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Warum so viele Menschen ihre Finanzen nicht in den Griff bekommen

Komplexe Pläne, unverständliche Berater und Formulare-Flut: Das sind die häufigsten Hindernisse bei der persönlichen Finanzplanung.

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Warum so viele Menschen ihre Finanzen nicht in den Griff bekommen

Eine Million Menschen haben Ende Januar ihre Steuererklärungen nicht rechtzeitig abgegeben – das entspricht etwa jedem Zwölften der Abgabepflichtigen. Gleichzeitig gab es zuletzt einen Ansturm von Sparern, die kurz vor dem Ende des Steuerjahres noch schnell Geld in ihre Altersvorsorge- und Sparkonten eingezahlt haben. Und obwohl 60 Prozent der sehr vermögenden Familien einen schriftlichen Nachfolgeplan besitzen, hat die Hälfte von ihnen diesen bislang nicht umgesetzt. Diese Zahlen zeigen: Das Aufschieben von Finanzentscheidungen ist kein Randphänomen, sondern ein weit verbreitetes Problem.

Was hält so viele Menschen davon ab, ihre Finanzen aktiv zu gestalten? Nathan Valbonesi, Chartered Fellow des CISI und Leiter des Teams für Anlage- und Vermögensberatung bei der Weatherbys Private Bank, hat sich mit dieser Frage beschäftigt. Er identifiziert mehrere typische Hindernisse – und gibt praktische Hinweise, wie man sie überwinden kann.

Zu kompliziert ist zu viel

Ein häufiger Fehler ist ein übermäßig komplexer Finanzplan. Valbonesi betont: Der beste Plan ist nicht unbedingt der perfekte, sondern derjenige, den man am ehesten auch wirklich umsetzt. Für die meisten Familien – selbst für sehr wohlhabende – reichen Rentenpläne, Sparkonten und allgemeine Anlagekonten aus, die weitgehend in passive Produkte investieren. Die Investmentbranche neigt dazu, komplexere und undurchsichtige Produkte anzubieten. Diese versprechen zwar oft Steuervorteile, bringen aber häufig zusätzliche Kosten und Kompromisse mit sich – und machen es schwerer, den Überblick zu behalten.

Auch die Kommunikation zwischen Finanzberater und Kunde spielt eine entscheidende Rolle. Während Kunden vor allem über Emotionen, Identität und ihr Vermächtnis nachdenken – also darüber, abgesichert zu sein und Gutes für ihre Liebsten zu tun –, sprechen Finanzplaner oft direkt über technische Strukturen und Produkte. Wer nicht versteht, wovon sein Berater spricht, sollte aktiv um mehr Klarheit bitten oder sich einen anderen Ansprechpartner suchen. Hilfreich ist außerdem ein kurzes, verständliches Dokument, das festhält, was man wo angelegt hat, was damit gemacht werden soll und warum.

Das Problem mit den 97 Seiten

Ein anschauliches Beispiel liefert Valbonesi mit der Geschichte eines Freundes, der 500.000 britische Pfund anlegen wollte. Ein Finanzplaner entwarf eine Strategie für ihn – und schickte ihm anschließend eine E-Mail mit zehn PDFs, insgesamt 97 Seiten. Darunter ein 18-seitiges Dokument zu den Kundenanforderungen und eine 20-seitige Kundenvereinbarung. Das Ergebnis: Der Freund war zu beschäftigt, um alles durchzulesen, seine Sozialversicherungsnummer herauszusuchen und 20 Mal zu unterschreiben. Die Formulare blieben unbearbeitet.

Formulare können durchaus nützlich sein – sie zwingen zur Reflexion und können Unklarheiten aufdecken, die im persönlichen Gespräch nicht aufgefallen wären. Doch dieser Moment der Reflexion ist auch derjenige, in dem Kunden ihren Berater am meisten brauchen: als Ansprechpartner, der Fragen beantwortet und beim Ausfüllen begleitet. Fehlt diese Unterstützung, landen die Unterlagen unbearbeitet auf dem Küchentisch.

Offenheit als Schlüssel

Ein weiteres Hindernis ist mangelnde Offenheit gegenüber dem Finanzberater. Viele Menschen teilen zwar ihre finanziellen Ziele und Träume mit, sprechen aber nicht über persönliche Schwierigkeiten bei der Entscheidungsfindung. Finanzplanung sollte idealerweise von Paaren gemeinsam angegangen werden – was jedoch die Wahrscheinlichkeit verdoppeln kann, dass die Schwierigkeiten eines Partners den Abschluss eines Plans verzögern. Wer offen über seine Hemmnisse spricht, ermöglicht es dem Berater, gezielt zu helfen.

Auch konkrete Ängste, etwa beim Überweisen größerer Geldsummen, können ein Hindernis sein. Angesichts zunehmender Betrugsversuche ist eine gewisse Nervosität verständlich. Jemanden beim Transfer an seiner Seite zu haben, der sofort bestätigen kann, dass das Geld angekommen ist, kann hier Abhilfe schaffen.

Aufgaben priorisieren und belohnen

Valbonesi empfiehlt, ausstehende Finanzaufgaben schriftlich aufzulisten und nach ihren „Verzögerungskosten" zu priorisieren – also danach, welche verpassten Chancen oder mentalen Belastungen das Aufschieben verursacht. Wer sich vorstellt, dass jede nicht erledigte Aufgabe einen Preis hat, findet oft leichter den Antrieb, aktiv zu werden.

Und wer die Finanzverwaltung als besonders mühsam empfindet, dem rät Valbonesi zu einem einfachen, aber wirkungsvollen Trick: eine Belohnung einplanen. Ein schönes Abendessen oder ein kleines Genussmittel nach dem Erledigen der Aufgaben kann helfen, die Motivation aufrechtzuerhalten. Ein sogenannter „Dopamin-Plan", der zu den Aufgaben im Finanzplan passt, kann den entscheidenden Unterschied machen.

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