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Azov-Korps wirbt auf deutschem Kongress um Rüstungspartner

Azov-Korps sucht auf deutschem Kongress Partner für moderne Militärtechnologie – und kritisiert starre Beschaffungsprozesse.

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Azov-Korps wirbt auf deutschem Kongress um Rüstungspartner

Der ukrainische Militärangehörige Mykyta Puz vom Azov-Korps war im September auf dem Turnaround-Kongress in Weimar unterwegs – umgeben von Unternehmern, Anwälten und Beratern in Anzügen. Puz, zuständig für Marktforschung und Partnerschaften im Bereich Militärtechnologie, suchte dort den direkten Austausch mit deutschen Mittelständlern. Sein Ziel: Kooperationen für moderne Rüstungstechnologie, die an der Front wirklich gebraucht wird.

Das Azov-Korps verteidigte 2022 die ostukrainische Hafenstadt Mariupol über 80 Tage lang gegen russische Truppen – verschanzt im örtlichen Hüttenwerk. Am 20. Mai 2022 legten die Soldaten auf Befehl der ukrainischen Regierung die Waffen nieder. Mariupol ist seitdem von Russland besetzt, viele Azov-Kämpfer befinden sich in Kriegsgefangenschaft. Der Azov-Gründer Andriy Biletsky, ein Ultranationalist, erhielt erst im August 2026 den höchsten ukrainischen Staatsorden „Held der Ukraine“. Die Einheit stand seit ihrer Gründung 2014 in der Kritik, mit Nazi-Ideologie zu sympathisieren – Vorwürfe, die Russland gezielt für Propaganda nutzt.

Der Turbo-Modus der Kriegsführung

Puz, der 2024 zum Azov-Korps stieß und zuvor ein von Stellantis übernommenes Unternehmen leitete, sieht große Herausforderungen in der Zusammenarbeit mit der deutschen Industrie. „Uns fehlt der Luxus, fünf Jahre im Voraus zu planen. Die Beschaffungszyklen laufen im Turbo-Modus. Wir können nur quartalsweise planen“, sagte er im Gespräch mit der WirtschaftsWoche.

Deutsche Unternehmen seien langjährige Forschungsprogramme und starre Beschaffungsabläufe gewohnt. „Es fehlen flexible Denkweisen, Erfahrungen und entsprechende Managementprozesse“, so Puz. Früher schrieb die Regierung Aufträge aus und Unternehmen bewarben sich. Heute müssten Firmen vorhersagen, was in einem halben Jahr gebraucht wird, und sofort mit der Entwicklung beginnen.

Dringender Bedarf an Kommunikationstechnik

Auf der Beschaffungsliste des Azov-Korps stehen aktuell vor allem Kommunikationslösungen. „Wir brauchen Funktechnik mit robusten Breitbandfähigkeiten und Kommunikationssysteme für Drohnen“, erklärte Puz. Zudem sei die Bedrohung durch neue Shahed-Drohnen gestiegen. „Die alte Version konnten wir gut abschießen. Die neuen fliegen schneller und in größerer Höhe. Die physikalischen Bedingungen sind andere, Bauteile fallen häufiger aus. Hier könnte die deutsche Industrie wirklich helfen.“

Puz sieht Deutschland wegen seiner langen Ingenieurstradition als idealen Partner. „Technische Hochschulen, die seit über hundert Jahren bestehen. Fertigungskapazitäten und das Fachwissen, sie einzusetzen.“ In der Ukraine gebe es brillante, unternehmerisch denkende Köpfe – aber die Forschungsgeschichte fehle. Turbinen etwa seien kritische und komplexe Komponenten, bei denen Deutschland über das industrielle Erbe verfüge.

Die Lücke zwischen Entwicklung und Front

Die Kluft zwischen dem, was deutsche Unternehmen entwickeln, und dem, was Soldaten an der Front brauchen, sei leider sehr groß, räumte Puz ein. „Es ist sinnlos, Millionen für Forschung und Entwicklung auszugeben und hochentwickelte, robuste Technologie zu bauen, der dann ein Bezug zum tatsächlichen Einsatzkonzept fehlt.“ Sein wichtigster Rat an deutsche Unternehmen: „Kommen Sie in die Ukraine. Sprechen Sie mit der Industrie, knüpfen Sie Kontakte. Verstehen Sie zunächst den Kontext.“

Viele Unternehmer zögerten bislang, in den Verteidigungssektor einzusteigen – aus Sorge vor Kreditverweigerungen durch Banken, fehlenden Versicherungen oder Kundenabstrafungen. Puz sieht diese Bedenken als überholt an. „Russlands Invasion in die Ukraine 2022 hat das Tabu gebrochen: Verteidigung wurde zum akzeptierten Anlagethema.“ Mittlerweile habe er den Überblick verloren, wie viele Risikokapitalgeber riesige Finanzierungsrunden für Verteidigungs-Start-ups auflegten. „Vielleicht entwickelt sich sogar genau das Gegenteil zum Problem. Ähnlich wie während der Dotcom-Krise, bei den Kryptowährungen oder bei der KI: Der Hype ist zu groß.“

Dual-Use als Überlebensstrategie

Auf die Frage, was passiert, wenn der Hype abklingt, verwies Puz auf das Dual-Use-Potenzial vieler Technologien. „Die schwächeren Unternehmen werden untergehen, weil sie sich ausschließlich auf spezifische Verteidigungsanwendungen konzentriert haben. Die Klügeren, die das Dual-Use-Potenzial erkennen, werden weiter wachsen.“ Drohnen etwa fänden Anwendungen in der Landwirtschaft oder beim Schutz kritischer Infrastruktur. Unbemannte Landfahrzeuge könnten im Bergbau und der Schwerindustrie eingesetzt werden.

Puz selbst spricht derzeit mit vielen Risikokapitalgebern. Deren wichtigste Frage bei der Auswahl von Investitionskandidaten laute: „Was werden Sie mit Ihrem Unternehmen machen, wenn die heiße Phase vorbei ist?“

Umgang mit der Vergangenheit

Auf die Vorwürfe der Neonazi-Sympathie angesprochen, die das Azov-Korps seit seiner Gründung begleiten, sagte Puz: „Für die Russen sind wir seit 2014 ein Problem, als wir ursprünglich als freiwillige Einheit auftraten. Noch im selben Jahr wurden wir in die Nationalgarde der Ukraine integriert und agieren seitdem offiziell als hochprofessionelle Einheit, in der es keinen Platz für Politik oder Ideologie gibt – außer dem Schutz unseres Landes.“ Russland betreibe eine Hetzkampagne, weil Azov freiwillig Opfer bringe und effizient sei.

Unternehmern, die ungern mit dem Azov-Korps zusammenarbeiten, empfahl Puz, die Fakten zu überprüfen. „Ich ermutige trotzdem jeden, mit der Ukraine zusammenzuarbeiten. Wenn nicht mit uns, dann mit einer anderen unserer vielen kompetenten Einheiten.“

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