Deutschland steckt weiter in der Wachstumsflaute
OECD warnt vor Risiken durch Handelspolitik, Arbeitsmarkt und Industrieproduktion

Die deutsche Wirtschaft steht weiterhin unter Druck und kommt nicht aus ihrer Schwächephase heraus. Nach zwei Rezessionsjahren in Folge rechnet die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) lediglich mit einem Wachstum von 0,3 Prozent im Jahr 2025. Damit fällt die Prognose um 0,1 Prozentpunkte niedriger aus als noch im Juni angenommen. Unter den Industriestaaten bleibt die Bundesrepublik damit am unteren Ende des Vergleichs. Erst im Jahr darauf wird ein etwas kräftigerer Aufschwung erwartet, der das Bruttoinlandsprodukt um 1,1 Prozent anheben könnte.
Während Deutschland mit einer anhaltenden Wachstumsflaute kämpft, zeigt sich die Weltwirtschaft laut OECD widerstandsfähiger. Vor allem in Schwellenländern habe sich die Konjunktur in der ersten Hälfte des Jahres robuster entwickelt als erwartet. Die internationale Organisation rechnet für 2025 mit einem globalen Plus von 3,2 Prozent. Damit wurde die Einschätzung im Vergleich zum Juni um 0,3 Prozentpunkte nach oben korrigiert. Für 2026 bleibt die Prognose mit 2,9 Prozent stabil.
Die OECD weist darauf hin, dass die Folgen der von US-Präsident Donald Trump eingeführten Zollerhöhungen noch nicht vollständig sichtbar seien. Seit Mai sind die Abgaben auf eine Vielzahl von Importen aus nahezu allen Ländern gestiegen. Welche konkreten Auswirkungen diese Handelspolitik in den kommenden Monaten entfalten wird, bleibt nach Einschätzung der Experten abzuwarten.
Sorge bereitet auch die Entwicklung auf den Arbeitsmärkten. In mehreren Staaten, darunter Deutschland, seien steigende Arbeitslosenquoten und weniger offene Stellen im Verhältnis zur Zahl der Arbeitsuchenden zu beobachten. Das weise auf eine nachlassende Nachfrage nach Arbeitskräften hin. Gleichzeitig meldet der Bericht einen Rückgang der industriellen Produktion in Deutschland. Ähnliche Entwicklungen sind auch in Südkorea und Brasilien zu verzeichnen.
Die OECD verweist auf erhebliche Unsicherheiten für die weitere konjunkturelle Entwicklung. Risiken ergeben sich unter anderem aus möglichen neuen Handelskonflikten und einem erneuten Anstieg der Inflation. Hinzu kommen Schwankungen bei Krypto-Anlagen, die die Stabilität der Finanzmärkte beeinträchtigen könnten. Gleichzeitig nennt die Organisation auch mögliche positive Impulse, etwa durch den Abbau bestehender Handelshemmnisse oder durch Fortschritte bei der Nutzung von Technologien wie Künstlicher Intelligenz, die das Wachstum mittel- bis langfristig unterstützen könnten.
