ANZEIGE

Bailey: Zu unsicher für Prognosen zu vier Zinserhöhungen

BoE-Gouverneur Andrew Bailey hält die Lage für zu unvorhersehbar, um Markterwartungen zu bewerten.

2 Min
Bailey: Zu unsicher für Prognosen zu vier Zinserhöhungen

Der Gouverneur der Bank of England (BoE), Andrew Bailey, hat sich zurückhaltend zu den Markterwartungen von fast vier Zinserhöhungen im kommenden Jahr geäußert. Die Aussichten seien derzeit zu unvorhersehbar, um eine verlässliche Prognose abzugeben, sagte Bailey am Donnerstag nach der Zinsentscheidung der britischen Notenbank.

Die BoE hatte die Leitzinsen wie erwartet unverändert gelassen, warnte jedoch gleichzeitig vor zunehmendem Inflationsdruck. Auf die Frage, ob die Märkte mit der Einpreisung von mehreren Zinserhöhungen richtig lägen, zeigte sich Bailey zurückhaltend. „Wir haben dieses Mal viel diskutiert, und wir haben die Aussicht auf vier Zinserhöhungen nicht thematisiert“, erklärte er gegenüber Rundfunkanstalten.

Bailey warnt vor Unsicherheit

„Die Märkte müssen eine Einschätzung abgeben, aber ich möchte Folgendes sagen: Ich befürchte, die Situation ist im Moment zu unvorhersehbar“, fügte Bailey hinzu. Damit signalisiert der BoE-Chef, dass die Notenbank derzeit keine klare Linie für den weiteren Zinspfad vorgeben kann oder will.

In der Vergangenheit hatte Bailey sich durchaus deutlicher zu den Markterwartungen geäußert. Erst im April sagte er gegenüber Reuters, dass die Märkte „sich etwas voreilig“ verhielten, als sie mehrere Zinserhöhungen einpreisten. Im Juli betonte er zudem, dass eine Zinserhöhung später im Jahr alles andere als sicher sei. Die aktuelle Zurückhaltung markiert daher einen deutlichen Tonwechsel.

Neue Pläne für den Gilt-Markt

Bereits zu Beginn des Donnerstags hatte die Bank of England neue Pläne zur schrittweisen Reduzierung ihrer Bestände an britischen Staatsanleihen vorgestellt. Demnach sollen die Verkäufe langfristiger Gilts vollständig gestoppt und aktive Verkäufe für die nächsten sechs Monate ausgesetzt werden.

Bailey stellte jedoch klar, dass die aktuellen Bedingungen am Gilt-Markt nicht ausschlaggebend für diese Entscheidung waren. Die Renditen für 30-jährige britische Staatsanleihen hatten diese Woche ihr höchstes Niveau seit 1998 erreicht. „Wir haben diese Arbeiten lange vor dem Ausbruch des Konflikts im Nahen Osten geplant, daher handelt es sich überhaupt nicht um eine Reaktion auf die Marktbedingungen“, sagte Bailey.

Hintergrund für deutsche Anleger

Die Entwicklung der britischen Geldpolitik ist auch für deutsche Anleger von Bedeutung. Als eine der wichtigsten Notenbanken der Welt beeinflusst die BoE mit ihren Entscheidungen die Kapitalmärkte in ganz Europa. Zudem sind die Entwicklungen am Gilt-Markt ein wichtiger Indikator für die Stimmung an den globalen Anleihemärkten.

Die Unsicherheit über den weiteren Zinspfad in Großbritannien spiegelt ein allgemeines Phänomen wider: Angesichts hartnäckiger Inflation, geopolitischer Spannungen und schwankender Konjunkturdaten tun sich Notenbanken weltweit schwer, klare Forward Guidance zu geben. Auch die Europäische Zentralbank (EZB) und die US-Notenbank Fed kämpfen mit ähnlichen Abwägungen zwischen Inflationsbekämpfung und Konjunkturstützung.

Für Anleger bedeutet Baileys Zurückhaltung, dass sie sich in den kommenden Monaten auf erhöhte Volatilität an den Zinsmärkten einstellen sollten. Die Diskrepanz zwischen Markterwartungen und tatsächlicher Notenbankpolitik könnte für kurzfristige Kursausschläge sorgen.

Bank Of EnglandAndrew BaileyZinserhöhungenBoeGeldpolitikGilt-MarktLeitzins

Meistgelesene News

  1. Frankfurter Erbpacht-Schock: 1.900 Prozent mehr für Hausbesitzer
  2. BlackRock-Strategin warnt: Fed-Zinsentscheidung ist nicht die entscheidende Frage
  3. Warsteiner verliert Motel One und Sauerland-Stern als Kunden
  4. Warsteiner Brauerei kämpft mit Krise und Absatzproblemen
  5. Fed-Zinsentscheidung: Märkte zwischen Inflationsdruck und Stabilisierung

Disclaimer