Ölpreise über 100 Dollar: Hormus-Blockade erschüttert Märkte
Die US-Marine bereitet eine Blockade der Straße von Hormus vor – Öl springt über 100 Dollar, Aktienmärkte geraten unter Druck.

Die globalen Finanzmärkte stehen zu Wochenbeginn unter erheblichem Druck. Sowohl Brent-Rohöl als auch das US-amerikanische WTI-Öl kletterten am Montag wieder über die Marke von 100 US-Dollar pro Barrel. Auslöser ist der Versuch von US-Präsident Donald Trump, den Schiffsverkehr von und zu iranischen Häfen in der strategisch wichtigen Straße von Hormus zu blockieren.
Die Blockade sollte laut Berichten um 10:00 Uhr EDT in Kraft treten, nachdem Friedensgespräche in Islamabad am Wochenende gescheitert waren. Ob das Scheitern der Verhandlungen den in der Vorwoche angekündigten zweiwöchigen Waffenstillstand gefährdet, ist derzeit noch unklar. Die Entsendung der US-Marine in den Golf beginnt jedoch bereits, die Erholungsrallye der vergangenen Woche zunichtezumachen.
Ölpreise und Inflation belasten US-Verbraucher
Brent-Rohöl ist seit Beginn des Konflikts um rund 40 Prozent gestiegen – ein enormer Preisschock für Verbraucher und Unternehmen weltweit. Trotz des jüngsten Anstiegs liegen die Benchmarks noch unter den Höchstständen der Vorwoche, die vor der Ankündigung des Waffenstillstands erreicht worden waren.
Besonders brisant: US-Präsident Trump räumte am Sonntag ein, dass die Benzinpreise bis zu den Zwischenwahlen im November erhöht bleiben oder sogar weiter steigen könnten. Diese Aussage deutet darauf hin, dass innenpolitischer Druck allein kaum ein baldiges Ende des Nahost-Konflikts herbeiführen wird. Die inflationären Folgen des Krieges wurden bereits am vergangenen Freitag sichtbar: Die US-Verbraucherpreise stiegen im März so stark wie seit fast vier Jahren nicht mehr, mit einer jährlichen Inflationsrate von 3,3 Prozent – wobei Benzinpreise den Großteil des monatlichen Anstiegs ausmachten.
Die Reaktion der Finanzmärkte fiel entsprechend negativ aus. Die Futures an der Wall Street lagen vor Handelsbeginn fast ein Prozent im Minus, europäische Aktien gaben ebenfalls nach, und die wichtigsten asiatischen Indizes schlossen schwächer. Der US-Dollar legte im frühen Handel gegenüber den wichtigsten Währungen zu, gab diese Gewinne später jedoch teilweise wieder ab.
Politisches Erdbeben in Ungarn beflügelt Forint und Anleihen
Abseits des Nahost-Konflikts sorgte ein politisches Erdbeben in Ungarn für Aufsehen an den Märkten. Ministerpräsident Viktor Orbán, seit 16 Jahren an der Macht, wurde am Wochenende in einer Erdrutschniederlage abgewählt. Der Sieg der Partei von Peter Magyar dürfte dieser eine Zweidrittelmehrheit im Parlament sichern.
Die Märkte reagierten positiv auf den Machtwechsel: Der Ungarische Forint legte kräftig zu, ebenso wie ungarische Staatsanleihen. Hintergrund ist die Erwartung, dass Magyar engere Beziehungen zur EU anstrebt und Verfassungsreformen umsetzt – was potenziell eingefrorene EU-Mittel in Höhe von rund 18 Milliarden Euro wieder verfügbar machen könnte.
US-Berichtssaison startet mit Goldman Sachs
Inmitten der geopolitischen Turbulenzen beginnt heute die US-Berichtssaison für das erste Quartal. Den Auftakt macht Goldman Sachs. Schätzungsweise zehn Prozent der Unternehmen im S&P 500 werden bis Freitag ihre Quartalsergebnisse vorlegen, gefolgt von einer Flut weiterer Berichte in den kommenden Wochen.
Zu den Schwergewichten der Woche zählen neben Banken auch <a class="tvreplink" target="_blank" href="https://de.tradingview.com/symbols/Nasdaq%3ANFLX">Netflix, Johnson & Johnson und PepsiCo. Analysten erwarten laut LSEG IBES, dass die Gewinne der S&P-500-Unternehmen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um rund 14 Prozent steigen werden. Bemerkenswert: Trotz des drohenden Ölpreisschocks haben Analysten ihre Prognosen für das Gewinnwachstum des S&P 500 für das Gesamtjahr sogar nach oben korrigiert. Ob die Unternehmensausblicke dieser Einschätzung standhalten werden, bleibt abzuwarten.
Parallel dazu starten in Washington die Frühjahrstagungen des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank – ein weiterer wichtiger Termin für die globalen Finanzmärkte in einer bereits ereignisreichen Woche. Zudem veröffentlicht die OPEC ihren monatlichen Ölmarktbericht, der angesichts der aktuellen Preisentwicklung mit besonderer Spannung erwartet wird.
