Deutsche Wirtschaft wächst leicht, Iran-Krieg belastet Ausblick
Die Bundesbank meldet moderates Wachstum im ersten Quartal, warnt aber vor spürbaren Belastungen durch den Iran-Krieg im zweiten Quartal.

Die deutsche Wirtschaft ist im ersten Quartal 2026 moderat gewachsen. Gestützt wurde das Wachstum durch eine solide Industrie- und Dienstleistungsproduktion, wie die Bundesbank am Mittwoch in ihrem Monatsbericht mitteilte. Gleichzeitig warnte die Zentralbank vor erheblichen Risiken für das laufende Quartal.
Europas größte Volkswirtschaft stagniert seit drei Jahren weitgehend. Die Hoffnungen der Bundesregierung, dass massive Investitionen in Infrastruktur und Verteidigung das Wachstum endlich ankurbeln würden, werden nun durch den Iran-Krieg gefährdet. Der Konflikt im Nahen Osten entwickelt sich zunehmend zu einem ernsthaften wirtschaftlichen Risikofaktor für Deutschland.
Starke Dienstleistungen stützen das erste Quartal
Trotz der geopolitischen Spannungen blieb die wirtschaftliche Gesamtleistung im ersten Quartal weitgehend unberührt. Starke unternehmensnahe Dienstleistungen, steigende Industrieumsätze und solide Exporte sorgten für Stabilität. Das Verbrauchervertrauen litt zwar bereits gegen Ende des ersten Quartals unter den Kriegsfolgen, doch die Gesamtwirtschaft zeigte sich zunächst widerstandsfähig.
Der Privatkonsum schwächelte allerdings bereits vor Ausbruch des Konflikts. Im März erlitt er einen deutlichen Dämpfer, da höhere Kraftstoffpreise die Kaufkraft der Haushalte spürbar verringerten. Dies verdeutlicht, wie direkt die Energiepreisanstiege die deutschen Verbraucher treffen.
Bundesbank erwartet bestenfalls leichte Expansion im zweiten Quartal
Für das zweite Quartal rechnet die Bundesbank bestenfalls mit einer leichten Expansion. Die Notenbank erwartet zwar zunehmend positive Impulse von der expansiveren Fiskalpolitik der Bundesregierung. Dem stehen jedoch die wachsenden Belastungen durch den Krieg im Nahen Osten gegenüber, die die deutsche Wirtschaft nach Einschätzung der Bundesbank breiter und spürbarer treffen dürften.
Die konkreten Auswirkungen des Iran-Krieges auf die deutsche Wirtschaft sind dabei vielfältig:
- Höhere Energiepreise belasten Haushalte und Unternehmen
- Lieferkettenprobleme gefährden die Industrieproduktion
- Gestiegene Unsicherheit hemmt Investitionsentscheidungen
- Marktbasierte Zinssätze sind gestiegen
- Exportaussichten haben sich verschlechtert
Schwächere Weltkonjunktur als zusätzliches Risiko
Die Export- und Geschäftserwartungen deuten laut Bundesbank auf einen gedämpfteren Ausblick hin. Dies sei nicht nur auf höhere Energiekosten und Lieferkettenunterbrechungen zurückzuführen. Auch die Sorge vor einer schwächeren weltweiten Nachfrage infolge des Krieges im Nahen Osten spiele eine wesentliche Rolle.
Für Deutschland als exportorientierte Volkswirtschaft ist eine schwächelnde Weltnachfrage besonders kritisch. Das Land ist in hohem Maße auf funktionierende globale Lieferketten und stabile Absatzmärkte angewiesen. Der Iran-Krieg trifft die deutsche Wirtschaft damit an einer ihrer empfindlichsten Stellen – gerade in einem Moment, in dem die lang erhoffte Wachstumsbelebung in greifbare Nähe gerückt schien.
