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Kreditkarten-Schulden in den USA: Alltag auf Pump wird zur Krise

21.000 Dollar Schulden auf der Kreditkarte – Hector Gomez ist kein Einzelfall. Die USA stecken in einer Schuldenkrise.

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Kreditkarten-Schulden in den USA: Alltag auf Pump wird zur Krise

Hector Gomez blickte auf seine Kreditkarten-Abrechnung und traute seinen Augen nicht: 21.000 Dollar Schulden. „Das erste Gefühl war Ungläubigkeit, das zweite Angst“, erinnert er sich. Nach einer Scheidung stand er nicht nur allein da, sondern auch mit einem enormen Schuldenberg. Seine Geschichte ist kein Einzelfall – sie steht exemplarisch für ein wachsendes Problem in den USA.

Die privaten Haushalte in den Vereinigten Staaten haben laut der Federal Reserve Bank of New York rund 18,8 Billionen Dollar Schulden. Diese Summe verteilt sich auf Hypotheken, Auto- und Studienkredite sowie Kreditkarten. Der mit Abstand größte Posten sind Hypotheken, doch die Kreditkarten-Schulden steigen rasant. Zuletzt lagen sie bei rund 1,26 Billionen Dollar, was offenen Rechnungen von durchschnittlich 6.600 Dollar pro Karteninhaber entspricht.

Immer mehr Amerikaner in der Schuldenfalle

Ted Rossman von der Non-Profit-Schuldnerberatung Money Management International berichtet von einer wachsenden Nachfrage nach Hilfsangeboten. Vielen US-Amerikanern fehle offenbar ein finanzieller Puffer. Wer zum ersten Mal zu Rossman in die Beratung kommt, hat im Schnitt rund 40.000 Dollar Kreditkarten-Schulden. „Über Kreditkarten-Schulden zu sprechen, fällt schwer“, sagt er.

Die Ursachen sind vielfältig. Die Inflation hält sich hartnäckig, die Lebenshaltungskosten sind hoch. Der Einzelhandel leidet, während Billigläden boomen. Erst vor kurzem eröffnete der deutsche Discounter-Riese Aldi eine Filiale am New Yorker Times Square – der Hype war immens. „Kreditkarten-Schulden sind oft mit dem Stigma verbunden, man habe sich unverantwortlich verhalten“, erklärt Rossman. In Wirklichkeit gehe es meist um alltägliche Ausgaben: Arztrechnungen, Benzin, Lebensmittel, Auto- und Hausreparaturen.

Das System der revolvierenden Kreditkarten

Ein zentraler Unterschied zu Deutschland liegt im Kreditkartensystem. In den USA sind revolvierende Kreditkarten weit verbreitet. Sie erlauben es, monatlich nur einen Mindest- oder Teilbetrag zu zahlen, anstatt den Saldo komplett auszugleichen. So können Schulden in die kommenden Monate mitgenommen werden – der Berg wird nicht nur höher, sondern auch in die Länge gezogen. In Deutschland sind dagegen Debitkarten und Charge-Kreditkarten üblich, bei denen der Saldo am Monatsende vollständig vom Girokonto abgebucht wird.

Hinzu kommt: Die Kreditkartenzinsen in den USA liegen im Durchschnitt bei rund 21 Prozent. Hector Gomez zahlte sogar knapp 30 Prozent. „Sie machen es dir leicht, an das Geld zu kommen, aber sie erklären dir nicht, wie du aus dieser Situation wieder herauskommst“, sagt er. Er habe damals nicht verstanden, wie Zinsen funktionieren und keinen richtigen Haushaltsplan gehabt.

Junge Generation besonders betroffen

Ein besorgniserregender Trend zeichnet sich ab: Die Klienten der Schuldnerberatungen werden immer jünger. Die Generation Z ist laut Rossman die am schnellsten wachsende Gruppe. „Im vergangenen Jahr ist die Nachfrage nach unserer Beratung in dieser Altersgruppe um 35 Prozent gestiegen.“ Junge Menschen starten in einer Phase extrem hoher Lebenshaltungskosten ins Arbeitsleben, müssen aber häufig mit niedrigen Einstiegsgehältern zurechtkommen. Wer noch einen Studienkredit abbezahlt, hat weniger Geld zum Leben – die Kreditkarte oder „Buy now, pay later“-Angebote dienen dann als Überbrückung.

Rossmans junge Klienten haben im Schnitt 20.000 Dollar an Kreditkarten-Schulden und anderen ungesicherten Darlehen. In vielen Fällen kommt ein Studienkredit von durchschnittlich 35.000 Dollar obendrauf. „Bei vielen Amerikanern haben die Gehälter mit den steigenden Lebenshaltungskosten nicht Schritt gehalten – besonders bei den jüngeren Erwachsenen“, sagt der Schuldnerberater.

Auswege aus der Schuldenspirale

Hector Gomez hat sich schließlich Hilfe bei einer Schuldnerberatung geholt. Die Berater handeln mit den Banken bessere Rückzahlungskonditionen und niedrigere Zinsen aus. In seinem Fall halbierten sich die Zinsen von knapp 30 auf 15 Prozent. Drei Jahre harte Arbeit und Disziplin später ist der heute 35-jährige Projektmanager schuldenfrei. „Ich dachte, dieses Geld wäre praktisch unendlich verfügbar“, sagt er rückblickend.

Doch die strukturellen Probleme bleiben. „Unsere Klienten haben jeden Monat im Schnitt eine Lücke von etwa 300 Dollar im Haushaltsbudget“, sagt Ted Rossman. Solange die Lebenshaltungskosten weiter steigen und die Löhne nicht Schritt halten, wird die Nachfrage nach Schuldnerberatung wohl weiter zunehmen. Für Anleger ist dies ein wichtiger Indikator: Die Konsumlaune der US-Verbraucher leidet, was sich negativ auf Einzelhandelsaktien und konsumnahe Branchen auswirken könnte.

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