Türkei: Finanzminister schließt lockere Politik vor Wahl 2028 aus
Türkei hält an Inflationsbekämpfung fest – auch vor den Wahlen 2028 keine Lockerung

Die Türkei bleibt auf ihrem wirtschaftlichen Sparkurs. Schatz- und Finanzminister Mehmet Simsek hat klargestellt, dass die Regierung ihre straffe Geldpolitik zur Inflationsbekämpfung auch im Vorfeld der für 2028 geplanten Wahlen nicht lockern wird. Damit stellt sich Ankara gegen das in vielen Schwellenländern übliche Muster, vor Wahlen mit expansiven Maßnahmen Stimmen zu sammeln.
„Die Bekämpfung der hohen Lebenshaltungskosten hat für uns oberste Priorität, und wir werden den Kurs der Disinflation auch während der Wahlperiode nicht aufgeben“, sagte Simsek am Mittwoch in einem Interview mit Bloomberg HT. Die Aussage ist bemerkenswert, denn sie signalisiert Kontinuität in einer Phase, in der politischer Druck auf die Notenbank und das Finanzministerium üblicherweise zunimmt.
Hintergrund: Der Kampf gegen die Inflation
Die Türkei leidet seit Jahren unter einer hartnäckig hohen Inflation, die zeitweise auf über 80 Prozent anstieg. Nach der Wiederwahl von Präsident Recep Tayyip Erdogan im Jahr 2023 leitete die Regierung eine Kehrtwende in der Wirtschaftspolitik ein. Statt der zuvor verfolgten Niedrigzinspolitik setzt Ankara nun auf Zinserhöhungen und eine straffere Fiskalpolitik, um die Teuerungsrate nachhaltig zu senken.
Simseks jüngste Aussage unterstreicht, dass dieser Kurs auch dann beibehalten wird, wenn die nächsten Wahlen näher rücken. In der Vergangenheit hatte die türkische Regierung vor Wahlterminen häufig auf kurzfristige Konjunkturprogramme und Zinssenkungen gesetzt, um die Wirtschaft anzukurbeln – was jedoch die Inflation weiter anheizte.
Bedeutung für Anleger
Für internationale Investoren ist die Ankündigung ein positives Signal. Die Glaubwürdigkeit der türkischen Wirtschaftspolitik hatte in den vergangenen Jahren massiv gelitten, nachdem Erdogan wiederholt Druck auf die unabhängige Notenbank ausgeübt hatte. Simsek, ein bei Marktteilnehmern angesehener früherer Banker, gilt als Garant für eine orthodoxere Wirtschaftspolitik.
Sollte die Regierung tatsächlich bis 2028 an ihrem Disinflationskurs festhalten, könnte dies die Inflation nachhaltig senken und die Türkei für ausländische Kapitalanleger wieder attraktiver machen. Allerdings bleibt abzuwarten, ob der politische Druck im Vorfeld der Wahlen nicht doch zu einer Lockerung führt.
Ausblick
Die Türkei steht vor einem schwierigen Spagat: Einerseits muss die Regierung die Inflation bekämpfen, andererseits drohen die hohen Zinsen die Konjunktur abzuwürgen. Simseks Bekenntnis zur Disinflation ist ein klares Signal an die Märkte. Ob es bis 2028 durchgehalten wird, hängt maßgeblich von der politischen Entwicklung und dem Erfolg der bisherigen Maßnahmen ab.
