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Thailand plant Dual-Class-Aktien gegen IPO-Flaute an der SET

Die Stock Exchange of Thailand will mit ungleichen Stimmrechten mehr Familienunternehmen an die Börse bringen.

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Thailand plant Dual-Class-Aktien gegen IPO-Flaute an der SET

Die Börse von Thailand (Stock Exchange of Thailand, SET) plant, bis 2027 eine Struktur mit Aktienklassen mit unterschiedlichen Stimmrechten einzuführen. Damit sollen mehr Unternehmen an den Markt gezogen werden, insbesondere familiengeführte Gesellschaften, die aus Sorge vor einem Kontrollverlust bisher zögerten, notiert zu werden. Das teilte der Börsenchef am Montag mit.

Die vorgeschlagenen Änderungen des thailändischen Gesetzes für börsennotierte Gesellschaften würden es notierten Unternehmen ermöglichen, verschiedene Aktienklassen mit ungleichen Stimmrechten auszugeben. Gründern oder beherrschenden Aktionären wäre es damit möglich, ihre größere Stimmkraft beizubehalten, selbst wenn sie einen größeren Anteil ihres Kapitals an die Öffentlichkeit verkaufen. Die SET arbeitet in diesem Zusammenhang mit dem Finanzministerium, der Wertpapieraufsichtsbehörde SEC und anderen Behörden an der Gesetzesänderung, die sie noch in diesem Jahr vom Parlament verabschiedet sehen will.

Der Schritt erfolgt vor dem Hintergrund eines deutlichen Einbruchs im IPO-Markt Thailands. Thailändische Unternehmen haben im laufenden Jahr 2026 über Initial Public Offerings rund 700 million Baht (21,6 million US-Dollar) aufgenommen. Das entspricht einem Rückgang um 95 Prozent gegenüber 2025. Nach Angaben des Börsenchefs würde sich dies als das schwächste Jahr seit Beginn der Datenerfassung durch die SET im Jahr 2003 entwickeln.

Die Details

Kitipong Urapeepatanapong, Vorsitzender der SET, sagte, viele familiengeführte Unternehmen scheuen die Notierung ganz oder verkaufen nur einen kleinen Teil ihrer Anteile, da sie befürchten, die Kontrolle zu verlieren oder verwundbar für eine feindliche Übernahme zu werden. Eine Dual-Class-Struktur könnte diesen Unternehmen einen weiteren Weg zur Kapitalbeschaffung eröffnen, während der Einfluss der Gründer gewahrt bleibt.

Das Gewicht dieser Unternehmensgruppe ist erheblich: Familiengeführte Unternehmen machten zum Juli 705 der 843 an der thailändischen Börse notierten Gesellschaften aus. Ihre kombinierte Marktkapitalisierung belief sich auf 10,93 trillion Baht, was etwa 54 Prozent des Gesamtwerts der in Thailand notierten Unternehmen entspricht.

Die Börse sieht in der Reform zudem eine Möglichkeit, eine der langjährigen Schwächen des thailändischen Marktes anzugehen: den begrenzten Free Float bei einigen großen Unternehmen. Urapeepatanapong erklärte, internationale Investoren hätten bemängelt, dass einige führende thailändische Aktien nicht genügend handelbare Anteile aufweisen. Durch die Erlaubnis, dass beherrschende Aktionäre ihre Stimmkraft beibehalten können, während der öffentliche Free Float steigt, könnten daher mehr Unternehmen an den Markt gebracht und die Handelsliquidität verbessert werden.

Diese Struktur würde Thailand zudem näher an regionale Märkte wie Hongkong, Singapur und Indonesien heranführen, wo Dual-Class-Regelungen bereits erlaubt sind.

Hintergrund: Was bisher geschah

Bereits am 21.07.2026 berichtete aktien.news, dass die Hong Kong Exchange and Clearing Ltd (HKEX) weitreichende Reformen bei den Börsenzulassungsregeln vorbereitet. Wie die South China Morning Post unter Berufung auf zwei informierte Personen berichtete, sollten vertrauliche IPO-Anträge sowie niedrigere Anforderungen an die Marktkapitalisierung eingeführt werden. Die Bekanntgabe der Änderungen wurde nach monatelangen Konsultationen seit März für Ende Juli erwartet. Das Reformpaket zielte laut dem Bericht darauf ab, die Wettbewerbsfähigkeit Hongkongs bei der Gewinnung von Start-ups und internationalen Börsengängen zu verbessern.

