ANZEIGE

Wirtschaft vor Aufschwung dank Milliardeninvestitionen

Institute mahnen Reformen bei Sozialsystemen, Energie und Verwaltung an

2 Min
Wirtschaft vor Aufschwung dank Milliardeninvestitionen

Die deutsche Wirtschaft bewegt sich nach Einschätzung führender Forschungsinstitute aus der anhaltenden Schwächephase heraus. Bereits im kommenden Jahr erwarten die Experten wieder mehr Dynamik, wenngleich der Aufschwung vor allem von massiven staatlichen Investitionen getragen sein dürfte. Diese Milliarden fließen vor allem in die Modernisierung der Infrastruktur und den Klimaschutz. Dennoch bleibt die Konjunktur fragil. Geraldine Dany-Knedlik vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung sprach in Berlin von „wackeligen Beinen“. Ohne umfassende Strukturreformen sei das Wachstum nicht dauerhaft zu sichern.

Für das laufende Jahr rechnen die Institute nur mit einem Mini-Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 0,2 Prozent. Damit liegt die Prognose leicht über der Schätzung vom Frühjahr. Zuvor war die Wirtschaftsleistung zwei Jahre in Folge geschrumpft. Als zentrale Belastung gilt der Rückgang der Exporte, die 2025 um 2,5 Prozent zurückgehen dürften. Höhere Zölle auf EU-Importe bremsen insbesondere den Zugang zum US-Markt. Gleichzeitig steckt die deutsche Industrie mit Kernbranchen wie Auto- und Stahlproduktion in Schwierigkeiten. Auch die Kauflaune der Verbraucher bleibt schwach.

Ab 2026 sehen die Institute wieder bessere Aussichten. Sie erwarten für dieses Jahr ein BIP-Wachstum von 1,3 Prozent, 2027 soll es bei 1,4 Prozent liegen. Treibende Kraft sei das mit 500 Milliarden Euro ausgestattete Sondervermögen für Infrastrukturprojekte und Klimaschutz. Geplant sind Investitionen in Brücken, Bahnstrecken, Schulen, Kitas und in die Digitalisierung. Damit die Maßnahmen rasch Wirkung entfalten, sollen Planungs- und Genehmigungsverfahren beschleunigt werden. Die Binnenwirtschaft dürfte dadurch an Fahrt gewinnen.

Gleichzeitig warnen die Institute, dass die strukturellen Probleme damit nicht gelöst sind. Deutschland verliere an Wettbewerbsfähigkeit, hohe Energie- und Lohnstückkosten sowie der Fachkräftemangel schmälerten die Perspektiven. Auch die Auslandsnachfrage bleibe schwach. Wirtschaftsverbände kritisieren seit Langem zu hohe Bürokratie, steigende Sozialabgaben und die stockende digitale Entwicklung. Bundeskanzler Friedrich Merz sprach von einem Standort, der im internationalen Vergleich „zu teuer und zu langsam“ sei.

Die Institute fordern daher einen umfassenden Reformkurs. Vorgeschlagen werden unter anderem eine Stabilisierung der Sozialversicherungsbeiträge, eine Anpassung der Rentensteigerungen unterhalb der Lohnentwicklung sowie mehr Arbeitsanreize für Ältere. Bei der Energiewende solle stärker auf Preissignale gesetzt werden. Zudem brauche es eine digitalere Verwaltung und Einsparungen bei konsumtiven Staatsausgaben, um Steuererhöhungen zu vermeiden.

Parallel steigt der Druck auf die Regierung, konkrete Maßnahmen einzuleiten. Merz kündigte einen „Herbst der Reformen“ an, unter anderem mit Veränderungen beim Bürgergeld. Während im August erstmals seit über zehn Jahren wieder mehr als drei Millionen Menschen arbeitslos waren, erwarten die Institute in den kommenden zwei Jahren eine deutliche Verbesserung auf dem Arbeitsmarkt. Beschäftigungsaufbau und steigende Realeinkommen könnten den privaten Konsum und dienstleistungsnahe Bereiche stärken.

DeutschlandWirtschaftHandelArbeitsmarkt

Meistgelesene News

  1. Amazon Prime Air Crash in Miami: Fünf Tote bei Frachtflugzeug-Unglück
  2. Microsoft-Aktie fällt – Technologiekonzern kämpft mit Ausfällen
  3. Fed-Signale beflügeln US-Märkte: Palantir und Snowflake mit starken Kursgewinnen
  4. BP setzt auf Stabilität – Raffineriemargen erreichen Krisenniveau
  5. Europäische Indizes kaum verändert – Telekom treibt DAX an

Disclaimer