US-Staatsanleihen: Rendite unter 5 Prozent vor Fed-Entscheidung
Renditen fallen unter 5-Prozent-Marke – Fed-Entscheidung mit Spannung erwartet

Die Renditen US-amerikanischer Staatsanleihen sind am Mittwoch gefallen, während die Finanzmärkte gespannt auf die geldpolitische Entscheidung der US-Notenbank Federal Reserve warten. Die Rendite der zehnjährigen Benchmark-Anleihe fiel um mehr als zwei Basispunkte auf 4,967 Prozent und unterschritt damit die psychologisch wichtige Marke von fünf Prozent.
Die Rendite der 30-jährigen Treasury-Bond sank um mehr als einen Basispunkt auf 5,348 Prozent. Noch deutlicher fiel der Rückgang bei den kurzfristigen Papieren aus: Die Rendite der zweijährigen Treasury-Note gab um mehr als drei Basispunkte auf 4,627 Prozent nach. Ein Basispunkt entspricht 0,01 Prozent, wobei Anleiherenditen und -kurse sich gegenläufig entwickeln.
Fed-Sitzung im Fokus der Märkte
Das Federal Open Market Committee (FOMC) der Fed wird seine neueste geldpolitische Entscheidung am Mittwoch um 14:00 Uhr Eastern Time bekanntgeben. Laut dem CME FedWatch Tool wurden bei Fed-Funds-Futures zuletzt Chancen von 92,9 Prozent für eine Zinserhöhung um einen viertel Prozentpunkt eingepreist. Vor einem Monat lag diese Wahrscheinlichkeit noch bei lediglich 33 Prozent – ein deutlicher Hinweis darauf, wie stark sich die Erwartungen innerhalb weniger Wochen verschoben haben.
Hintergrund dieser Entwicklung sind die anhaltend hohen Inflationsdaten. Die jährliche Inflationsrate in den USA erreichte im August 3,4 Prozent. Der Index der persönlichen Konsumausgaben (PCE), den die Fed als ihr bevorzugtes Prognoseinstrument nutzt, stieg im Juli im Jahresvergleich um 3,7 Prozent. Hinzu kommen die Ölpreise, die weiterhin über 100 Dollar pro Barrel notieren und die Inflationssorgen zusätzlich anheizen.
Die hohen Inflationsdaten haben die langfristigen Renditen der Treasury-Kurve in den vergangenen Wochen unter Druck gesetzt. Erst am Dienstag war die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen auf ein Niveau gestiegen, das zuletzt nach dem Jahr 2007 erreicht worden war.
Experten uneins über den weiteren Kurs der Fed
Branchenkenner bewerten die bevorstehende Entscheidung der Fed unterschiedlich. Jonathan Pryor, Co-Leiter des FX-Dealing bei Marex, schrieb in einer Notiz am Mittwochmorgen, die Fed befinde sich „in einer neuen Phase der Geldpolitik“. Er führte aus: „Zu Beginn des Jahres sah es so aus, als würden wir in einen Zinssenkungszyklus eintreten, der möglicherweise sechs oder zwölf Monate andauern würde, aber jetzt hat sich das Blatt gewendet.“ Die Zentralbanken versuchten, sinnvolle Entscheidungen zu treffen und die Inflation, vor allem die angebotsseitige Inflation, anzugehen, während globale Anleihemärkte erhebliche Aufmerksamkeit erhielten. „Es ist eine schwierige Balance, die die Märkte sehr wohl wahrnehmen“, so Pryor.
Brent Wilsey, Chief Investment Officer des in San Diego ansässigen Unternehmens Wilsey Asset Management, warnte in einer per E-Mail versendeten Notiz am Mittwoch vor den Folgen einer möglichen Zinspause. „Wenn die Federal Reserve die Zinsen am Mittwoch unverändert ließe, könnte dies die Aktienmärkte überraschen, und Überraschungen werden an den Märkten selten gut aufgenommen“, sagte er. Eine solche Entscheidung könnte zudem die Glaubwürdigkeit der Fed beschädigen und die Befürchtungen neu entfachen, die Zentralbank gebe politischem Druck nach, die Zinsen unverändert zu lassen.
Hintergrund dieser Aussage ist, dass die Trump-Administration wiederholt Druck auf die Fed ausgeübt hat, die Zinsen zu senken. Eine Zinspause könnte daher als politisch motiviert interpretiert werden.
Bedeutung für deutsche Anleger
Für deutsche Anleger sind die Entwicklungen am US-Anleihemarkt von großer Bedeutung. Die Renditen US-amerikanischer Staatsanleihen gelten als Benchmark für globale Kapitalmärkte und beeinflussen unter anderem die Finanzierungskonditionen für Unternehmen sowie die Bewertung von Aktien. Steigende Renditen in den USA machen festverzinsliche Anlagen attraktiver und können Kapital aus risikoreicheren Anlageklassen wie Aktien abziehen. Zudem wirken sich die Entscheidungen der Fed indirekt auf die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank aus, die ebenfalls mit hohen Inflationsraten zu kämpfen hat.
Die kommenden Stunden werden zeigen, ob die Fed den eingeschlagenen Kurs der Zinserhöhungen fortsetzt oder eine Pause einlegt – eine Entscheidung, die weit über die US-Grenzen hinaus Auswirkungen haben dürfte.
