Südafrikas Verbrauchervertrauen steigt trotz Nahost-Konflikt und Inflation
Der FNB/BER-Index klettert von minus 19 auf minus 13 Punkte – doch der Konsum bleibt gedämpft.

Das Verbrauchervertrauen in Südafrika hat sich im dritten Quartal 2024 leicht erholt. Der vom First National Bank (FNB) gesponserte und vom Bureau for Economic Research (BER) erstellte Index stieg von minus 19 Punkten im zweiten Quartal auf minus 13 Punkte. Das zeigt eine am Donnerstag veröffentlichte Umfrage.
Trotz des Anstiegs bleibt die Stimmung der südafrikanischen Verbraucher jedoch angespannt. Grund dafür ist der seit sieben Monaten andauernde Konflikt im Nahen Osten, der die wirtschaftliche Unsicherheit verstärkt. Steigende Kraftstoffpreise, unklare Zinsentwicklungen und anhaltende Inflationsängste belasten die privaten Haushalte.
Ungleiche Auswirkungen auf Einkommensgruppen
Der Aufschwung im Verbrauchervertrauen wurde größtenteils von einkommensschwächeren Haushalten getragen. Diese Gruppe war weniger stark von den jüngsten Zinserhöhungen betroffen und profitierte zudem von einer sinkenden Inflationsrate bei Lebensmitteln. Die Umfrage zeigt damit ein differenziertes Bild der wirtschaftlichen Lage im Land.
Anders sieht es bei mittleren und hohen Einkommensbeziehern aus. Sie wurden von der im Mai von der südafrikanischen Zentralbank beschlossenen Zinserhöhung unverhältnismäßig stark getroffen. Der Grund: Diese Haushalte nutzen stärker formelle Bankkredite und geben mehr für langlebige Güter aus, wie Mamello Matikinca-Ngwenya, Chefvolkswirtin von FNB, erläuterte.
Kostensensibilität bleibt hoch
Für die kommenden Monate zeichnet sich keine schnelle Erholung des Konsums ab. „Die Verbraucher werden wahrscheinlich weiterhin kostensensibel agieren und im Vorfeld der Festtage Grundbedürfnisse vor freier Verfügbarkeit priorisieren“, sagte Matikinca-Ngwenya. Dies deute darauf hin, dass das Wachstum der Konsumausgaben gedämpft bleibe.
Die Chefvolkswirtin gab zudem eine Einschätzung für den Einzelhandel: „Einzelhändler mit einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis werden möglicherweise besser abschneiden als Marken im oberen Preissegment.“ Die Verbraucher konzentrieren sich demnach auf das Nötigste und verzichten auf Luxusausgaben.
Ausblick für die südafrikanische Wirtschaft
Die Daten des FNB/BER-Verbrauchervertrauensindex gelten als wichtiger Frühindikator für die Konsumlaune in Südafrika. Der leichte Anstieg von minus 19 auf minus 13 Punkte signalisiert eine gewisse Stabilisierung, bleibt aber auf einem niedrigen Niveau. Solange der Nahost-Konflikt anhält und die Energiepreise sowie die Inflation unter Druck bleiben, dürfte sich die Stimmung der Verbraucher nur langsam verbessern.
Für deutsche Anleger ist die Entwicklung in Südafrika relevant, da das Land zu den wichtigsten Schwellenländern zählt und viele internationale Unternehmen dort engagiert sind. Die anhaltende Kaufzurückhaltung der südafrikanischen Verbraucher könnte sich negativ auf die Umsätze von Konsumgüterherstellern und Einzelhändlern in der Region auswirken.
