Schenkungen: Wann Banken das Finanzamt informieren müssen
Viele Deutsche sind unsicher: Muss eine Schenkung in der Familie dem Finanzamt gemeldet werden?

Viele Bundesbürger gehen davon aus, dass Geldgeschenke innerhalb der Familie reine Privatsache sind. Doch die Rechtslage ist komplizierter, als es auf den ersten Blick scheint. Ein Leser des WiWo Coach-Ratgeberservice fragte nun nach, ob Banken verpflichtet sind, Schenkungen zu melden und welche steuerlichen Konsequenzen drohen.
Die Antwort der Experten ist eindeutig: Banken unterliegen bestimmten Meldepflichten gegenüber dem Finanzamt. Diese sind im Geldwäschegesetz und in der Abgabenordnung verankert. Nicht jede Überweisung oder Bareinzahlung löst automatisch eine Meldung aus, aber es gibt klare Schwellenwerte und Verdachtsmomente.
Wann die Bank zur Meldung verpflichtet ist
Grundsätzlich gilt: Bei Bargeschäften ab 10.000 Euro sind Kreditinstitute verpflichtet, eine Meldung an die zuständige Behörde zu erstatten. Dies betrifft vor allem Ein- und Auszahlungen von Bargeld. Bei Überweisungen oder internen Übertragungen zwischen Konten derselben Bank sieht die Lage anders aus.
Die entscheidende Grenze für Schenkungen liegt bei 20.000 Euro. Überweist ein Konto einer Privatperson einen höheren Betrag auf ein anderes Privatkonto, kann dies eine Meldung auslösen. Die Banken prüfen dabei, ob ein Verdacht auf Geldwäsche oder Steuerhinterziehung besteht.
Steuerliche Freibeträge für Schenkungen
Für deutsche Privatanleger ist besonders relevant: Das Finanzamt gewährt großzügige Freibeträge. Ehepartner können sich bis zu 500.000 Euro steuerfrei schenken. Für Kinder liegt der Freibetrag bei 400.000 Euro, für Enkel bei 200.000 Euro. Diese Beträge gelten pro Schenker und Beschenktem innerhalb von zehn Jahren.
Wer diese Grenzen einhält, muss in der Regel keine Schenkungsteuer zahlen. Allerdings besteht eine Anzeigepflicht: Schenkungen müssen dem Finanzamt innerhalb von drei Monaten gemeldet werden, wenn sie die Freibeträge überschreiten oder wenn das Finanzamt davon Kenntnis erlangen könnte.
Risiken bei Nichtmeldung
Versäumt ein Steuerpflichtiger die Meldung, drohen empfindliche Strafen. Das Finanzamt kann Schenkungen bis zu zehn Jahre rückwirkend prüfen. Banken sind zudem verpflichtet, bei Auffälligkeiten von sich aus tätig zu werden.
Die Experten empfehlen daher, Schenkungen stets transparent zu dokumentieren. Auch wenn die Freibeträge nicht ausgeschöpft werden, kann ein schriftlicher Schenkungsvertrag helfen, spätere Nachfragen des Finanzamts zu vermeiden.
Fazit für Anleger
Wer Geld innerhalb der Familie verschenken möchte, sollte die Freibeträge kennen und einhalten. Banken melden verdächtige Transaktionen ab bestimmten Schwellenwerten. Eine frühzeitige und korrekte Anzeige beim Finanzamt schützt vor bösen Überraschungen und möglichen Steuernachzahlungen.
