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Campbell's in der Krise: Warum die Suppenaktie zur Dividendenfalle wurde

Campbell's steckt in der Krise: Kurs halbiert, Dividende gekürzt. Warum die Suppenaktie zur Falle wird.

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Campbell's in der Krise: Warum die Suppenaktie zur Dividendenfalle wurde

Der amerikanische Lebensmittelkonzern The Campbell's Company zählt zu den ältesten und bekanntesten Marken der USA. Doch das einstige Suppenimperium steckt tief in der Krise. Der Aktienkurs hat sich binnen zwei Jahren mehr als halbiert, die Dividende wurde erstmals seit 25 Jahren gekürzt. Was auf den ersten Blick wie ein günstiges Investment mit hoher Rendite aussieht, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als klassische Dividendenfalle.

Auf den ersten Blick wirkt die Campbell's-Aktie verlockend. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) liegt bei rund zehn, die Dividendenrendite kletterte zuletzt auf über sieben Prozent. Doch dieser Eindruck täuscht, wie WirtschaftsWoche-Chefredakteur Horst von Buttlar und Scalable-Capital-Chefökonom Christian W. Röhl im Podcast „Leben mit Aktien“ erläutern. Die hohe Rendite ist in erster Linie auf den gefallenen Kurs zurückzuführen – und nicht auf eine starke Ausschüttungspolitik.

Vom Suppenpionier zum Sanierungsfall

Die Geschichte von Campbell's beginnt 1869 in Camden, New Jersey. Der Obst- und Gemüsehändler Joseph Campbell und der Konservenhersteller Abraham Anderson gründeten das Unternehmen als Anderson & Campbell. Den Durchbruch brachte eine Innovation: 1897 entwickelte John T. Dorrance ein Verfahren zur Kondensation von Suppen. Durch den Entzug von Wasser konnten kleinere Dosen produziert, Transportkosten gesenkt und die Produkte günstiger angeboten werden.

Das ikonische rot-weiße Etikett führte Campbell's bereits 1898 ein. Der Pop-Art-Künstler Andy Warhol machte die Suppendose 1962 mit seinem Werk „Campbell's Soup Cans“ zur Kunstikone. Die Marke wurde zum Symbol amerikanischer Esskultur. Über die Jahrzehnte erweiterte der Konzern sein Portfolio um Fertiggerichte, Saucen, Getränke und Snacks. Heute gehören Marken wie Pepperidge Farm, V8, Prego, Rao's, Goldfish, Kettle Brand und Cape Cod zum Konzern. Das breite Markenportfolio konnte den Abstieg jedoch nicht verhindern.

Bilanz unter Druck: Umsatz und Gewinn schrumpfen

Im Geschäftsjahr 2026 fiel der Umsatz um fünf Prozent auf 9,7 Milliarden Dollar. Noch deutlicher war der Rückgang beim bereinigten Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit): Es sank um 21 Prozent auf rund 1,2 Milliarden Dollar. Hauptgrund sind gesunkene Margen. Als Belastungsfaktoren nennt Campbell's die Inflation, gestiegene Lieferkettenkosten und Zollkosten.

Die schwache Geschäftsentwicklung trifft auf eine ohnehin angespannte Bilanz. Zum Ende des Geschäftsjahres 2026 wies der Konzern kurzfristige Finanzschulden von 977 Millionen Dollar und langfristige Schulden von rund 6,2 Milliarden Dollar aus. Nach Abzug der liquiden Mittel lag die Nettoverschuldung bei rund 6,7 Milliarden Dollar. Die Zinsaufwendungen sind massiv gestiegen – und die jüngste Zinsanhebung der US-Notenbank verbessert die Aussichten auf niedrigere Refinanzierungskosten nicht.

Sparprogramm und Dividendenkürzung

Campbell's will mit einem neuen Sparprogramm gegensteuern. Bis 2030 sollen insgesamt 500 Millionen Dollar eingespart werden. Dazu gehören auch noch offene Maßnahmen aus einem früheren Sparpaket. Geplant sind Werksschließungen, Stellenabbau und Optimierungen bei den Ausgaben. Bis die Maßnahmen greifen, dürfte es jedoch dauern. Für das Geschäftsjahr 2027 rechnet Campbell's mit einem weiteren Umsatzrückgang von zwei bis vier Prozent. Das bereinigte Ebit soll um sieben bis zwölf Prozent sinken.

Angesichts dieser Prognose zieht der Konzern die Reißleine und kürzt die Dividende – zum ersten Mal seit 25 Jahren. Statt 0,39 Dollar je Aktie pro Quartal erhalten Aktionäre künftig nur noch 0,25 Dollar. Auf das Jahr hochgerechnet sinkt die Ausschüttung von 1,56 Dollar auf 1,0 Dollar je Aktie – ein Rückgang von gut einem Drittel. Zur Begründung verweist Campbell's auf den beschleunigten Schuldenabbau. Tatsächlich kann sich das Unternehmen die bisherige Ausschüttung angesichts sinkender Umsätze, schrumpfender Margen und hoher Zinsbelastung kaum noch leisten.

Warum die Aktie keine günstige Einstiegsgelegenheit ist

Durch die Dividendenkürzung verliert Campbell's an Attraktivität für Anleger, die auf jahrzehntelang stabile Ausschüttungen setzen. Horst von Buttlar weist darauf hin, dass die Aktie durch die erste Kürzung seit einem Vierteljahrhundert aus diesem Beuteschema herausfällt. Das größere Problem liegt jedoch im operativen Geschäft. Christian W. Röhl zufolge ist ein Umsatzwachstum, das dauerhaft unter der Inflation liegt, oft ein Hinweis auf strukturelle Probleme. Campbell's kann höhere Kosten offenbar nicht mehr wie früher an die Verbraucher weitergeben.

Mit einem Kurs von rund 21 Dollar notiert die Aktie ungefähr auf dem Niveau von 1994. Trotz eines KGV von zehn ist sie kein Schnäppchen. Die Kennzahl berücksichtigt etwa die hohe Verschuldung nicht, warnt Röhl. Auch die Dividendenrendite ist durch die Kürzung um rund zwei Prozentpunkte auf etwa fünf Prozent gefallen.

Gerade vermeintliche Defensivklassiker wie Campbell's können zur Falle für Anleger werden. Der Blick auf die bekannte Marke, die lange Ausschüttungshistorie und die hohe Dividendenrendite verdeckt oft die Warnsignale: schwache Umsatzentwicklung, sinkende Margen und hohe Schulden. Für Anleger, die auf stabile Dividendenwerte setzen, ist Campbell's derzeit kein überzeugendes Investment.

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