US-Zinserhöhung bringt Yen vor Bank-of-Japan-Sitzung ins Wanken
Yen fällt unter 156 pro Dollar – Fed-Entscheidung setzt BoJ unter Zugzwang.

Der japanische Yen und andere asiatische Währungen haben sich am Donnerstag nach der ersten Zinserhöhung der US-Notenbank Fed seit drei Jahren deutlich abgeschwächt. Der Yen fiel im Handel unter die Marke von 156 Yen pro Dollar und setzt die Bank of Japan (BoJ) damit vor ihrer eigenen Zinsentscheidung am Freitag massiv unter Druck.
Die US-Notenbank Federal Reserve hatte die Leitzinsen um einen viertel Prozentpunkt angehoben und weitere Schritte zur Bekämpfung der Inflation angekündigt. Seit dieser Entscheidung hat der Yen um mehr als 1,1 Prozent nachgegeben, während der Dollar gegenüber einem Korb wichtiger Handelspartner um 0,7 Prozent an Stärke gewonnen hat.
Fed-Entscheidung treibt Anleiherenditen
Auch die Renditen kurzfristiger US-Staatsanleihen reagierten deutlich auf den Zinsschritt. Die Renditen für zweijährige US-Staatsanleihen stiegen am Mittwoch um 0,07 Prozentpunkte auf 4,74 Prozent und fielen am Donnerstag leicht auf 4,71 Prozent. Diese Entwicklung verstärkt den Druck auf die asiatischen Währungen zusätzlich.
Neben dem Yen gerieten auch andere asiatische Devisen unter Druck. Der südkoreanische Won schwächte sich am Donnerstag um 0,3 Prozent auf 1.380 Won ab. In Indien fiel die Rupie auf 96,07 Rupien pro Dollar – das schwächste Niveau seit Ende Juli. Die Bewegungen untergraben die Fortschritte der letzten Wochen, mit denen die USA und Japan den Yen stützen wollten.
BoJ vor richtungsweisender Entscheidung
Die Aufmerksamkeit richtet sich nun auf die Ankündigung der eigenen Zinsentscheidung der Bank of Japan am Freitag. Von der Notenbank wird allgemein erwartet, dass sie die Zinsen um 0,25 Prozentpunkte auf 1,25 Prozent anhebt. Dies wäre der höchste Zinssatz seit drei Jahrzehnten. Einige eher restriktiv eingestellte Politiker der BoJ haben sogar gefordert, die Zinsen um 0,5 Prozentpunkte anzuheben, um der steigenden Inflation in Japan entschlossener entgegenzuwirken.
„Diese Entwicklungen bringen die asiatischen Währungen nun ins Hintertreffen“, sagte Mitul Kotecha, Leiter der Strategie für ausländische Devisen und makroökonomische Strategien für Asien und Schwellenmärkte bei Barclays. Kotecha zufolge mache die Entscheidung der Fed es „fast unvermeidlich“, dass die BoJ die Zinsen anheben werde.
Doppelter Schlag für Asien
Höhere Energiepreise haben zusätzlichen Druck auf die asiatischen Währungen ausgeübt. Der Brent-Rohölpreis brach diesen Monat über die Marke von 100 Dollar und handelt derzeit bei rund 105,8 Dollar pro Barrel. „Wir wurden von einem doppelten Schlag getroffen“, sagte Abbas Keshvani, Makrostratege für Asien bei RBC Capital Markets. „Wir sind eine Region von Energieimporteuren. Andererseits gibt es natürlich den Sog des Dollars, der aus einer Phase der Zinserhöhungen der Fed resultiert. Es wird für viele asiatische Zentralbanken schwierig sein, damit zu konkurrieren.“
Renminbi als Ausnahme
Eine Ausnahme von der allgemeinen Schwäche der asiatischen Währungen bildete der chinesische Renminbi, der stabil bei rund 6,71 Renminbi pro Dollar lag. US-Präsident Donald Trump und der chinesische Führer Xi Jinping planen nächste Woche einen Gipfel in Washington. Analysten weisen darauf hin, dass der Renminbi vor solchen Treffen tendenziell an Stärke gewinnt.
Der neuseeländische Dollar hat sich seit dem Zinssenkungszyklus der Fed um etwa 1 Prozent abgeschwächt, während der australische Dollar um 0,6 Prozent gefallen ist. Die asiatischen Währungen bleiben damit im Spannungsfeld zwischen der strafferen US-Geldpolitik und den eigenen wirtschaftlichen Herausforderungen der Region.
