Trump kritisiert Marihuana-Geruch in demokratisch geführten Städten
US-Präsident Trump beklagt in einer Columbus-Day-Rede den Zustand demokratisch geführter Städte – und deren angeblichen Cannabis-Geruch.

US-Präsident Donald Trump hat in einer Rede anlässlich des Columbus Day scharfe Kritik an von Demokraten regierten Städten geübt. Neben allgemeinen Klagen über Schmutz und Verfall rückte dabei ein ungewöhnliches Detail in den Vordergrund: der angebliche Geruch von Marihuana in diesen Städten. „Die Gehwege sind abscheulich. Die Straßen sind abscheulich. Sie sind einfach in einem schlechten Zustand", sagte Trump in seiner Rede.
Besonders auffällig war Trumps Aussage über den Geruch in demokratisch geführten Städten: „Es stinkt. Es riecht nach Marihuana und anderen Dingen, die schlimmer sind als Marihuana." Was er mit Dingen meinte, die schlimmer als Cannabis riechen, ließ der Präsident offen. Zugleich behauptete er, dass in „blau geführten Städten", die nach Marihuana stinken, auch „das Verbrechen zu Hause ist".
Die Details
Trumps Kommentare über den Cannabis-Geruch fallen in eine politisch bemerkenswerte Phase: Seine eigene Regierung treibt gleichzeitig den Prozess zur Neueinstufung von Marihuana auf Bundesebene aktiv voran. Justizminister Todd Blanche erließ im April eine Anordnung, die staatlich lizenziertes medizinisches Cannabis sowie von der Food and Drug Administration (FDA) zugelassene Marihuana-Produkte mit sofortiger Wirkung von Anhang I des Controlled Substances Act (CSA) in Anhang III umstufte. Im Rahmen einer separaten, vom Justizminister unterzeichneten Anordnung wird zudem in einer Anhörung eine umfassendere Einstufung von Marihuana in Anhang III geprüft.
Das Weiße Haus hatte bereits im vergangenen Jahr erklärt, dass die lokale „gescheiterte Politik" in Washington, D.C. „Tür und Tor für Unordnung geöffnet" habe – und nannte dabei explizit die „Entkriminalisierung von Marihuana" als einen der Faktoren. Trumps jüngste Äußerungen reihen sich damit in eine konsistente Linie ein, die Cannabiskonsum in städtischen Räumen mit gesellschaftlichem Verfall verknüpft.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 26. April 2026 berichtete aktien.news, dass Präsident Trump medizinisches Cannabis als „die beste aller Alternativen" für Menschen mit schweren Krankheiten bezeichnet hatte. Gleichzeitig gab der amtierende Justizminister Todd Blanche bekannt, dass die Regierung die Neueinstufung von Marihuana beschleunigt – mehr als vier Monate nachdem Trump per Exekutivverordnung das Justizministerium angewiesen hatte, dies auf „schnellstmögliche Weise" umzusetzen.
Am 9. Mai 2026 stellte aktien.news klar, dass die Drogenbeauftragte der Trump-Administration, Sara Carter Bailey, in einem Interview unmissverständlich betonte: Marihuana bleibt auf Bundesebene illegal. „Es ist weiterhin illegal", sagte die Direktorin des Office of National Drug Control Policy (ONDCP). Die Einstufung in „Schedule III" auf exekutiver Ebene ermögliche zwar den Einsatz durch Ärzte, für die Forschung und für medizinische Zwecke – eine umfassende Legalisierung sei damit ausdrücklich nicht verbunden.
Am 11. Mai 2026 berichtete aktien.news über einen Gastbeitrag von Paul Armentano, dem Vertreter der US-amerikanischen Cannabisreform-Organisation NORML, der die Entscheidung der Trump-Administration als „historischen ersten Schritt" wertete, gleichzeitig aber warnte, dass die Maßnahme weit hinter den notwendigen Änderungen zurückbleibe. Am 20. Juli 2026 schließlich zeigte eine gemeinsame Umfrage von NuggMD und Marijuana Moment, dass die Unterstützung von Cannabiskonsumenten für die Maßnahmen der Trump-Regierung merklich gesunken ist: Noch 48 Prozent der befragten Konsumenten befürworteten die Cannabispolitik der Regierung, während 13 Prozent sie ablehnten.
Trumps Haltung zu Cannabis ist historisch gesehen widersprüchlich. Im vergangenen Jahr bezeichnete er Marihuana als möglichen „Ersatz für süchtig machende und potenziell tödliche Opioid-Schmerzmittel" – fügte jedoch hinzu, dass er es persönlich „nicht nehmen werde". Ebenfalls im vergangenen Jahr sagte er: „Medizinisch, gegen Schmerzen und verschiedene Dinge, habe ich einige ziemlich gute Sachen gehört – aber für andere Dinge habe ich einige ziemlich schlechte Sachen gehört." Im Jahr 2023 deutete Trump an, dass es eine Verbindung zwischen dem Konsum von „gentechnisch verändertem" Marihuana und Amokläufen geben könnte. Bereits 2020 behauptete er, Marihuana verursache bei Konsumenten „ein IQ-Problem".
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger, die in den US-amerikanischen Cannabismarkt investiert sind oder dies erwägen, verdeutlichen Trumps jüngste Äußerungen das anhaltende politische Spannungsfeld rund um Cannabis in den USA. Einerseits treibt die Trump-Regierung die Neueinstufung von Marihuana von Anhang I auf Anhang III des Controlled Substances Act voran – ein Schritt, der dem Sektor regulatorische Erleichterungen bringen könnte. Andererseits zeigen Trumps Kommentare, dass Cannabis politisch weiterhin ein polarisierendes Thema bleibt, das von der Regierung je nach Kontext unterschiedlich bewertet wird.
Die sinkende Zustimmung unter Cannabiskonsumenten zur Regierungspolitik – laut der Juli-Umfrage von NuggMD und Marijuana Moment bei noch 48 Prozent – deutet darauf hin, dass die bisherigen Schritte der Regierung in der Branche als unzureichend wahrgenommen werden. Anleger sollten die regulatorische Entwicklung auf Bundesebene weiterhin genau beobachten, da die endgültige Einstufung in Anhang III noch aussteht und erhebliche Auswirkungen auf die Marktstruktur haben könnte.
Ausblick
Im Rahmen einer separaten Anordnung von Justizminister Blanche wird in einer noch ausstehenden Anhörung eine umfassendere Einstufung von Marihuana in Anhang III geprüft. Das Ergebnis dieser Anhörung könnte die regulatorische Lage für den gesamten US-Cannabissektor maßgeblich beeinflussen. Konkrete Termine für den Abschluss dieses Prozesses wurden im Quelltext nicht genannt.
Kurz erklärt
- Controlled Substances Act (CSA): US-amerikanisches Bundesgesetz, das Drogen und Substanzen in verschiedene Anhänge (Schedules) nach ihrem Missbrauchspotenzial und medizinischen Nutzen einteilt.
- Anhang I / Anhang III (Schedule I / Schedule III): Klassifizierungsstufen im CSA, wobei Anhang I keinerlei anerkannten medizinischen Nutzen und hohes Missbrauchspotenzial bedeutet, Anhang III hingegen einen akzeptierten medizinischen Einsatz erlaubt.
- Neueinstufung (Rescheduling): Formeller Verwaltungsprozess, durch den eine Substanz in eine andere Kategorie des CSA verschoben wird, was ihre rechtliche Behandlung auf Bundesebene verändert.
