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Europäische Banken stellen EU-Vorschlag zur Belebung ihrer Finanzen in Frage

Die größten Banken und Lobbyverbände Europas kritisieren zentrale Elemente des EU-Plans zur Belebung des Finanzsystems.

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Europäische Banken stellen EU-Vorschlag zur Belebung ihrer Finanzen in Frage

Die größten Banken und Lobbyverbände Europas stellen zentrale Elemente eines Plans der EU zur Belebung des Finanzsystems der Union in Frage. Kreditinstitute, Lobbygruppen und weitere Akteure haben insgesamt 121 Stellungnahmen zum Plan der Europäischen Kommission eingereicht. Darunter finden sich Forderungen nach der Streichung bestimmter Bestandteile, nach der Einführung neuer Maßnahmen sowie nach einem beschleunigten Vorgehen.

Der Vorstoß der Branche kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die Europäische Kommission ihre Bemühungen um eine Stärkung des europäischen Bankensektors intensiviert. Bereits im Vorfeld hatte die EU angekündigt, die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Banken gegenüber ihren US-amerikanischen Konkurrenten zu verbessern. Die nun eingereichten Stellungnahmen zeigen jedoch, dass zwischen den Vorstellungen der Aufsicht und den Erwartungen der Branche erhebliche Differenzen bestehen.

Die Details

Die 121 eingereichten Stellungnahmen umfassen ein breites Spektrum an Forderungen. Einige Akteure verlangen die Streichung bestimmter Bestandteile des Kommissionsplans, andere plädieren für die Einführung neuer Maßnahmen. Wieder andere fordern ein beschleunigtes Vorgehen bei der Umsetzung der geplanten Reformen. Die Bandbreite der Positionen verdeutlicht, wie komplex die Interessenlage im europäischen Bankensektor ist.

Die Europäische Kommission hatte den Plan zur Belebung des EU-Finanzsystems vorgelegt, um die Attraktivität des europäischen Finanzplatzes zu erhöhen. Der Zeitpunkt ist bemerkenswert: Erst kürzlich hatte die EU die Einführung neuer Eigenkapitalvorschriften für Marktrisiken bei Banken um drei Jahre verschoben. Konkret geht es dabei um den sogenannten Fundamental Review of the Trading Book (FRTB), ein zentrales Element der globalen Basel-III-Bankenstandards. Brüssel will zunächst abwarten, wie die USA und Großbritannien dieselben internationalen Standards umsetzen.

Hintergrund: Was bisher geschah

Bereits am 16.09.2026 berichtete aktien.news, dass Branchenverbände tiefere Daten im neuen Europa-Aktien-Tape fordern. Ein lang erwarteter Datenfeed zu europäischen Aktien war in jener Woche live gegangen, doch Gruppen, die Banken, Investoren und Händler vertreten, sagten, dass er nicht weit genug gehe. Fünf Lobbygruppen forderten die Europäische Union auf, die Tiefe der Daten zu erhöhen. In einer gemeinsamen Erklärung verlangten sie, dass der Standort der Kursnotierungen in den Datenfeed aufgenommen wird. Die Verbände argumentierten, dass dies Investoren ermöglichen würde, informiertere Entscheidungen zu treffen und die Attraktivität der europäischen Märkte insgesamt erhöhen würde.

Am 16.07.2026 berichtete aktien.news zudem, dass die Europäische Kommission kurz davor stand, einen weitreichenden Deregulierungsschub für den europäischen Bankensektor anzukündigen. Ein Bericht zur Wettbewerbsfähigkeit des Bankensektors sollte veröffentlicht werden und gesetzliche Änderungen für das Jahr 2027 vorsehen. Ziel war es, europäische Banken gegenüber ihren übermächtigen US-amerikanischen Konkurrenten zu stärken. Der Hintergrund war eindeutig: Während US-Investmentbanken wie JPMorgan Chase, Bank of America, Citigroup, Wells Fargo und Goldman Sachs im zweiten Quartal Rekordergebnisse feierten und die Erwartungen mit starken Handelsumsätzen sowie einer Erholung im Deal-Geschäft übertrafen, hinkten europäische Institute weit hinterher.

Am 17.08.2026 warnte der kürzlich ausgeschiedene Leiter des Basler Ausschusses für Bankenaufsicht, Neil Esho, eindringlich vor den Folgen einer möglichen EU-Abkehr von einem zentralen Element der globalen Bankenreformen. Esho, der im März als Generalsekretär des internationalen Zusammenschlusses von Bankenaufsehern zurückgetreten war, bezeichnete einen solchen Schritt als „Katastrophe". Im Mittelpunkt der Debatte stand der sogenannte Output-Floor, ein Eckpfeiler der globalen Kapitalreformen. Die Europäische Union erwog offenbar, dem Beispiel der USA zu folgen und den Output-Floor abzulehnen oder abzuschwächen, um die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Banken zu stärken.

Was das für Anleger bedeutet

Für deutsche Privatanleger ist die aktuelle Entwicklung von doppelter Bedeutung. Zum einen zeigt sie, dass die europäische Bankenregulierung in einer Phase des Umbruchs steckt, in der die EU zwischen internationaler Konvergenz und eigener Wettbewerbsfähigkeit abwägen muss. Die 121 Stellungnahmen der Branche signalisieren, dass die Institute selbst konkrete Vorstellungen davon haben, wie die Regulierung aussehen sollte.

Zum anderen verdeutlicht der Kontext der vergangenen Monate, dass europäische Banken gegenüber ihren US-amerikanischen Konkurrenten weiterhin im Nachteil sind. Die Rekordergebnisse der US-Investmentbanken im zweiten Quartal stehen in deutlichem Kontrast zur Situation vieler europäischer Institute. Die Verschiebung der Basel-III-Eigenkapitalregeln um drei Jahre gibt den europäischen Banken zwar zeitlichen Spielraum, die anhaltenden Forderungen nach weiteren Anpassungen zeigen jedoch, dass die Debatte über den richtigen Regulierungsrahmen noch lange nicht abgeschlossen ist.

Ausblick

Die Europäische Kommission steht nun vor der Aufgabe, die 121 eingereichten Stellungnahmen auszuwerten und ihre weiteren Schritte zu planen. Die gesetzlichen Änderungen für den Bankensektor sind für das Jahr 2027 vorgesehen. Ob und in welcher Form die Kommission den Forderungen der Branche nach Streichungen, neuen Maßnahmen oder einem beschleunigten Vorgehen nachkommt, bleibt abzuwarten. Die anstehenden Entscheidungen in Brüssel werden maßgeblich darüber bestimmen, wie wettbewerbsfähig europäische Banken im globalen Vergleich aufgestellt sein werden.

Kurz erklärt

  • Stellungnahmen: Formelle schriftliche Positionierungen von Interessengruppen zu einem Gesetzesvorhaben, die der zuständigen Behörde zur Berücksichtigung vorgelegt werden.
  • Output-Floor: Ein Element der globalen Kapitalreformen, das sicherstellen soll, dass Banken bei der Berechnung ihrer Risiken interne Modelle nicht zu stark von den Mindestanforderungen abweichen lassen.
  • Fundamental Review of the Trading Book (FRTB): Ein Regelwerk zur Verbesserung der Risikomessung im Handelsgeschäft der Banken, das sicherstellen soll, dass das vorgehaltene Eigenkapital die tatsächlich eingegangenen Risiken präzise widerspiegelt.
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