SEC ebnet Weg für tokenisierte Aktien und 24/7-Handel
SEC erlässt Innovation Exemption für tokenisierte Aktien – neuer regulatorischer Rahmen tritt sofort in Kraft

Die US-Börsenaufsicht SEC hat am Donnerstag eine wegweisende Anordnung erlassen, die den Weg für tokenisierte Aktien an bestimmten Handelsplätzen ebnet. Die sogenannte „Innovation Exemption“ tritt sofort in Kraft und gewährt ausgewählten Plattformen regulatorische Erleichterungen für den Handel mit digitalen Aktienrepräsentationen.
Die Maßnahme ist Teil der SEC-Initiative „Project Crypto“, die im vergangenen Jahr startete, um die amerikanischen Finanzmärkte mit der Blockchain-Technologie zu verbinden. Tokenisierung – die Ausgabe digitaler Repräsentationen börsennotierter Wertpapiere auf einem Blockchain-Netzwerk – gilt als einer der vielversprechendsten Trends der Finanzbranche.
Hintergrund und regulatorischer Kontext
Der Schritt der SEC erfolgt nur zwei Tage nach dem Scheitern des sogenannten Clarity Act im US-Senat. Dieses Gesetz zur Struktur des Kryptomarktes hätte klare Regeln für die Klassifizierung und Regulierung digitaler Vermögenswerte geschaffen. Nun versucht die Behörde, die regulatorische Grenze durch ihre bestehenden Befugnisse zu definieren.
Die fünfjährige Befreiung soll den Markt für tokenisierte Wertpapiere ankurbeln und gleichzeitig Daten für endgültige Regelungen liefern. Sie könnte auch dem Kongress helfen zu bestimmen, ob neue Gesetze erforderlich sind. Es handelt sich nicht um ein formelles Regelungsverfahren, sondern um eine zeitlich befristete Innovationsfreigabe.
Zentrale Streitpunkte: Rechte der Token-Inhaber
Zwei Anforderungen haben sich als Kernpunkte der Diskussion herauskristallisiert. Erstens müssen Inhaber von Aktientokens dieselben Rechte behalten, die sie bei traditionellen Beteiligungen hätten. Zweitens müssen Unternehmen das Recht haben, der Tokenisierung ihrer Wertpapiere zu widersprechen.
Die Debatte um die Aktionärsrechte verschärfte sich nach einem öffentlichen Streit zwischen den CEOs von Robinhood und AMC. AMC-CEO Adam Aron argumentierte, dass Anbieter wie Robinhood die traditionelle Beziehung zwischen Unternehmen und ihren Aktionären untergraben, indem sie Exposure zu AMC-Aktien schaffen, ohne Beteiligung der emittierenden Gesellschaft.
Neue Regeln für Handelsplattformen
Die Innovation Exemption schreibt vor, dass Aktientoken-Inhabern dieselben Rechte und Privilegien wie bei traditionellen Wertpapieren gewährt werden müssen. Dazu gehören Dividendenzahlungen und die Ausübung von Stimmrechten. Unternehmen können der Tokenisierung widersprechen und verhindern, dass ihre Aktien als Token gehandelt werden.
Handelsplattformen müssen das Unternehmen über ihre Absicht informieren, die Aktien zu tokenisieren. Anschließend müssen sie 30 Tage warten, nachdem das Unternehmen die Mitteilung erhalten hat, bevor sie mit dem Handel des Tokens beginnen. Wenn das Unternehmen innerhalb dieser Frist widerspricht, darf der Handelsplatz die tokenisierte Aktie nicht zum Handel verfügbar machen, so ein SEC-Sprecher.
Potenzial und Risiken der Tokenisierung
Coinbase, Robinhood, Gemini und die Kraken-Börse von Payward haben bereits Offshore-Angebote mit tokenisierten Aktien lanciert, diese jedoch noch nicht US-Kunden angeboten. Mit einer größeren Akzeptanz könnte die Tokenisierung verändern, wie Wertpapiere gehandelt und abgewickelt werden.
Ein 24/7-Handel wäre möglich, und tokenisierte Vermögenswerte könnten sich nahtlos in blockchain-basierte Finanzinfrastrukturen integrieren. Es gibt jedoch potenzielle Nachteile, darunter erhöhte Volatilität und eine größere Anfälligkeit für starke Kursschwankungen bei dünneren Handelsaktivitäten. Die Innovation Exemption umfasst daher Volumenbegrenzungen, um diese Risiken abzumildern.
Reaktionen und Ausblick
Robinhood erklärte in dieser Woche, dass es beginne, den Bedenken Rechnung zu tragen. Das Unternehmen plane, Inhabern von Aktientoken zu gestatten, ihre Tokens im Verhältnis 1:1 gegen die zugrunde liegenden Aktien einzulösen, und Stimmrechte hinzuzufügen.
Ein SEC-Sprecher sagte, die Kommission habe Gespräche mit Emittenten geführt, und es wachse der Optimismus hinsichtlich des Potenzials der Tokenisierung. Das Feedback aus der Emittentengemeinde deute darauf hin, dass die Technologie in irgendeiner Form übernommen werde. Die kommenden fünf Jahre werden zeigen, ob sich tokenisierte Aktien am US-Markt etablieren können und welche regulatorischen Rahmenbedingungen langfristig gelten werden.
