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US-Blockade der Straße von Hormus treibt Ölpreis hoch

Gescheiterte Iran-Verhandlungen und drohende US-Blockade erschüttern Energie- und Aktienmärkte – DAX verliert rund ein Prozent.

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US-Blockade der Straße von Hormus treibt Ölpreis hoch

Die Finanz- und Energiemärkte kommen nicht zur Ruhe. Nachdem die Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran vorerst gescheitert sind, reagieren Anleger weltweit mit Zurückhaltung. Der DAX verliert am frühen Nachmittag rund ein Prozent und notiert bei 23.573 Punkten – die Reaktion bleibt damit noch vergleichsweise moderat.

„Wahrscheinlich hoffen viele Anleger auf eine Wiederaufnahme der Verhandlungen, da der Waffenstillstand zunächst bis zum Dienstag kommender Woche gilt", erklärt Jochen Stanzl, Chefanalyst der Consorsbank. Viele Investoren hatten ohnehin nicht mit einer sofortigen Einigung zwischen Washington und Teheran gerechnet. Zusätzlich stützt der Wahlsieg pro-europäischer Kräfte in Ungarn die Kurse ein wenig.

Analyst Frank Sohlleder vom Handelshaus ActivTrades warnt dennoch: Zwar dürften beide Parteien zähneknirschend an den Verhandlungstisch zurückkehren, doch die akute Gefahr bleibe extrem hoch.

Ölpreis springt über 100 Dollar – Erdgas legt 18 Prozent zu

Deutlich heftiger fällt die Reaktion am Rohstoffmarkt aus. In der Nacht kletterte der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Juni erneut über die Marke von 100 Dollar. Der Kurssprung von rund acht Prozent machte einen Großteil der Verluste der Vorwoche wett und hatte bereits die asiatischen Börsen ins Minus gedrückt.

Auch der europäische Erdgaspreis schoss in die Höhe. Die maßgeblichen Future-Kontrakte stiegen am Morgen um bis zu 18 Prozent – ein deutliches Signal für die Nervosität am Energiemarkt.

Hintergrund der neuen Eskalation: Die USA wollen die Straße von Hormus für Schiffe blockieren, die iranische Häfen anlaufen oder von dort auslaufen. Schiffe ohne Bezug zu iranischen Häfen sollen laut US-Militär ungehindert passieren können. Die bedingte Blockade sollte um 16:00 Uhr MESZ in Kraft treten.

Iran droht mit Eskalation – Millionen Barrel auf dem Spiel

Ein iranischer Vertreter wertete die angekündigte Blockade als Militäroperation. „Damit könnte die Situation im Nahen Osten erneut eskalieren und der Schiffsverkehr in der Region komplett zum Erliegen kommen", warnt Andreas Lipkow vom Broker CMC Markets.

Saul Kavonic, Analyst bei MST Marquee, fasst die Lage prägnant zusammen: „Die Bedingungen am Markt sind also weitgehend wieder dieselben wie vor der Waffenruhe – mit dem Unterschied, dass die USA nun auch die verbleibenden, mit dem Iran verbundenen Ölflüsse im Umfang von bis zu zwei Millionen Barrel durch die Straße von Hormus blockieren werden." Die Hoffnung ruht nun auf einer neuen Verhandlungsrunde, die die Situation an der strategisch wichtigen Meerenge entschärfen könnte.

Lufthansa und Telekom unter Druck – Nemetschek mit Verkaufsempfehlung

Am Aktienmarkt trifft die Energiekrise vor allem Unternehmen aus energieintensiven Branchen wie Technologie, Transport und Industrie. Besonders hart trifft es die Lufthansa-Aktie: Neben den hohen Kerosinkosten belasten erneute Pilotenstreiks den Konzern. Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) rechnet für die heute und morgen geplanten Streiks bei der größten deutschen Fluggesellschaft und mehreren Töchtern mit dem Ausfall von Hunderten Flügen pro Tag.

Schwächster Wert im DAX ist die Deutsche Telekom. Analyst Akhil Dattani von JPMorgan sieht die jüngste Kurserholung als übertrieben an. Der US-Konkurrent AT&T habe zahlreiche Änderungen an seinem Tarifportfolio vorgenommen, was auf eine Verschärfung des Wettbewerbs hindeute. Das erste Quartal der Deutschen Telekom dürfte laut Dattani mehr Fragen als Antworten hinterlassen.

Im MDAX bildet Nemetschek das Schlusslicht. Die UBS hat eine Verkaufsempfehlung für den Bausoftware-Spezialisten ausgesprochen. Analyst Michael Briest von der Großbank betont die Risiken langjähriger Verträge: Im ersten Jahr seien sie hilfreich, ab dem zweiten Jahr sorgten sie jedoch für Gegenwind und gefährdeten den bisher starken Barmittelzufluss. Zusätzlich dürfte der Markt diese Risiken mit den Verdrängungssorgen rund um Künstliche Intelligenz verknüpfen.

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