Asiens US-Verbündete hoffen auf Trump-Xi-Gipfel – aber nicht um jeden Preis
Japan, Südkorea, die Philippinen und Taiwan fordern Entspannung zwischen Washington und Peking – ohne eigene Sicherheits- und Wirtschaftsinteressen zu opfern.

Die Verbündeten und Partner der USA in Asien blicken mit gemischten Erwartungen auf das bevorstehende Treffen zwischen US-Präsident Donald Trump und seinem chinesischen Amtskollegen Xi Jinping. Sie hoffen, dass der Gipfel die Annäherung zwischen den beiden größten Volkswirtschaften der Welt vorantreibt und die Spannungen zwischen Washington und Peking abbaut. Zugleich wollen sie nicht, dass diese Entspannung auf ihre Kosten geht – also durch Zugeständnisse, welche die Sicherheits- oder Wirtschaftsinteressen der Region schwächen.
Besonders aufmerksam verfolgen Japan, Südkorea, die Philippinen und Taiwan, ob sich Washingtons Rhetorik in zentralen Fragen verändert. Im Fokus steht dabei, ob die USA ihre Haltung zu Taiwan anpassen, ob sich Zusagen bei Waffenverkäufen verschieben und ob regionale Verteidigungsgarantien weiterhin in vollem Umfang gelten. Für diese Staaten ist die amerikanische Sicherheitsarchitektur in Asien ein zentraler Pfeiler ihrer Außen- und Verteidigungspolitik.
Sicherheitszusagen als Gradmesser
Jede wahrgenommene Abschwächung amerikanischer Zusagen hätte unmittelbare Folgen für das Machtgefüge in der Region. Die Verbündeten dürften deshalb genau prüfen, ob ein mögliches Entgegenkommen gegenüber Peking mit stillschweigenden Zugeständnissen bei sicherheitspolitischen Fragen einhergeht. Ein Friedensschluss oder eine weitreichende Annäherung zwischen Trump und Xi wäre aus Sicht der asiatischen Partner nur dann akzeptabel, wenn die eigenen Schutzinteressen unangetastet bleiben.
Neben der Sicherheitspolitik spielt die Handelspolitik eine mindestens ebenso große Rolle. Die asiatischen Wirtschaftsräume streben nach größerer Planungssicherheit bei Zöllen, denn Unsicherheit über künftige Abgabesätze erschwert Investitionsentscheidungen und die Ausrichtung von Lieferketten. Für exportorientierte Volkswirtschaften ist verlässlicher Marktzugang ein entscheidender Standortfaktor.
Zollentlastung mit Nebenwirkungen
Ein heikler Punkt ist eine mögliche erhebliche Zollentlastung für China durch die USA. Eine solche Erleichterung könnte die Wettbewerbsvorteile Südostasiens bei Lieferketten und Investitionen untergraben. Denn viele Produktionsstandorte in der Region haben in den vergangenen Jahren gerade davon profitiert, dass Unternehmen ihre Fertigung aus China verlagert haben. Fällt dieser Anreiz weg, könnten Investitionen wieder stärker nach China fließen – zum Nachteil der südostasiatischen Konkurrenten.
Für deutsche Anleger ist die Gemengelage relevant, weil sie weit über Asien hinauswirkt. Die beiden größten Volkswirtschaften der Welt bestimmen maßgeblich das globale Handels- und Investitionsklima, und deutsche Unternehmen sind über Exporte, Zulieferketten und Produktionsstandorte eng mit beiden Märkten verbunden. Verschiebungen bei Zöllen oder Sicherheitsgarantien schlagen sich daher auch in europäischen Bilanzen nieder.
Entscheidend wird sein, ob der Gipfel tatsächlich eine dauerhafte Entspannung bringt oder nur eine kurzfristige Annäherung. Die asiatischen Verbündeten der USA haben ihre Erwartungen klar formuliert: Sie begrüßen eine Deeskalation zwischen Washington und Peking, solange sie nicht mit eigenen Sicherheits- und Wirtschaftsinteressen bezahlt wird. Ob dieser Spagat gelingt, dürfte die geopolitische Lage in Asien auf Jahre prägen.
