Trump droht mit Hormus-Blockade: Ölpreise schießen hoch
Nach gescheiterten Friedensgesprächen in Pakistan eskaliert Trump den Konflikt mit dem Iran erneut – mit weitreichenden Folgen für den globalen Ölmarkt.

US-Präsident Trump hat am Sonntag per Social-Media-Post angekündigt, dass die US-Marine Schiffe aus iranischen Häfen an der Durchfahrt durch die Straße von Hormus hindern wird. Die Drohung beendete den aufkeimenden Optimismus auf einen Waffenstillstand und ließ die Ölpreise am Montag im frühen asiatischen Handel massiv ansteigen. Der Brent-Futures-Preis kletterte von einem Schlusskurs von 95,20 Dollar am 10. April auf 102,80 Dollar pro Barrel – ein Anstieg von rund 8 Prozent.
Die Eskalation folgt auf das Scheitern von Wochenendgesprächen zwischen den USA und dem Iran in Pakistan. Beide Seiten lagen in Schlüsselfragen scheinbar weit auseinander. Der Konflikt dauert bereits seit dem 28. Februar an – nun erhöht Trump den Druck mit einer der weitreichendsten Drohungen seit Beginn der Auseinandersetzung.
Straße von Hormus: Lebenswichtige Wasserstraße der Welt
Die Straße von Hormus gilt als eine der strategisch bedeutendsten Wasserstraßen der Welt. Vor Beginn des Konflikts flossen rund 20 Prozent des weltweiten Angebots an Rohöl, raffinierten Produkten und Flüssigerdgas durch die enge Meerenge. Seit dem 28. Februar ist dieser Fluss auf ein Rinnsal zurückgegangen.
Der geringe Verkehr, der seit Anfang April noch durch die Meerenge geflossen ist, stammt hauptsächlich aus dem Iran. Daten des Rohstoffanalysten Kpler zeigen: Zwischen dem 1. und 12. April liefen 15 Schiffe aus, die am iranischen Terminal auf der Insel Charg beladen wurden. Im gleichen Zeitraum passierten laut Kpler 12 Tanker aus anderen Ländern die Meerenge – vier aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, sechs aus Saudi-Arabien und zwei aus dem Irak.
Blockade: Chancen und erhebliche Risiken
Eine tatsächliche Blockade iranischer Schiffe birgt erhebliche praktische Herausforderungen. Es ist unwahrscheinlich, dass das US-Militär angesichts des Risikos einer Umweltkatastrophe Raketen oder andere Waffen auf Tanker abfeuern würde. Als wahrscheinlichste Optionen gelten daher Drohungen zur Kursänderung oder der Einsatz bewaffneter Enterkommandos zur physischen Übernahme der Schiffe.
Strategisch könnte eine Blockade den Iran unter erheblichen wirtschaftlichen Druck setzen. Durch das Stoppen iranischer Rohöllieferungen würden die USA Teherans Einnahmen massiv beschneiden. Zudem könnte dies China – als Hauptabnehmer iranischen Öls – dazu zwingen, sich stärker zu engagieren und Druck auf seinen Verbündeten auszuüben.
Iran zeigt bislang keine Bereitschaft zum Einlenken
Die Hardliner der klerikalen Führung im Iran haben bisher kaum Anzeichen gezeigt, sich den US-Forderungen zu beugen. Diese reichen von der Beendigung des iranischen Atomprogramms bis zur vollständigen Wiedereröffnung der Straße von Hormus. Stattdessen hat der Iran mit eigener Eskalation reagiert – unter anderem durch Angriffe auf Energie- und Militäranlagen in Nachbarstaaten am Golf, die US-Stützpunkte beherbergen.
Sollte das US-Militär iranische Schiffe erfolgreich abfangen, wäre laut Analysten mit weiteren iranischen Angriffen auf Exportanlagen zu rechnen, die die Straße von Hormus umgehen. Der Iran hat bereits die saudi-arabische Ost-West-Pipeline nach Yanbu am Roten Meer beschädigt und Anlagen am Terminal Fudschaira der Vereinigten Arabischen Emiraten am Golf von Oman angegriffen. Weitere Angriffe auf diese Exportwege würden den ohnehin angeschlagenen Rohölmärkten maximalen Schaden zufügen.
Märkte hoffen auf erneute Deeskalation
Die Hoffnung am Rohölmarkt ist, dass Trump erneut eskaliert, um anschließend zu deeskalieren – eine Taktik, die er in diesem Konflikt bereits mehrfach angewendet hat. Allerdings gibt es Grenzen dafür, wie oft dieses Muster funktionieren kann, bevor der Schaden für die Weltwirtschaft schwerwiegend und langanhaltend wird.
Kritiker sehen in Trumps Vorgehen eine Rückkehr zu einer bereits erprobten und erfolglosen Strategie. In rechten US-Medien wird Trump oft nachgesagt, er spiele „vierdimensionales Schach" und werde den Iran letztlich überlisten. Die Realität des nun seit sechs Wochen andauernden Konflikts legt jedoch nahe, dass die Strategie bislang keine entscheidenden Ergebnisse gebracht hat.
