ANZEIGE

Adobe-Aktie: Fünf strategische Fragen an die neue Führung

Goldman Sachs hält an seiner Verkaufen-Empfehlung fest und richtet den Blick auf fünf strategische Felder vor dem CEO-Wechsel.

•• 5 Min
Adobe-Aktie: Fünf strategische Fragen an die neue Führung

Goldman Sachs hat seine „Verkaufen“-Empfehlung für die Adobe-Aktie beibehalten. Wie Investing.com berichtet, begründet die US-Investmentbank ihre Haltung mit einem zunehmenden Wettbewerb und neuen Marktteilnehmern, die in Bereichen an Boden gewinnen, die das Marktgebiet von Adobe erweitern könnten. Vor einer Änderung seiner Einschätzung verlangt der Broker klarere Belege für die Strategie und Umsetzung des Softwarekonzerns.

Im Mittelpunkt steht der anstehende Führungswechsel: Anil Chakravarthy bereitet sich darauf vor, zum 1. Dezember die Position des Präsidenten und CEO zu übernehmen. Die Ernennung folgt einem bereits im März angekündigten Übergangsprozess. Zuvor leitete Chakravarthy das Geschäftsfeld Customer Experience Orchestration sowie die weltweiten Feldoperationen von Adobe.

Goldman Sachs sieht den Führungswechsel als potenziellen Katalysator, weist jedoch darauf hin, dass der Markt weiterhin besorgt ist, dass künstliche Intelligenz das Wachstum von Adobe belasten könnte. Neben Chakravarthy verlässt auch David Wadhwani das Unternehmen, der das Geschäftsfeld Kreativität & Produktivität führte, um ein neues Unternehmen zu gründen. Zugleich bestellt Adobe einen permanenten Chief Financial Officer (CFO).

Die Details

Nach Einschätzung von Goldman Sachs wird eine erfolgreiche Trendwende davon abhängen, ob es Adobe gelingt, seine Produktarchitektur zu vereinfachen, die Innovation durch interne Investitionen und gezielte Akquisitionen zu beschleunigen sowie die Nutzung neuer Funktionen in Umsatz umzuwandeln. Die entscheidende Frage sei, ob das neue Management wesentliche strategische Änderungen vornimmt oder den bestehenden Drei- bis Fünf-Jahres-Plan weitgehend fortsetzt.

Die Bank hob fünf Bereiche hervor, die beobachtet werden sollten:

  • Firefly: Adobe hat seinen Fokus von der ausschließlichen Abhängigkeit von eigenen Firefly-Modellen hin zur Nutzung von Creative Cloud als Plattform verschoben, die mehrere KI-Modelle von Drittanbietern integriert. Goldman Sachs sagte voraus, dass dies den Fokus von Adobe von der Konkurrenz um die Qualität der KI-Modelle hin zur Kontrolle der Arbeitsabläufe verlagert. Firefly fiel zunächst dadurch auf, dass seine Modelle mit Daten aus Adobe Stock, lizenzierten Inhalten und gemeinfreiem Material trainiert wurden.
  • Akquisitionen: Goldman Sachs erwartet, dass Adobe kleinere Deals verfolgt, die Technologie und Ingenieurstalente hinzufügen, anstatt große transformative Übernahmen zu tätigen. Als Beispiele nannte die Bank Salesforce und Workday, die einen ähnlichen Ansatz verfolgen, obwohl potenzielle Zielunternehmen hohe Bewertungen fordern könnten.
  • Nutzerwachstum: Die monatlich aktiven Nutzer über Acrobat, Creative Cloud, Express und Firefly lagen im dritten Quartal bei 1 Milliarde, was einem Anstieg von mehr als 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Adobe versucht, dieses Wachstum durch Konvertierungen von kostenlosen zu kostenpflichtigen Nutzern, teurere Tarife wie CC Pro sowie Gebühren für Nutzer, die ihre enthaltenen Generative-AI-Credits überschreiten, in Umsatz umzumünzen.
  • Express: Goldman Sachs erklärte, dass die ungleichmäßige Produktentwicklung von Express dazu geführt habe, dass Canva voraus ist. Canva erzielt mehr als 265 Millionen monatliche Nutzer und mindestens 4 Milliarden US-Dollar wiederkehrende Jahresumsätze. Goldman Sachs schätzte, dass Express im Jahr 2025 etwa 70 Millionen monatliche Nutzer haben wird.
  • Kundenerlebnis: Adobe positioniert die Experience Cloud, die etwa ein Viertel des Abo-Umsatzes ausmacht und – abzüglich Semrush – mit einer Wachstumsrate im niedrigen zweistelligen Bereich wächst, neu als Plattform zur Verwaltung KI-gesteuerter Kundenerlebnisse. Goldman Sachs erklärte, es bleibe unklar, ob diese Orchestrierungsrolle zu einem eigenständigen wertvollen Geschäftsmodell werden kann oder primär dazu dient, die bestehenden Softwareprodukte von Adobe zu schützen.

Hintergrund: Was bisher geschah

Bereits am 21.06.2026 berichtete aktien.news, dass sich Adobe im strategischen Wandel befindet und das Management-Team des US-amerikanischen Softwarekonzerns nach aktuellen Berichten eine neue Richtung einschlägt. Der Bericht ordnete dies als wichtiges Signal für Anleger ein, das die künftige Entwicklung des Unternehmens maßgeblich beeinflussen könnte. Adobe gehört demnach zu den bekanntesten Softwareunternehmen weltweit und ist vor allem durch seine Creative-Cloud-Produkte wie Photoshop, Illustrator und Acrobat bekannt; darüber hinaus ist das Unternehmen mit seiner Document-Cloud und der Experience-Cloud im B2B-Bereich stark aufgestellt.

