US-Staatsanleihen weiter in die Höhe treiben könnte, so García Herrero.
China ist heute hinter Japan und Großbritannien der drittgrößte Halter von US-Staatsanleihen. Der enorme Bestand an US-Schulden war das Ergebnis eines jahrzehntelangen Handelsbilanzüberschusses – ein empfindlicher Punkt für Präsident Donald Trump. US-Beamte haben jedoch auch Bedenken bezüglich des ausländischen Verkaufs von Staatsanleihen geäußert, da dies die Renditen steigen lässt und die Refinanzierung der Schulden verteuert.
Die britischen Bestände an US-Staatsanleihen nähern sich unterdessen erstmals einem Volumen von fast einer Billion US-Dollar, was vor allem auf Beteiligungen privater Akteure wie Hedgefonds und anderer Verwahrstellen zurückzuführen ist.
