US-Notenbank senkt Leitzins erneut um 0,25 Punkte
Fed verfolgt trotz Wahlausgang weiterhin restriktive Geldpolitik

Die US-Notenbank hat den Leitzins erneut gesenkt und dabei eine Verringerung um 0,25 Prozentpunkte beschlossen. Diese Entscheidung verkündete Fed-Chef Jerome Powell in einer mit Spannung erwarteten Erklärung, die unmittelbar nach der US-Präsidentschaftswahl getroffen wurde, bei der Donald Trump siegreich hervorging. Der geldpolitische Schlüsselsatz wurde in einem einstimmigen Beschluss auf eine neue Spanne von 4,50 bis 4,75 Prozent gesenkt. Es handelt sich hierbei um den zweiten Schritt nach der Zinswende im September, als die Fed erstmals seit Beginn der Coronapandemie den Leitzins herabsetzte. Damals betrug die Senkung jedoch noch das Doppelte der aktuellen Reduzierung.
Zwei Tage nach der Präsidentschaftswahl betonte die Fed, dass sie zusätzliche Unsicherheit vermeiden wolle, um den Märkten Stabilität zu gewährleisten. Stephan Bales, USA-Experte von KfW Research, unterstrich, dass dieser Schritt in der Finanzwelt weitgehend erwartet wurde. Unklar bleibt jedoch, wie die Rückkehr von Donald Trump das zukünftige Vorgehen der Fed beeinflussen wird. Bastian Hepperle vom Bankhaus Hauck Aufhäuser Lampe erklärte, dass die Fed ihren restriktiven Kurs derzeit beibehalten könne, da die Wirtschaft und der Arbeitsmarkt kaum Anlass zur Sorge gäben. Zugleich sei die Inflation nahe dem Zielwert der Fed. Sollte die Wirtschaftspolitik der Trump-Administration jedoch inflationstreibende Effekte haben, könnte die Fed ihre Strategie vorsichtiger gestalten oder auf eine Warteposition übergehen.
In einer Pressekonferenz im Anschluss an die Zinsentscheidung versicherte Powell, dass das Wahlergebnis kurzfristig keinen Einfluss auf die Geldpolitik der Fed habe. Zudem gab er an, keine Spekulationen über die künftige Fiskalpolitik anzustellen. Fragen zu den Wahlen ließ er unbeantwortet und stellte klar, dass er im Amt bleiben werde, selbst wenn der künftige Präsident Trump ihn zum Rücktritt auffordern sollte.
Am Rentenmarkt herrschten derweil Befürchtungen, dass die neue Trump-Administration möglicherweise eine Erhöhung der Staatsverschuldung anstreben könnte, was zu einem Anstieg der Inflationsrisiken führen würde. Solche Entwicklungen könnten die Fortsetzung der Zinswende bremsen oder sogar beenden. Powell erläuterte weiter, dass die Fed weiterhin eine restriktive Haltung beibehalte, trotz der Zinssenkung. Die Inflationsentwicklung bezeichnete er als leicht erhöht, aber nicht bedenklich. Das Ziel eines „neutralen Niveaus“, vergleichbar mit dem Inflationsziel der Europäischen Zentralbank von zwei Prozent, sei erreichbar, ohne dass zusätzliche Abkühlungen am Arbeitsmarkt notwendig wären.
