Warsh: Noch erhebliche Arbeit bei KI-Auswirkungen auf Wirtschaft
Fed-Kandidat Kevin Warsh sieht bei der Bewertung von KI-Effekten noch großen Forschungsbedarf, betont aber beschleunigten Wandel.

Kevin Warsh, der als möglicher zukünftiger Fed-Vorsitzender gehandelt wird, hat bei einer Anhörung eingeräumt, dass bei der Bewertung der wirtschaftlichen Auswirkungen von künstlicher Intelligenz noch „erhebliche Arbeit zu leisten" sei. Gleichzeitig bekräftigte er seine Einschätzung, dass sich das Tempo des technologischen Wandels durch KI spürbar beschleunige.
Die demokratische Abgeordnete Lisa Blunt Rochester aus Delaware hatte Warsh bei der Anhörung am Dienstag kritisch befragt. Sie wollte wissen, ob er mit seiner Einschätzung zu den wirtschaftlichen Auswirkungen von KI eine Wette eingehe, die sich als falsch erweisen könnte. Die Frage zielt auf eine zentrale These Warshs ab: Er hatte zuvor argumentiert, dass ein schnelleres Produktivitätswachstum dank KI den Kostendruck in der Wirtschaft dämpfen werde.
Zinssenkungen als mögliche Folge von KI-Produktivitätsgewinnen
Dieser Zusammenhang ist für die Geldpolitik der US-Notenbank Federal Reserve von erheblicher Bedeutung. Warsh zufolge würde ein KI-getriebenes Produktivitätswachstum es der Fed ermöglichen, die Zinsen zu senken, ohne dabei die Inflation zu riskieren. Höhere Produktivität bedeutet, dass die Wirtschaft stärker wachsen kann, ohne dass die Preise steigen – ein klassischer Mechanismus, der auch in früheren Technologiebooms beobachtet wurde.
Bei der Anhörung machte Warsh deutlich, dass die Federal Reserve bessere Daten zu den Auswirkungen von KI benötige. Zudem müsse die Notenbank die „Produktivitätsmöglichkeiten genauer untersuchen", sagte er. Dies deutet darauf hin, dass die Fed die wirtschaftlichen Effekte der KI-Technologie bislang noch nicht vollständig erfassen kann – ein Umstand, der geldpolitische Entscheidungen erschwert.
Rechenzentren als Nachfragetreiber
Ein konkreter wirtschaftlicher Effekt, den Warsh bereits bezifferte, betrifft den Bau von Rechenzentren. Der massive Ausbau der KI-Infrastruktur werde die gesamtwirtschaftliche Nachfrage wahrscheinlich um „einige Zehntelprozent" erhöhen, so Warsh. Dieser Effekt ist zwar vergleichsweise moderat, aber für eine Notenbank, die jeden Zehntelprozentpunkt Wachstum und Inflation genau beobachtet, durchaus relevant.
Für deutsche Anleger und Beobachter ist die Debatte um KI und Geldpolitik in den USA von besonderer Bedeutung. Die Zinsentscheidungen der Fed wirken sich direkt auf globale Kapitalmärkte aus – und damit auch auf europäische Aktien, Anleihen und Währungen. Sollte KI tatsächlich zu einem deutlichen Produktivitätsschub führen, könnte dies den Zinssenkungsspielraum der Fed vergrößern und damit auch an den europäischen Märkten für Rückenwind sorgen.
Die Debatte um KI und ihre makroökonomischen Folgen steht damit nicht nur in den USA, sondern weltweit im Fokus von Notenbanken und Investoren. Warshs Aussagen zeigen, dass selbst ausgewiesene Experten die langfristigen Auswirkungen dieser Technologie noch nicht abschließend einschätzen können – und dass die Datenlage für fundierte geldpolitische Entscheidungen noch verbessert werden muss.
