Bank of America stuft Nike herab: Kursziel fällt auf 30 Dollar
Die Bank of America rät zum Verkauf von Nike-Aktien und senkt das Kursziel deutlich – die Risiken der Wende steigen.

Die Bank of America hat den Sportartikelhersteller Nike von „Neutral" auf „Underperform" herabgestuft und empfiehlt Anlegern damit den Verkauf ihrer Anteile. Zugleich senkte die Investmentbank ihr Kursziel für die Aktie von 47 auf 30 Dollar. Bezogen auf den Schlusskurs vom Donnerstag entspricht das einem potenziellen Kursrückgang von nahezu 17 Prozent. Der riskante Weg, das schwächelnde Geschäft wieder auf Kurs zu bringen, überzeugt die Analysten der Bank nicht mehr.
„Die Risiken steigen", schrieb Analystin Lorraine Hutchinson in einer Notiz an Kunden am Freitag. Sie warnte ausdrücklich vor Abwärtsrisiken bei den Gewinnprognosen und beim Aktienkurs von Nike. Als Begründung führt sie an, dass Innovationen weiterhin im Schatten des „unter Druck geratenen Klassik-Geschäfts" stehen, während die Kategorie insgesamt schleppend verläuft. Für deutsche Anleger ist das ein deutliches Signal: Der einst als Wachstumswert gehandelte Konzern wird von der Bank zunehmend als Risikoposition eingeordnet.
Konkret rechnet Hutchinson bis zum Geschäftsjahr 2027 (F27E) nun mit einem negativen Umsatzwachstum – ein klarer Kurswechsel gegenüber ihrer früheren Erwartung eines Wendepunkts im Frühjahr. „Unsere F27E-EPS-Prognose liegt 14% unter dem VA-Konsens", so die Analystin. Zusätzlich belastet die Dividendenpolitik: Die Ausschüttungsquote liegt bei über 100 Prozent. Infolgedessen senkte die Bank ihre Einkommensbewertung von 7 (gleich/höher) auf 8 (gleich/niedriger). Das neue Kursziel von 30 Dollar basiert auf einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 16x, nach zuvor 22x, und entspricht damit nun dem Durchschnitt der Peer-Gruppe.
China bleibt der größte Unsicherheitsfaktor
Ein zentrales Problem sieht die Analystin im wichtigen chinesischen Markt. „Der Reset in China sieht sich einem schwierigeren Nachfragehintergrund gegenüber", schrieb Hutchinson. China befinde sich im Wandel, und Nikes Reduzierung der Online-Verkäufe über Partner werde voraussichtlich zu stärkerem Preisdruck bis zum zweiten Quartal führen. Der Wettbewerb sei intensiv, die Suche nach Neuheiten größer denn je. Die Analystin sieht das Risiko, dass die Umsätze mindestens bis zum Geschäftsjahr 2027 zurückgehen.
Auch bei den Gewinnschätzungen legte die Bank nach: Sie senkte ihre EPS-Prognosen für die Geschäftsjahre 2027 und 2028 um jeweils 11 beziehungsweise 12 Prozent. Damit verschärft sich das Bild einer Wende, die länger dauert und teurer wird als ursprünglich angenommen.
Wall Street verliert das Vertrauen
Der Druck auf die Aktie ist bereits erheblich. Die Nike-Papiere sind im vergangenen Jahr um 47 Prozent gefallen, da sich das Unternehmen mit mehreren makroökonomischen Herausforderungen konfrontiert sah. Dazu zählen Zollerhöhungen, die die Strategie „Win Now" zur Bewältigung des Umsatzrückgangs der letzten Jahre kompliziert hätten. Die Kurse sind in den letzten zwölf Monaten um 47 Prozent gesunken.
Die Skepsis an der Wall Street wächst spürbar. Seit Anfang August haben fünf Analysten die Aktie abgewertet. Laut Daten von LSEG haben von den 44 Analysten, die Nike abdecken, 26 eine Halte-Empfehlung. Die wichtigsten Punkte im Überblick:
- Herabstufung von „Neutral" auf „Underperform"
- Kursziel gesenkt von 47 auf 30 Dollar (rund 17% Abwärtspotenzial)
- Erwartetes negatives Umsatzwachstum bis F27E
- F27E-EPS-Prognose 14% unter dem Konsens
- Dividendenquote über 100%, Einkommensbewertung auf 8 gesenkt
- Bewertung mit KGV 16x statt zuvor 22x
Für Privatanleger bedeutet das eine schwierige Abwägung. Zwar notiert die Aktie nach dem Kursrückgang von 47 Prozent auf einem deutlich niedrigeren Niveau, doch die Bank of America sieht darin keinen Einstiegsgrund. Solange Innovationen das Klassik-Geschäft nicht kompensieren und der chinesische Markt keine stabilen Zuwächse liefert, bleibt die von Hutchinson beschriebene Wende fragil.
