Britische Wettbewerbshüter deckeln Tierarzt-Verschreibungsgebühren auf 21 Pfund
Britische Wettbewerbsbehörde deckelt Tierarzt-Verschreibungsgebühren auf 21 Pfund und verordnet mehr Transparenz.

Die britische Wettbewerbsbehörde Competition and Markets Authority (CMA) hat weitreichende Regulierungen für den Tierarztmarkt erlassen. Ab Dienstag werden die Auflagen rechtlich verbindlich, die unter anderem eine Deckelung der Verschreibungsgebühren auf 21 Pfund vorsehen. Tierärzte müssen zudem künftig auf günstigere Online-Alternativen für Medikamente hinweisen, vor Behandlungen ab 500 Pfund schriftliche Kostenvoranschläge vorlegen und umfassende Preislisten veröffentlichen. Die Maßnahmen sind das Ergebnis einer Untersuchung, die ergeben hatte, dass die Preise für tierärztliche Leistungen nahezu doppelt so stark gestiegen waren wie die Inflationsrate.
Die CMA hatte den Sektor unter die Lupe genommen, nachdem sich Haustierbesitzer zunehmend über steigende Kosten beschwert hatten. Die Behörde stellte fest, dass die Preise für tierärztliche Behandlungen und Medikamente überproportional gestiegen waren. Nun greift die Wettbewerbshüterin mit einem Bündel an Maßnahmen durch, die Transparenz schaffen und den Wettbewerb fördern sollen.
Die wichtigsten Neuerungen im Überblick
Die Verschreibungsgebühren für Medikamente werden auf 21 Pfund gedeckelt. Bislang konnten Tierärzte hier weitgehend frei kalkulieren. Zudem müssen Praxen ihre Kunden aktiv darauf hinweisen, wenn verschreibungspflichtige Arzneimittel online günstiger erhältlich sind. Dies soll Haustierbesitzern helfen, Kosten zu sparen und den Wettbewerb zwischen Tierärzten und Online-Apotheken fördern.
Darüber hinaus sind Tierarztpraxen verpflichtet, eine „umfassende“ Preisliste für Standarddienstleistungen zu veröffentlichen. Diese muss Konsultationen, gängige Eingriffe und Optionen für die Kremierung umfassen. Für jede Behandlung, von der anzunehmen ist, dass sie 500 Pfund oder mehr kostet – einschließlich Nachsorgekosten –, muss im Voraus ein schriftlicher Kostenvoranschlag sowie eine detaillierte Rechnung vorgelegt werden. Notfälle sind von dieser Regelung ausgenommen.
Tierarztunternehmen müssen zudem klarstellen, ob sie Teil eines Netzwerks oder ein unabhängiger Betrieb sind. Um Haustierbesitzern den Vergleich lokaler Praxen zu erleichtern, werden Preis- und Besitzverhältnisinformationen über den „Find a Vet“-Service des Royal College of Veterinary Surgeons bereitgestellt. Diese Daten werden auch mit Drittanbieter-Vergleichsportalen geteilt.
Kritik von unabhängigen Tierärzten
Martin Coleman, Vorsitzender des Gremiums der CMA, zeigte sich überzeugt von den Maßnahmen: „Die geforderten Änderungen sind solche, die Haustierbesitzern helfen werden, besser über die Preise informiert zu sein.“ Doch nicht alle Beteiligten teilen diese Einschätzung. Cate Titterton, Inhaberin einer unabhängigen Tierarztdienstleistung in Saltburn, äußerte gegenüber BBC Your Voice deutliche Kritik.
„Tierarztpraxen müssen weiterhin eine vollständig bestückte Apotheke vorhalten. Wenn wir also nicht mehr den geringen Gewinn aus den Medikamenten erzielen, müssen wir woanders Gewinne erwirtschaften“, erklärte Titterton. „Daher werden sich Preise für Dinge wie Dienstleistungen, Konsultationen und Operationen leider sehr wahrscheinlich erhöhen müssen.“ Sie sieht einen „klaren Gewinner“ aus dieser Entwicklung: größere Tierarztgruppen und Konzerne.
Diese Befürchtung ist nicht unbegründet. Mehr als zwei Drittel der Tierarztpraxen in Großbritannien gehören inzwischen zu sechs großen Unternehmensgruppen. Kritiker warnen, dass die neuen Auflagen unabhängige Praxen überproportional belasten und den Konzentrationsprozess weiter beschleunigen könnten.
Gemischte Reaktionen aus der Branche
Der Präsident der British Veterinary Association (BVA), Dr. Rob Williams, betonte, dass Tierarztpraxen bereits weitgehend nach den Auflagen der CMA arbeiteten. Dies gelte insbesondere für die Vorschriften zur Bearbeitung von Beschwerden, Kostenvoranschlägen für Routineeingriffe und Verschreibungskosten. „Wir haben der CMA während ihrer gesamten Untersuchung deutlich gemacht, dass sie sicherstellen muss, dass ihre Auflagen kleinere, unabhängige Praxen nicht unverhältnismäßig belasten, und wir haben dort widersprochen, wo wir Bedenken hatten“, so Williams.
Die Tierärzte haben bis zu zwölf Monate Zeit, um alle Änderungen umzusetzen. Die genauen Fristen hängen von der jeweiligen Verordnung und der Größe des Unternehmens ab. Die CMA hat die zeitlichen Vorgaben detailliert festgelegt.
Verbraucher berichten von negativen Erfahrungen
Ein Haustierbesitzer, der sich bei BBC Your Voice gemeldet hat, hofft auf einen günstigeren und transparenteren Markt. Clive Di Giorgio berichtete, ihm seien Tausende von Pfund für eine Behandlung berechnet worden, nachdem ihm ein Tierarzt gesagt hatte, ein Ausschlag auf dem Rücken seines Hundes Louis sei „definitiv“ ein Anzeichen für Krebs. Nachdem er eine zweite Meinung einholte, wurde ihm mitgeteilt, der Ausschlag sei nicht krebsartig. Die Behandlung mit Steroiden, Antibiotika und einem Spray heilte den Ausschlag innerhalb von zwei Wochen.
„Man hat einfach das Gefühl, dass man beim Tierarzt jetzt nicht mehr daran interessiert ist, was mit dem Tier los ist“, sagte Di Giorgio. „Man hat das Gefühl, dass das einzige Interesse darin besteht, wie viel Geld man im Grunde genommen aus einem herausholen kann.“
Für deutsche Anleger ist die Entwicklung auch deshalb interessant, weil mehrere der großen Tierarztketten in britische Private-Equity-Fonds oder internationale Gesundheitskonzerne eingebettet sind. Die Regulierung könnte die Margen im Tierarztsektor unter Druck setzen, gleichzeitig aber auch Konsolidierungstreiber sein. Die kommenden Monate werden zeigen, ob die Maßnahmen tatsächlich zu mehr Transparenz und niedrigeren Preisen führen – oder ob die Kosten am Ende auf anderem Wege wieder hereingeholt werden.
