Wirtschaft fordert nach Koalitionsende schnelle Neuwahlen
Politische Unsicherheit bedroht Investitionen und wirtschaftliche Stabilität

Nach dem Ende der Ampel-Koalition in Deutschland haben Vertreter der Wirtschaft und Ökonomen schnelle Neuwahlen gefordert, um die politische Handlungsfähigkeit wiederherzustellen. Marie-Christine Ostermann, Präsidentin des Verbands der Familienunternehmer, betonte die Dringlichkeit einer raschen Neuwahl und bezeichnete jede Woche ohne handlungsfähige Regierung in der aktuellen Wirtschaftskrise als schädlich. Unterstützung erhielt sie von Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank, der Neuwahlen als notwendig ansah, um die Differenzen zwischen den Koalitionsparteien zu überwinden und die wirtschaftliche Stabilität Deutschlands wiederherzustellen.
Auch Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt der Hamburg Commercial Bank, sieht in Neuwahlen eine Möglichkeit, den „gordischen Knoten“ zu durchschlagen, der die Bundesregierung lähmt. Der Deutsche Mittelstands-Bund äußerte ebenfalls die Notwendigkeit einer handlungsfähigen Regierung, wobei Bundeskanzler Scholz zustimmte. Die wirtschaftlichen Unsicherheiten betreffen vor allem Hilfsmaßnahmen für die Industrie, die aufgrund des politischen Stillstands in Frage gestellt werden.
Die Frage nach dem Bundeshaushalt für das kommende Jahr bleibt ebenfalls ungeklärt, was laut Wolfgang Große Entrup, Hauptgeschäftsführer des Verbands der Chemischen Industrie, schnelle Neuwahlen als richtigen Weg erscheinen lässt. Entrup betonte, dass in herausfordernden Zeiten eine stabile und lösungsorientierte Regierung notwendig sei, um den Kurs des Landes zu stabilisieren.
Zusätzlich zu den Forderungen der Wirtschaftsvertreter äußerte der Deutsche Mittelstands-Bund, dass das politische Vakuum und die Unsicherheit die Investitionsbereitschaft kleiner und mittlerer Unternehmen hemmen. Auch der Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA) kritisierte die derzeitige Führung. BGA-Präsident Dirk Jandura bezeichnete das politische Vakuum als vermeidbare Krise und bemängelte das Fehlen einer klaren politischen Steuerung, was zu einer Belastung der Wirtschaft beitrage.
Clemens Fuest, Chef des Münchner ifo-Instituts, begrüßte die Entscheidung, die Ampel-Koalition aufzulösen, und nannte sie eine richtige, wenn auch riskante Maßnahme. Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, äußerte sich ähnlich und sah darin das geringere Übel gegenüber einer Fortsetzung der politischen und wirtschaftlichen Blockade.
Cyrus de la Rubia betonte zudem die Chance einer künftigen Regierung, durch umfassende öffentliche Investitionen eine wirtschaftliche Wende einzuleiten. Dabei könnten Reformen der Schuldenbremse oder ein neues Sondervermögen hilfreich sein. Der Finanzmarkt reagierte bisher positiv auf das Ende der Ampel-Regierung: Der DAX stieg im frühen Handel um 1,1 Prozent, was von den Anlegern überwiegend als Erleichterung aufgenommen wurde.