Auch andere Märkte der Region bewegen sich in Richtung gelockerter Zulassungsregeln. Am 25.02.2026 berichtete aktien.news, dass die Philippinen neue gestaffelte Regelungen zum Streubesitz bei Börsengängen eingeführt haben. Das neue System sieht gestaffelte Mindestquoten für den sogenannten Free Float vor – also den Anteil der Aktien, der frei am Markt handelbar ist. Bisher galten einheitliche Anforderungen, die vor allem kleinere Unternehmen vor Herausforderungen stellten. Mit der Neuregelung soll die Hürde für Börsenkandidaten verschiedener Größenordnungen angepasst werden.

Thailand selbst verfolgt parallel eine industriepolitische Agenda. Am 24.09.2026 berichtete aktien.news über eine nationale Halbleiterstrategie, die das Land bis 2050 in höherwertige Segmente der globalen Chipindustrie führen soll. Nach Angaben der thailändischen Investitionsbehörde (Board of Investment) zielt der Plan auf Investitionen in Höhe von 80 Milliarden Dollar und die Schaffung von 230.000 Arbeitsplätzen ab. Vorgestellt wurde das Rahmenwerk von Finanzministerin Ekniti Nitithanprapas in einer Erklärung der Behörde, über die das Finanzportal Investing.com berichtete.

Was das für Anleger bedeutet

Für deutsche Privatanleger, die in thailändische Aktien oder entsprechende Fonds investieren, hat die geplante Reform zwei Seiten. Einerseits könnte ein größerer Free Float die Handelbarkeit einzelner Titel verbessern – ein Punkt, den internationale Investoren laut SET-Chef Urapeepatanapong ausdrücklich bemängelt haben. Mehr handelbare Anteile bedeuten in der Regel engere Spreads und eine leichtere Umsetzung von Kauf- und Verkaufsorders.

Andererseits bringt eine Dual-Class-Struktur eine Einschränkung der Aktionärsrechte mit sich. Wer Minderheitsaktien ohne erhöhte Stimmkraft hält, kann zentrale Entscheidungen nicht mitbestimmen, weil Gründer oder beherrschende Aktionäre trotz eines geringeren Kapitalanteils die Mehrheit der Stimmen behalten. Anleger sollten daher bei künftigen Börsengängen in Thailand genau prüfen, welche Aktienklasse sie erwerben und welche Stimmrechte damit verbunden sind.

Der Reformvorschlag ist bislang nicht beschlossen. Er befindet sich nach Angaben der Börse noch im Abstimmungsprozess mit Finanzministerium, SEC und weiteren Behörden. Eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung lässt sich daraus nicht ableiten.

Ausblick

Die SET will die Gesetzesänderung noch in diesem Jahr vom Parlament verabschiedet sehen. Die Einführung der Dual-Class-Struktur ist bis 2027 geplant. Sollte die Reform wie vorgesehen umgesetzt werden, rechnet die Börse damit, dass mehr Unternehmen – insbesondere familiengeführte Gesellschaften – den Gang an den Markt wagen und der öffentliche Streubesitz steigt. Ob sich der IPO-Markt nach dem Rückgang um 95 Prozent im laufenden Jahr 2026 wieder erholt, hängt damit maßgeblich am Zeitplan der Gesetzesänderung.

Kurz erklärt

  • Dual-Class-Aktien: Eine Aktiengattung, bei der verschiedene Aktienklassen mit unterschiedlich hohen Stimmrechten ausgestattet sind.
  • Free Float: Der Anteil der Aktien eines Unternehmens, der frei am Markt handelbar ist und nicht von Großaktionären gehalten wird.
  • Feindliche Übernahme: Der Erwerb einer Mehrheitsbeteiligung an einem Unternehmen gegen den Willen des Managements oder der bisherigen Eigentümer.
  • Initial Public Offering (IPO): Der erstmalige Verkauf von Aktien eines Unternehmens an der Börse.
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