Saudi-Arabien setzt auf heimische Investitionen
Rückgang internationaler Geldflüsse und neue Chancen für ausländische Unternehmen

Saudi-Arabien hat angekündigt, seine Investitionen im Ausland zu reduzieren und den Fokus vermehrt auf Projekte im eigenen Land zu legen. Der Public Investment Fund (PIF) des Königreichs, der mittlerweile über ein Volumen von 925 Milliarden US-Dollar verfügt, möchte den Anteil internationaler Investitionen von 30 Prozent auf etwa 18 bis 20 Prozent senken. Diese Entscheidung wurde kürzlich auf der Future Investment Initiative (FII) in Riad verkündet, die als bedeutendes internationales Wirtschaftstreffen gilt und in diesem Jahr über 7000 Teilnehmer aus aller Welt anlockte.
Hochrangige Vertreter großer Finanzhäuser wie Blackrock, Goldman Sachs, HSBC und Morgan Stanley waren anwesend und nutzten die Gelegenheit, ihre Beziehungen zur saudi-arabischen Wirtschaft zu vertiefen. Saudi-Arabien bindet zunehmend internationale Unternehmen an das Land, beispielsweise durch ein neues Gesetz, das Firmen in der Region verpflichtet, ihren Hauptsitz für das Nahostgeschäft in Riad anzusiedeln, sofern sie Verträge mit der saudi-arabischen Regierung abschließen möchten. Der PIF investiert gezielt in Projekte, die der heimischen Wirtschaft zugutekommen, wie etwa die Produktion von Elektroautos im eigenen Land durch eine Partnerschaft mit dem US-Hersteller Lucid.
Das Königreich bereitet sich unter der Leitung von Kronprinz Mohammed bin Salman auf eine wirtschaftliche Ära nach dem Ölboom vor. Mit der „Vision 2030“ verfolgt Saudi-Arabien das Ziel, seine Wirtschaft zu diversifizieren und seine Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu verringern. Dazu gehören ambitionierte Projekte wie die geplante Megastadt Neom und das Vorhaben, weltweit führender Produzent für grünen Wasserstoff zu werden. Die Einnahmen außerhalb des Ölsektors machen laut offiziellen Angaben bereits 52 Prozent der Wirtschaftsleistung des Landes aus.
Internationale Analysten begrüßen die neue Strategie des PIF und sehen darin eine stabile Grundlage für Investitionen, da Saudi-Arabien über eine junge, gut ausgebildete Bevölkerung und eine starke politische Führung verfügt. Neben <a class="tvreplink" target="_blank" href="https://de.tradingview.com/symbols/Nasdaq%3AMSFT">Microsoft und Google, die bereits Milliarden in neue Rechenzentren investieren, beteiligt sich auch der deutsche Konzern Thyssen-Krupp Nucera an Projekten wie dem Bau von Anlagen für die Produktion von grünem Wasserstoff in Neom.
Trotz des wirtschaftlichen Aufschwungs gibt es in Saudi-Arabien weiterhin große Herausforderungen. Menschenrechtsorganisationen kritisieren die repressiven Maßnahmen des Staates, darunter harte Strafen für regierungskritische Äußerungen und die Anwendung der Todesstrafe, die nach wie vor per Enthauptung vollstreckt wird.
