Studienkredite kosten Arbeitnehmer frühzeitig tausende Euro Rentenvermögen
Neue Studie zeigt: Rückstand bei 401(k)-Rücklagen wird nie wieder aufgeholt.

Eine neue Untersuchung des Employee Benefit Research Institute (EBRI) zeichnet ein alarmierendes Bild für Arbeitnehmer mit Studienkrediten: Sie fallen bei der Altersvorsorge frühzeitig zurück und holen diesen Rückstand im Laufe ihres Erwerbslebens nie wieder auf. Der Bericht, der im Auftrag des Finanztechnologieunternehmens Candidly erstellt wurde, zeigt die langfristigen finanziellen Folgen der Studienverschuldung für die Rentenansparung auf.
Laut der Studie tragen derzeit rund ein Fünftel aller Arbeitnehmer in den USA Studienkredite. Diese Verschuldung hat direkte Auswirkungen auf das Sparverhalten in 401(k)-Plänen, den klassischen arbeitgeberfinanzierten Rentenplänen in den Vereinigten Staaten. Betroffene Arbeitnehmer neigen entweder dazu, ganz aus den Plänen auszusteigen oder – sofern sie eingeschrieben bleiben – deutlich geringere Beiträge zu leisten.
Frühe Weichenstellung mit fatalen Folgen
Die entscheidende Erkenntnis der Studie: Der Rückstand, der in den ersten Berufsjahren entsteht, wird im Laufe der Zeit nicht mehr aufgeholt. Wer früh weniger in die Altersvorsorge einzahlt, verpasst nicht nur die Beiträge selbst, sondern vor allem den jahrzehntelangen Zinseszinseffekt, der für den Vermögensaufbau entscheidend ist. Dieses Phänomen ist aus der deutschen Diskussion um die Rentenlücke ebenfalls bekannt.
Die Studie kommt zu dem Schluss, dass Arbeitnehmer mehr als zehn Milliarden US-Dollar zusätzlich sparen könnten, wenn alle Arbeitgeber die Schuldenrückzahlungen ihrer Mitarbeiter mitfinanzieren würden. Dies würde bedeuten, dass Unternehmen nicht nur die Rentenbeiträge, sondern auch die Tilgung von Studienkrediten bezuschussen – ein Modell, das in den USA zunehmend diskutiert wird.
Ein Fünftel der Belegschaft betroffen
Mit einem Anteil von 20 Prozent der Arbeitnehmer, die Studienkredite abbezahlen, handelt es sich um ein massenhaftes Phänomen. Die Kombination aus hohen Bildungskosten und verzögerter Altersvorsorge schafft eine doppelte finanzielle Belastung für eine ganze Generation. Während die monatlichen Kreditraten das verfügbare Einkommen schmälern, bleibt gleichzeitig weniger Spielraum für die langfristige Vermögensbildung.
Der Bericht des EBRI unterstreicht damit eine Problematik, die weit über die individuelle Finanzplanung hinausgeht. Auch wenn die Studie den US-amerikanischen Markt mit seinem 401(k)-System betrachtet, sind die Parallelen zu Deutschland offensichtlich. Auch hierzulande kämpfen viele junge Arbeitnehmer mit Studienkrediten oder anderen Bildungsschulden und müssen gleichzeitig für das Alter vorsorgen.
Die Forderung nach einer Mitfinanzierung der Schuldenrückzahlung durch Arbeitgeber könnte als Modell auch für den deutschen Markt diskutiert werden. In den USA würde eine solche Regelung nach Berechnungen der Studienautoren Einsparungen von mehr als zehn Milliarden Dollar für die Arbeitnehmer bedeuten. Ob und wann eine solche Regelung politisch umgesetzt wird, bleibt abzuwarten.