Am 13.06.2026 meldete aktien.news, dass Adobe gleich zwei gegensätzliche Nachrichten geliefert habe: Das Unternehmen hob seine Jahresprognose deutlich an, doch gleichzeitig sorgte der Abgang von Finanzchef Durn für erhebliche Unsicherheit. Die Aktie reagierte im nachbörslichen Handel mit einem Minus von 5 Prozent. Der Abgang Durns kam zu einem besonders ungünstigen Zeitpunkt, da erst drei Monate zuvor der langjährige CEO Shantanu Narayen seinen Rücktritt angekündigt hatte. Damit stand Adobe ohne permanenten CEO und ohne permanenten CFO da. Steve Day, Senior Vice President of Corporate Finance, sollte ab dem 15. Juni als Interims-CFO fungieren.

Bereits am 12.06.2026 hatte aktien.news berichtet, dass Adobe im zweiten Geschäftsquartal sowohl beim Gewinn als auch beim Umsatz die Erwartungen der Wall Street deutlich übertraf, die Aktie aber nach der Ankündigung des CFO-Abgangs auf den tiefsten Stand seit sieben Jahren fiel. Im Quartal, das am 29. Mai endete, erzielte das Unternehmen einen bereinigten Gewinn von 5,96 US-Dollar je Aktie bei einem Umsatz von 6,62 Milliarden US-Dollar.

Am 28.04.2026 berichtete aktien.news, dass Adobe in hohem Tempo das Vertrauen der Wall Street verliert. Laut einer Umfrage von FactSet sank der Anteil optimistischer Analysten innerhalb von nur zwei Monaten von 56 Prozent auf 44 Prozent. Ein weiterer Analyst stufte die Adobe-Aktie herab und gleichzeitig die Papiere eines Cybersicherheits-Unternehmens hoch. Im Kern ging es um die Frage, ob Anbieter von Design-Software im KI-Zeitalter in gleichem Maße profitieren können wie andere Softwareunternehmen.

Was das für Anleger bedeutet

Für deutsche Privatanleger, die die Adobe-Aktie im Depot oder auf der Beobachtungsliste haben, bündeln sich derzeit mehrere Unsicherheitsfaktoren. Goldman Sachs hält an seiner „Verkaufen“-Empfehlung fest und verlangt klarere Belege für Strategie und Umsetzung, bevor die Bank ihre Einschätzung ändert. Der Führungswechsel an der Spitze wird zwar als potenzieller Katalysator gesehen, doch die Sorge, dass künstliche Intelligenz das Wachstum belasten könnte, bleibt laut der Bank im Markt bestehen.

Hinzu kommt die personelle Fluktuation: Mit David Wadhwani verlässt ein weiterer Führungsverantwortlicher das Unternehmen, und Adobe sucht weiterhin einen permanenten CFO. Die von Goldman Sachs formulierten fünf Beobachtungsfelder – Firefly, Akquisitionen, Nutzerwachstum, Express und Kundenerlebnis – zeigen, an welchen Stellen sich entscheiden wird, ob die Trendwende gelingt. Eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung lässt sich daraus nicht ableiten; die Bewertung hängt maßgeblich von der Umsetzung der Strategie ab.

Ausblick

Die zentrale Frage bleibt nach Einschätzung von Goldman Sachs, ob das neue Management unter Anil Chakravarthy wesentliche strategische Änderungen vornimmt oder den bestehenden Drei- bis Fünf-Jahres-Plan weitgehend fortsetzt. Chakravarthy übernimmt sein Amt zum 1. Dezember. Zudem will Adobe einen permanenten CFO bestellen. Goldman Sachs erwartet, dass Adobe bei Übernahmen kleinere Deals verfolgt, die Technologie und Ingenieurstalente hinzufügen, statt großer transformativer Zukäufe. Für Express schätzte die Bank für 2025 etwa 70 Millionen monatliche Nutzer.

Kurz erklärt

  • Verkaufen-Empfehlung: Eine Einstufung von Analysten, die Anlegern signalisiert, dass sie eine Aktie eher abstoßen sollten.
  • Monatlich aktive Nutzer: Kennzahl für die Zahl der Personen, die ein Produkt innerhalb eines Monats mindestens einmal verwenden.
  • Generative-AI-Credits: Kontingent, das Nutzern für die Erzeugung von Inhalten mit KI-Funktionen zur Verfügung steht.
  • Wiederkehrende Jahresumsätze: Erlöse, die ein Unternehmen regelmäßig aus Abonnements oder Verträgen erzielt.
Adobe-AktieGoldman SachsAnil ChakravarthyVerkaufen-EmpfehlungFireflyCanvaKünstliche IntelligenzCeo-Wechsel

Meistgelesene News

  1. Ukraine-Roboterangriff im Donbas deckt Schwachstelle in Putins Kriegsmaschinerie auf
  2. XRP-Preisprognose: Was Anleger in den nächsten drei Jahren erwarten
  3. Mercedes-Benz: Neue Regeln für mobiles Arbeiten stehen kurz bevor
  4. BASF im Umbruch: Evonik-Übernahme und EU-Batterie-Regeln
  5. Iran erhält offizielle US-Antwort auf Friedensvorschlag

Disclaimer