Ölpreis springt über 100 Dollar nach US-Blockade gegen Iran
Gescheiterte US-Iran-Gespräche und eine angekündigte Seeblockade treiben die Ölpreise scharf nach oben und belasten die globalen Märkte.

Die Öl-Futures sind am Montag zu Beginn des asiatischen Handels wieder über die Marke von 100 US-Dollar je Barrel gestiegen. Auslöser sind das Scheitern der Gespräche zwischen den USA und dem Iran sowie die Ankündigung einer US-Blockade iranischer Häfen. Gleichzeitig gab der US-Dollar nach, während die Aktienmärkte schwächer tendierten.
Die USA haben eine Seeblockade gegen iranische Häfen angekündigt, um den Druck auf Teheran und auf Abnehmer iranischen Rohöls – allen voran China – zu erhöhen. Experten stufen die Blockade als kriegerischen Akt ein, der den dauerhaften Einsatz einer beträchtlichen Anzahl von Kriegsschiffen erfordert. Die geopolitische Eskalation versetzt die Rohstoffmärkte in Alarmbereitschaft.
Drohender Angebotsausfall von bis zu 2 Millionen Barrel täglich
Sollten die iranischen Ölexporte infolge der Blockade vollständig wegfallen, würde sich das weltweite Angebot um bis zu 2 Millionen Barrel pro Tag verknappen. Das entspricht einem erheblichen Anteil der globalen Versorgung und erklärt die starke Preisreaktion an den Terminmärkten. Für Verbraucher und Industrie in Europa und Deutschland würde ein anhaltend hoher Ölpreis spürbare Folgen haben.
Nicht nur Rohöl reagierte auf die Eskalation: Auch die Preise für Agrarrohstoffe – sogenannte Soft Commodities – stiegen deutlich an. Hintergrund sind wachsende Sorgen über mögliche Unterbrechungen bei der Kraftstoff- und Düngemittelversorgung. Anleihen gerieten ebenfalls unter Druck, da Investoren steigende Inflationsrisiken einpreisten und entsprechende Papiere verkauften.
Die Marktreaktionen während des asiatischen Handels fielen insgesamt jedoch nicht extrem aus. Die meisten Vermögenspreise kehrten auf das Niveau von Mitte der Vorwoche zurück – also auf den Stand, der vor der kurzzeitigen Waffenstillstandsvereinbarung zwischen den USA, Israel und dem Iran gegolten hatte. Die Märkte bleiben damit stark nachrichtengetrieben.
Ungarischer Forint profitiert von Orbáns Wahlniederlage
Abseits der Iran-Krise sorgte eine politische Wende in Ungarn für Bewegung: Der ungarische Forint legte kräftig zu, nachdem Viktor Orbán am Sonntag eine Wahlniederlage erlitten hatte. Der Machtwechsel ebnet nach Einschätzung von Beobachtern den Weg für die Freigabe von EU-Fördergeldern an Ungarn und möglicherweise auch an die Ukraine – Mittel, die unter Orbán blockiert worden waren.
Parallel rückt die US-Berichtssaison in den Fokus der Anleger. Goldman Sachs veröffentlicht seine Quartalsergebnisse noch vor der Eröffnung der Wall Street. Die Zahlen des Investmentbankingriesen gelten als wichtiger Stimmungsindikator für den Finanzsektor und könnten die Marktentwicklung am Montag maßgeblich mitbestimmen.
Für Anleger bleibt die Lage unübersichtlich: Geopolitische Risiken im Nahen Osten, Inflationsdruck durch steigende Rohstoffpreise und der Beginn der Unternehmensberichtssaison treffen gleichzeitig aufeinander. Die kommenden Handelstage dürften weiterhin stark von den Schlagzeilen rund um den US-Iran-Konflikt geprägt sein.
