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Nike: BofA stuft Aktie auf Underperform herab – Kursziel 30 Dollar

Die Bank of America senkt das Kursziel von 47 auf 30 US-Dollar und erwartet die Verkaufserholung von Nike erst im Geschäftsjahr 2028.

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Nike: BofA stuft Aktie auf Underperform herab – Kursziel 30 Dollar

Die Aktien von Nike sind am Freitag im Vorhandel um mehr als 2 Prozent gefallen. Auslöser war eine Abstufung durch die Bank of America (BofA), die das Rating der Aktie von „Neutral" auf „Underperform" (Unterdurchschnittlich) gesenkt hat. Zugleich wurde das Kursziel von 47 auf 30 US-Dollar reduziert.

Zur Begründung heißt es, dass sich die Erholung der Verkaufszahlen des Sportartikelriesen voraussichtlich erst in das Geschäftsjahr 2028 verschiebt. Zuvor war ein früherer Eintritt der Trendwende erwartet worden. Für Anleger bedeutet die Abstufung einen deutlichen Dämpfer in einer ohnehin schwierigen Phase für die Nike-Aktie.

Die Details

Die Analysten unter der Leitung von Lorraine Hutchinson haben ihre Schätzungen für den Gewinn je Aktie (EPS) für die Geschäftsjahre 2027 und 2028 um jeweils 11 Prozent beziehungsweise 12 Prozent nach unten korrigiert. Sie prognostizieren nun ein negatives Umsatzwachstum bis zum Ende des Geschäftsjahres 2027 und revidieren damit die vorherige Erwartung einer Trendwende im Frühjahr.

Die Schätzung für den EPS im Geschäftsjahr 2027 liegt 14 Prozent unter dem Konsens von Visible Alpha. Auch das Einkommensrating wurde von der BofA gesenkt, da die Dividendenausschüttungsquote 100 Prozent übersteigt.

Das neue Kursziel von 30 US-Dollar basiert auf einem 16-fachen Preis-Gewinn-Verhältnis (KGV). Zuvor hatte die Bank ein 22-faches KGV angesetzt. Mit der Anpassung bringt sie die Bewertung nun mit dem Branchendurchschnitt in Einklang.

Ein zentraler Punkt der Analyse ist die Entwicklung im Großhandel. In Nordamerika hatte dieses Segment zuletzt mit einem Wachstum von 14 Prozent im Geschäftsjahr 2026 zu den Stärken gezählt – und das trotz stagnierender Gesamtumsätze. Die Analysten erwarten jedoch, dass dieser Bereich an Dynamik verlieren wird, da der Absatz (Sell-through) weiterhin hinter den Lieferungen (Sell-in) zurückbleibt.

Konkret heißt es, dass „in einigen Fällen der Absatz hinter den Lieferungen zurückbleibt, da klassische Modelle und Neuveröffentlichungen die Erwartungen verfehlen". Dies könnte dazu führen, dass Händler weniger bereit sind, auf neue Produkte zu setzen. Die BofA modelliert daher einen Rückgang der Großhandelsumsätze in Nordamerika ab dem zweiten Quartal, der sich durch den Rest des Geschäftsjahres 2027 fortsetzen soll.

Für China erwartet die Bank, dass die Reduzierung der Online-Partnerdistribution bis zum zweiten Quartal zu verstärktem Rabattdruck führt. Erst danach dürfte das Unternehmen seine Marke online kohärenter präsentieren. Das Team für Luxusgüter der BofA hat dazu eine Studienreise nach China durchgeführt und dabei eine schwache Nachfrage im Sportbereich festgestellt. Beobachtet wurden Produkte, die bei Verbrauchern nicht auf Resonanz stoßen, eine moderierende Stärke im Laufschuhsegment sowie übermäßige Lagerbestände aufgrund der schwachen Nachfrage.

Die Analysten weisen darauf hin, dass der seit Jahresbeginn um 44 Prozent gesunkene Aktienkurs – im Vergleich zu einem Plus von 12 Prozent beim S&P 500 – bereits einen um 40 Prozent reduzierten EPS-Schätzwert für das Geschäftsjahr 2027 über denselben Zeitraum widerspiegelt. Dies mache es „unwahrscheinlich, dass die Aktie ein Premium-KGV angesichts weiterer EPS-Kürzungen halten wird".

Gewisse Fortschritte bei der Produktinnovation räumten die Analysten zwar ein. Sie stellten jedoch fest, dass diese Gewinne „von schwächeren, größeren Kategorien im Casual-Bereich völlig überschattet wurden". Angesichts des unter Druck stehenden Umsatzes sagt die BofA voraus, dass die Gewinnprognose von Nike zunehmend von der Ausweitung der Bruttomarge und der Kostenkontrolle abhängt. Daraus ergeben sich Abwärtsrisiken, falls die Umsetzung nicht gelingt.

