Unerwarteter Export-Boom durch US-Subventionsprogramm
Studie zeigt: Inflation Reduction Act stärkt deutsche Industrie trotz protektionistischer Vorgaben

Die deutsche Wirtschaft hat entgegen vorheriger Befürchtungen vom Inflation Reduction Act (IRA) der USA profitiert, wie eine Studie des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zeigt. Entgegen den Sorgen, dass das umfangreiche Subventionsprogramm deutsche Exporte beeinträchtigen oder zu Standortverlagerungen führen könnte, stellen die IW-Forscher fest, dass deutsche Exporteure durch den IRA eher gefördert werden. Insbesondere Vorprodukte, die in den USA für klimafreundliche Fabriken und Produkte benötigt werden, werden weiterhin aus Deutschland bezogen.
Der Inflation Reduction Act wurde 2022 von US-Präsident Joe Biden initiiert und hat als zentrales Ziel, die US-Industrie zu stärken und den Klimaschutz zu fördern. Das auf zehn Jahre angelegte Programm umfasst vorwiegend unbeschränkte Steuernachlässe, die Unternehmen unter bestimmten Bedingungen zugutekommen, sofern diese in den USA produzieren oder US-amerikanische Produkte nutzen. Obwohl einige dieser Vorgaben protektionistisch wirken, haben Schätzungen zufolge mehr als die Hälfte der Förderungen keine solchen Einschränkungen. Die Analyse des IW legt nahe, dass die deutsche Industrie durch die erhöhte Nachfrage in den USA profitiert hat, da im Jahr 2023 die Exporte von Maschinen und elektrischen Ausrüstungen in die USA signifikant gestiegen sind.
Ein befürchteter Trend zur Verlagerung von Standorten aufgrund der IRA-Förderungen konnte bislang nicht belegt werden. Zwar bietet der IRA potenziell Anreize für Unternehmen, in den USA zu produzieren, doch zeigen bisherige Untersuchungen des IW, dass dies in der Praxis noch nicht stattgefunden hat. Deutsche Direktinvestitionen in den USA wiesen im Jahr 2023 ein gemischtes Bild auf: Während sie in jenem Jahr zurückgingen, stiegen sie im ersten Halbjahr 2024 wieder an. Eine Umfrage unter 300 bayerischen Unternehmen zeigt ebenfalls, dass für neun von zehn Firmen der IRA kaum einen Anreiz für Verlagerungen darstellt.
Die Studie des IW mahnt auch vor einem übertriebenen industriepolitischen Handeln in Deutschland. Statt selektiver Förderung einzelner Sektoren sei eine nachhaltige Wirtschaftspolitik nötig, um den Standort Deutschland langfristig wettbewerbsfähig zu halten. Auch für die Zukunft gibt es Unsicherheiten. Die bevorstehenden US-Wahlen könnten je nach Ausgang den Umgang mit dem IRA beeinflussen. Eine mögliche Abwahl Bidens und ein Sieg des republikanischen Kandidaten Donald Trump könnten den deutschen Autobauern das Geschäft erschweren, etwa durch eine mögliche Streichung der Förderung für exportierte E-Autos. Sollte hingegen die demokratische Kandidatin Kamala Harris gewinnen, würde sie den IRA voraussichtlich fortführen, auch wenn Kürzungen nicht ausgeschlossen sind.
