Nickel in der Ära des Wandels: Dr. Steukers über das „unsichtbare Metall“
Dr. Veronique Steukers über die strategische Bedeutung von Nickel in einer Ära des Wandels

Dr. Veronique Steukers, seit Anfang 2025 Präsidentin des Nickel Institute (NI), sieht den Werkstoff Nickel in einer entscheidenden Phase. Die promovierte Chemikerin spricht von einer „Ära des Wandels“ für die Nickelindustrie – sowohl bei der Gewinnung als auch bei der Nutzung. Im Gespräch mit dem Branchenportal Mining Beacon betonte sie die strategische Bedeutung des Metalls für die Energiewende, den digitalen Wandel und Verteidigungsanwendungen.
Nickel werde in zahlreichen Volkswirtschaften – darunter Kanada, die EU, Indien, Japan, Südkorea und die USA – als kritisches oder strategisches Mineral eingestuft, so Steukers. Grundlage seien die hohe wirtschaftliche Bedeutung sowie potenzielle Versorgungsrisiken. „Diese Risiken hängen beispielsweise davon ab, ob es eine inländische Produktion gibt, ob die globale Produktionskonzentration auf wenige Regionen beschränkt ist, die geopolitische Stabilität dieser Regionen sowie Aspekte wie die Verfügbarkeit von Ersatzstoffen“, erläuterte die NI-Präsidentin.
Herausforderungen und Chancen für die Nickelindustrie
Die zentrale Frage für die Branche lautet nach Einschätzung von Steukers: „Wie kann sichergestellt werden, dass Wachstum Hand in Hand mit Nachhaltigkeit und verantwortungsvoller Produktion geht?“ Die Gewinnung und Produktion von Nickel sei energie- und kohlenstoffintensiv und finde heute in sensibleren Umgebungen statt als noch vor zehn Jahren, etwa in Regionen mit hoher Biodiversität.
Gleichzeitig betonte Steukers, dass Nachhaltigkeit für die Branche nichts Neues sei. Bereits vor mehr als 40 Jahren hätten verantwortungsbewusste Unternehmen das Nickel Institute gegründet, um die mit der Produktion und Nutzung verbundenen Herausforderungen anzugehen. „In einer Zeit, in der Kunden, Investoren und Regulierungsbehörden Versicherungen suchen, dass kritische Mineralien verantwortungsvoll produziert werden, wird die Glaubwürdigkeit der Nickelindustrie zunehmend von den Aktionen jener abhängen, die bereit sind, Führung zu übernehmen“, so Steukers.
Geografische Verschiebung der Nickelproduktion
Ein prägender Trend der vergangenen 10 bis 15 Jahre ist die geografische Verlagerung der Förderung. Historisch sei die Nickelbergbau- und -produktion in mehr als 30 Ländern auf allen Kontinenten verbreitet gewesen, mit Kanada, Russland, Neukaledonien und Australien als wichtigen Regionen. Heute dominiert Indonesien mit mehr als 65 Prozent der weltweiten Nickelabbaumenge. China wiederum ist das Land, in dem fast 70 Prozent allen Nickels in die Nutzung fließen.
Edelstahl bleibt mit 66 Prozent die mit Abstand wichtigste Erstverwendung von Nickel. Mit der Energiewende sind nickelhaltige Batterien für Elektrofahrzeuge zur zweitgrößten Anwendung aufgestiegen – sie machen inzwischen 16 Prozent der Nickelnutzung aus. Weitere 18 Prozent entfallen auf Nickellegierungen, Beschichtungen, Katalysatoren und Gießereien.
„Das unsichtbare Metall“
Steukers beschrieb Nickel als „das unsichtbare Metall“. In vielen Edelstahlsorten sei Nickel ein Hauptlegierungselement mit bis zu 10 bis 12 Prozent Nickelgehalt, um bestimmte Eigenschaften zu erreichen. In Lithium-Ionen-Batterien sei Nickel das wichtigste Kathodenmaterial, insbesondere in Hochkapazitäts-EV-Batterien. „Man kann sich eine Welt ohne Nickel nicht vorstellen, da es im täglichen Leben aller präsent ist, sei es in der Küche, im Auto, in Krankenhäusern, in der Lebensmittelindustrie“, so die NI-Präsidentin.
Nickelhaltiger Edelstahl sei in Lebensmittel- oder medizinischen Anwendungen unverzichtbar, um die höchste hygienische Qualität sicherzustellen und bakterielle Infektionen oder Kontaminationen zu vermeiden. Es sei wichtig, diese Verwendungen für politische Entscheidungsträger sichtbar zu machen, um die Funktion von Nickel und seine Kritikalität zu verstehen.
Zukunft des Nickel Institute
Trotz geopolitischer Spannungen – etwa mit Blick auf Indonesien, Russland oder Australien – verzeichnet das Nickel Institute weiterhin Interesse von Unternehmen am Beitritt. „Dies zeigt, dass diese Unternehmen das Material, das sie auf den Markt bringen, von Anfang an verstehen wollen, Verantwortung für dieses Material übernehmen und in die Zukunft dieses Materials investieren wollen“, sagte Steukers. Dies sei ein wichtiges Signal für Regulierungsbehörden, Investoren und die Wertschöpfungskette.
Für die kommenden fünf bis zehn Jahre sieht die Präsidentin eine anhaltend wichtige Rolle für Nickel in den Technologien der Zukunft. Gleichzeitig werde es immer eine Aufgabe für das NI geben, sicherzustellen, dass Wachstum und Nachhaltigkeit Hand in Hand gehen. „Wir haben in den vergangenen 40 Jahren eine Entwicklung in Wissenschaft und Regulierung gesehen und erwarten, dass sich dieses Verständnis mit neuen Informationen und Erkenntnissen weiterentwickeln wird“, so Steukers.
Das Nickel Institute versteht sich als einzige globale Organisation, die sich der Förderung der verantwortungsvollen Produktion, Nutzung und Marktentwicklung von Nickel widmet. Die Mitgliedschaft biete Zugang zu weltweit führender Expertise, regulatorischem Einfluss, Marktintelligenz, ESG-Ratgeber und einem globalen Netzwerk von Branchenführern.