Hintergrund: Was bisher geschah

Die Abstufung ist Teil einer längeren Serie von Rückschlägen. Bereits am 02.04.2026 berichtete aktien.news, dass die Nike-Aktie nach enttäuschenden Quartalszahlen um mehr als 15 Prozent eingebrochen war. Auslöser war vor allem eine düstere Prognose für den weiteren Jahresverlauf. Finanzvorstand Matt Friend warnte in einer Analystenkonferenz, dass der Umsatz bis Ende des Kalenderjahres im niedrigen einstelligen Prozentbereich sinken werde. Besonders das China-Geschäft belastete den Konzern massiv.

Am 01.07.2026 meldete aktien.news, dass der Nike-Turnaround stockt. Der Umsatz sank im vierten Quartal um 1 Prozent, während die Verkäufe in China zweistellig einbrachen. CEO Elliott Hill räumte offen ein, dass der Turnaround noch weit von seinem Ziel entfernt ist. „Insgesamt sind die Ergebnisse noch nicht da", sagte Hill in einer Telefonkonferenz – und äußerte sich damit zum zweiten Mal in Folge enttäuscht über den Zeitplan der Erholung.

Ebenfalls am 01.07.2026 berichtete aktien.news, dass Nike vor einem Umsatzrückgang warnt und die Kunden weltweit unter erheblichem Druck stehen. „Unsere Kunden sind rund um die Welt unter Druck", erklärte Finanzchef Matthew Friend. Für die kommenden sechs Monate rechnete der Konzern nicht mit einer Verbesserung der Verbraucherstimmung. Bereits zuvor hatte Nike auf Risiken durch den Iran-Krieg hingewiesen, der durch steigende Ölpreise zu ungeplanten Schwankungen im Konsumverhalten führen könne.

Am 02.08.2026 schließlich berichtete aktien.news über Nikes China-Reset. Das Unternehmen zieht sich aus rabattierten Großhandelskanälen zurück und gibt von Partnern betriebene Online-Shops auf. Die Analysten von Bernstein sahen darin eine zweischneidige Entscheidung: bessere Margen, aber erhebliche Umsatzeinbußen.

Was das für Anleger bedeutet

Für deutsche Privatanleger ist die Abstufung ein Signal, dass die erhoffte Wende bei Nike weiter auf sich warten lässt. Die BofA verweist darauf, dass die Bewertung der Aktie nach dem Kursrückgang von 44 Prozent seit Jahresbeginn zwar bereits gesunken ist, ein Premium-KGV aber angesichts weiterer EPS-Kürzungen schwer zu halten sein dürfte. Das neue Kursziel von 30 US-Dollar orientiert sich an einem 16-fachen KGV, das dem Branchendurchschnitt entspricht. Damit wird die frühere Bewertungsprämie, die sich im 22-fachen KGV ausdrückte, aufgegeben.

Zugleich hängt die Gewinnentwicklung nach Einschätzung der Analysten zunehmend von Faktoren ab, die Nike selbst steuern kann – der Bruttomarge und der Kostenkontrolle. Die BofA sieht dabei einige Margenpotenziale durch niedrigere Zölle: Der neue Satz liegt bei 10 bis 12,5 Prozent, verglichen mit rund 20 Prozent vor einem Jahr. Zusätzlich wird erwartet, dass der neue Finanzvorstand von Nike die Kostensenkung zu einem wichtigen Schwerpunkt macht, einschließlich der Reduzierung der allgemeinen Verwaltungskosten. Gelingt die Umsetzung nicht, bestehen Abwärtsrisiken.

Ein weiterer Belastungsfaktor bleibt das China-Geschäft. Der erwartete Rabattdruck durch die Reduzierung der Online-Partnerdistribution und die schwache Sportnachfrage könnten die Erholung zusätzlich verzögern.

Ausblick

Nach Einschätzung der BofA verschiebt sich die Erholung der Verkaufszahlen in das Geschäftsjahr 2028. Bis zum Ende des Geschäftsjahres 2027 erwartet die Bank negatives Umsatzwachstum. Im nordamerikanischen Großhandel wird ein Rückgang ab dem zweiten Quartal modelliert, der sich durch den Rest des Geschäftsjahres 2027 fortsetzen soll. In China dürfte der verstärkte Rabattdruck bis zum zweiten Quartal anhalten, bevor das Unternehmen seine Marke online kohärenter präsentiert. Die Analysten rechnen damit, dass die Bruttomarge und die Kostensenkung unter dem neuen Finanzvorstand zu den entscheidenden Hebeln werden.

Kurz erklärt

  • KGV: Das Kurs-Gewinn-Verhältnis setzt den Aktienkurs ins Verhältnis zum Gewinn je Aktie und zeigt, wie teuer ein Unternehmen an der Börse bewertet wird.
  • Sell-in und Sell-through: Sell-in bezeichnet die Lieferungen eines Herstellers an den Handel, Sell-through die tatsächlich an Endkunden verkauften Waren.
  • Bruttomarge: Sie beschreibt den Anteil des Umsatzes, der nach Abzug der direkten Herstellungskosten übrig bleibt.
  • Dividendenausschüttungsquote: Diese Kennzahl gibt an, welcher Teil des Gewinns als Dividende an die Aktionäre ausgeschüttet wird.
  • EPS: Der Gewinn je Aktie ist das Ergebnis eines Unternehmens geteilt durch die Zahl der ausgegebenen Aktien.
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