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Shortseller-Vorwürfe: Raiffeisen Bank Aktie bricht zweistellig ein

Grizzly Research wirft der RBI schwere Sanktionsverstöße in Russland vor. Die Aktie verliert fast zehn Prozent.

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Shortseller-Vorwürfe: Raiffeisen Bank Aktie bricht zweistellig ein

Die Aktie der Raiffeisen Bank International (RBI) ist am Donnerstagmorgen mit einem Minus von fast zehn Prozent in den Handel gestartet. Auslöser ist ein Bericht des aktivistischen Shortsellers Grizzly Research, der der österreichischen Großbank schwere Verfehlungen im Umgang mit Russland-Sanktionen vorwirft.

Konkret beschuldigt Grizzly die russische RBI-Tochter AO Raiffeisenbank, die Umgehung von Sanktionen zu ermöglichen. Die RBI wies die Vorwürfe umgehend zurück und teilte mit, man habe „bei einer ersten Prüfung“ des Reports „eine Reihe von sachlich falschen und irreführenden Aussagen“ festgestellt.

Das Geschäftsmodell der Shortseller

Grizzly Research gehört zur Spezies der aktivistischen Leerverkäufer. Das Unternehmen spürt nach eigenem Bekunden Fehlverhalten bei börsennotierten Firmen auf, macht die Vorwürfe publik und verdient über Leerverkäufe an fallenden Aktienkursen. Die Methode ist klassisch: Leerverkäufer leihen sich Aktien, verkaufen sie, kaufen sie nach einem Kursrückgang günstiger zurück und streichen die Differenz als Gewinn ein.

Hinter Grizzly Research steht der Deutsche Siegfried Eggert. Zu seinen Zielen in diesem Jahr zählten bereits der Prothesenhersteller Ottobock und die Schweizer Private-Equity-Gesellschaft Partners Group.

Die Vorwürfe im Detail

Grizzly gibt an, Zollunterlagen eingesehen zu haben. Anhand eines Registrierungscodes habe man Handelsgeschäfte mit der russischen RBI-Tochter in Verbindung bringen können. Zu den gehandelten Gütern hätten unter anderem Zielfernrohre und Bauteile gehört, die für Panzer verwendet werden könnten. Insgesamt sollen die Recherchen russische Deals im Wert von rund 1,2 Milliarden Dollar zutage gefördert haben – Güter, die Sanktionen oder anderen Handelsbeschränkungen des Westens unterlegen hätten.

Darüber hinaus habe man untersucht, wie die AO Raiffeisenbank auf Hinweise zu russischen Militärkunden, zur Finanzierung von Drohnen und zum Iran reagiert habe. Ein Manager habe einem vorgeschlagenen Deal mit dem Iran zugestimmt, der US-Exportkontrollen umgangen hätte. Mehrere andere Mitarbeiter hätten erklärt, ein Fonds, der Drohnen für den Krieg beschaffe, könne ein Konto eröffnen.

Grizzly wirft der RBI-Konzernmutter deshalb eine „Diskrepanz zwischen den öffentlichen Zusicherungen der RBI zur Einhaltung von Sanktionen“ und den tatsächlichen Mitarbeiter-Auskünften ihrer Russland-Tochter vor.

Zolldaten sollen laut Grizzly zudem Handelsgeschäfte mit einem Volumen von mehr als zehn Millionen Dollar mit dem Iran und Nordkorea ausweisen, die mit der AO Raiffeisenbank in Verbindung stehen. Das deute darauf hin, „dass die Sanktionsproblematik weit über Russland hinausreicht“. Die RBI weist auch diese Vorwürfe zurück und verweist auf die Stärke ihrer Compliance-Systeme, die sowohl vor dem russischen Angriff auf die Ukraine als auch danach „mehrfach überprüft“ worden seien.

Schwieriger Rückzug aus Russland

Obwohl die RBI ihr Russlandgeschäft seit dem Angriff auf die Ukraine reduziert hat, zählt sie dort noch immer zu den wichtigsten Kreditinstituten. Dafür wurde sie im Westen wiederholt kritisiert, unter anderem von der Europäischen Zentralbank. Ein schneller Ausstieg ist jedoch kaum möglich.

Nach einem gescheiterten Deal mit Aktien des österreichischen Baukonzerns Strabag wurde die AO Raiffeisenbank in einem damit zusammenhängenden Rechtsstreit zu einer milliardenschweren Zahlung verurteilt. Der Streit schwelt weiter und erschwert der RBI den Verkauf ihrer russischen Tochter. Ein Rückzug aus Russland könnte für die RBI auch aus diesem Grund teuer werden.

Anleger reagierten am Donnerstag mit deutlichen Kursverlusten. Die Aktie bleibt damit unter Druck, solange die Vorwürfe nicht vollständig ausgeräumt sind.

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