Boaz Weinstein gewinnt Kampf um SpaceX-Fonds in Großbritannien
Hedgefonds-Manager Saba Capital übernimmt nach 17-monatigem Kampf die Kontrolle über den Edinburgh Worldwide Investment Trust.

Der aktivistische Investor Boaz Weinstein hat einen entscheidenden Sieg in Großbritannien errungen. Der US-amerikanische Hedgefonds-Manager gewann am Donnerstag eine wichtige Aktionärsabstimmung zur Neubesetzung des Verwaltungsrats des Edinburgh Worldwide Investment Trust – einem britischen Investmenttrust, der vor allem für seine bedeutende Beteiligung an SpaceX bekannt ist.
Der fast 1,2 Milliarden US-Dollar schwere Fonds hält eine Beteiligung von rund 240 Millionen US-Dollar an Elon Musks Raketenunternehmen SpaceX. Das Abstimmungsergebnis ebnet Weinsteins Firma Saba Capital Management nun den Weg zur Übernahme der Fondsverwaltung – eine Rolle, die es Saba ermöglicht, Gebühren zu vereinnahmen und über die Verwendung des Fondsvermögens zu entscheiden.
Baillie Gifford verliert langjährigen Verwaltungsauftrag
Der Sieg von Saba Capital wird voraussichtlich Baillie Gifford verdrängen, den schottischen Investmentriesen, der den Trust seit langer Zeit verwaltet. Für Baillie Gifford bedeutet dies den Verlust eines bedeutenden Mandats, das das Unternehmen über viele Jahre hinweg gehalten hatte.
Der Schritt bildet den Abschluss eines fast 17-monatigen Kampfes um den Fonds. In dieser Zeit scheiterten zwei frühere Versuche Weinsteins, die Kontrolle über den Trust zu übernehmen. Erst beim dritten Anlauf gelang es Saba Capital, die nötige Mehrheit der Aktionäre hinter sich zu bringen.
Weinstein hatte Ende 2024 eine umfassendere Kampagne gestartet, um die rund 150 Jahre alte britische Investmenttrust-Branche aufzurütteln. Dabei griff er zunächst sieben Fonds an – mit dem Argument, dass deren Aktien mit erheblichen Abschlägen gegenüber dem tatsächlichen Wert ihrer Portfolios gehandelt wurden. In der Fachsprache spricht man dabei von einem sogenannten „Discount to NAV" (Net Asset Value), also einem Abschlag zum Nettoinventarwert.
Strategie: Abschläge abbauen und Gewinne erzielen
Weinsteins Strategie war dabei klar definiert: die Verwaltungsräte der betroffenen Trusts absetzen, deren Strategien ändern und durch den Abbau dieser Abschläge Gewinne für die Aktionäre erzielen. Dieses Vorgehen ist typisch für aktivistische Investoren, die gezielt unterbewertete Strukturen ins Visier nehmen.
Die Bemühungen des New Yorker Hedgefonds-Managers stießen bei der alteingesessenen Londoner Finanzelite zunächst auf entschiedene Ablehnung. Die Aktionäre der betroffenen Trusts – einschließlich jener des Edinburgh Worldwide – stimmten in einer ersten Runde massenhaft gegen seine Vorschläge. Dieser Widerstand verzögerte Weinsteins Pläne erheblich, konnte sie letztlich aber nicht aufhalten.
Der Fall Edinburgh Worldwide zeigt exemplarisch, wie aktivistische Investoren aus den USA zunehmend auch auf dem britischen Markt Einfluss gewinnen. Für deutsche Privatanleger ist das Geschehen relevant, da ähnliche geschlossene Investmentstrukturen auch hierzulande existieren und vergleichbare Discount-Strategien grundsätzlich anwendbar wären. Der Ausgang dieses Kampfes dürfte die Branche nachhaltig beeinflussen und könnte weitere aktivistische Kampagnen gegen britische Investmenttrusts nach sich ziehen.
