Samsung prognostiziert Rekordgewinn im dritten Quartal dank KI-Boom
Samsung Electronics übertrifft erstmals 100 Billionen Won operativen Gewinn – getrieben von der boomenden Nachfrage nach KI-Chips.

Samsung Electronics hat für das dritte Quartal 2026 einen operativen Gewinn prognostiziert, der erstmals in der Geschichte des Unternehmens die Marke von 100 Billionen Won übersteigt. Die vorläufigen Zahlen weisen einen operativen Gewinn von 107,40 Billionen Won aus, was umgerechnet 80,2 Milliarden US-Dollar entspricht. Der südkoreanische Technologieriese setzt damit seinen Rekordkurs fort, den die boomende Nachfrage nach künstlicher Intelligenz antreibt.
Der prognostizierte operative Quartalsgewinn liegt 782 Prozent höher als im Vorjahreszeitraum. Der erwartete Umsatz von rund 195 Billionen Won ist gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres um nahezu 127 Prozent gestiegen. Detailliertere Ergebnisse will Samsung später in diesem Monat veröffentlichen.
An der Börse kam der Rekord allerdings nicht gut an. Die Samsung-Aktie fiel am Donnerstagmorgen um 0,7 Prozent. Für Marktbeobachter ist das kein Widerspruch: Die Erwartungen an die Speicherchipbranche sind inzwischen so hoch, dass selbst historische Zahlen nicht mehr automatisch für Kursgewinne sorgen.
Die Details
Die vorgelegten Zahlen sind vorläufig und wurden am Donnerstag veröffentlicht. Sie umfassen den operativen Gewinn und den Umsatz, nicht aber die Aufschlüsselung nach einzelnen Geschäftsbereichen. Diese folgt mit den vollständigen Quartalszahlen, die Samsung noch in diesem Monat vorlegen will.
Bemerkenswert ist die Dynamik im Jahresvergleich. Der operative Gewinn von 107,40 Billionen Won bedeutet ein Plus von 782 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Der Umsatz von rund 195 Billionen Won liegt nahezu 127 Prozent über dem Wert des Vergleichszeitraums. Mit dem Überschreiten der 100-Billionen-Won-Marke erreicht Samsung einen Meilenstein, den das Unternehmen in seiner Geschichte noch nie erreicht hat.
Treiber dieser Entwicklung ist das Chipgeschäft, das von der Nachfrage nach Speicherchips für KI-Anwendungen profitiert. Bereits im zweiten Quartal hatte Samsung mit seinem Speicherchip-Geschäft einen rekordverdächtigen Umsatz von 171,5 Billionen Won und einen operativen Rekordgewinn von 89,5 Billionen Won ausgewiesen.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 07.04.2026 berichtete aktien.news, dass Samsung für das erste Quartal einen operativen Gewinn von 57,2 Billionen Won prognostizierte – umgerechnet rund 37,92 Milliarden US-Dollar. Das entsprach einem mehr als achtfachen Anstieg gegenüber dem Vorjahreszeitraum, in dem der Konzern 6,69 Billionen Won erwirtschaftete. Die Zahlen wurden am Dienstag, dem 7. April, in Seoul bekannt gegeben und übertrafen die Erwartungen der Analysten deutlich: Die LSEG-SmartEstimate hatte lediglich einen operativen Gewinn von 40,6 Billionen Won vorhergesagt, die tatsächliche Prognose lag rund 41 Prozent über dem Konsensus der Marktbeobachter.
Am 07.07.2026 meldete aktien.news, dass Samsung für das zweite Quartal 2026 ein vorläufiges Betriebsergebnis von 89,4 Billionen Won (umgerechnet rund 58 Milliarden US-Dollar) veröffentlichte. Das entsprach einem Anstieg des Quartalsgewinns um das 19-Fache im Vergleich zum Vorjahreszeitraum und übertraf die Analystenprognosen um rund 6 Prozent. Trotz dieser beeindruckenden Zahlen reagierten die Märkte mit Verkäufen: Die Samsung-Aktie verlor in Seoul mehr als 10 Prozent an Wert, zog den südkoreanischen Leitindex Kospi stark nach unten und löste eine kurze Handelsunterbrechung durch einen automatischen Kursstopp aus.
Am 31.07.2026 berichtete aktien.news über das abgeschlossene zweite Quartal: Der Betriebsgewinn stieg um 1.814 Prozent im Jahresvergleich, der Umsatz kletterte um 130 Prozent auf 171,5 Billionen Won. Als Treiber nannte der Bericht die weltweit explodierende Nachfrage nach Speicherchips – insbesondere DRAM und NAND –, die als unverzichtbare Komponenten für KI-Serverinfrastrukturen gelten. Josh Gilbert, leitender Analyst für den asiatisch-pazifischen Raum bei eToro, betonte damals, dass der globale Aufbau von KI-Infrastruktur den Zulieferern erhebliche finanzielle Vorteile beschere. Samsung profitiere dabei besonders von seiner Expansion im Bereich High-Bandwidth Memory (HBM).
Was das für Anleger bedeutet
Gilbert kommentierte die aktuellen Zahlen mit den Worten: „Samsung hat einen Rekordgewinn erzielt und dennoch die Erwartungen verfehlt, was zeigt, wie anspruchsvoll der KI-Markt geworden ist.“ Und weiter: „Wenn die Erwartungen an Speicherhersteller so hoch sind, vergibt der Markt keine Punkte für Mühe.“ Für Anleger heißt das: Die Bewertung der Chipwerte spiegelt bereits sehr viel Optimismus wider. Ein Rekordergebnis allein reicht nicht mehr aus, um Kursfantasie zu entfachen.
Gilbert sieht die übergeordnete Story der Halbleiterbranche dennoch intakt. Da die KI-Investitionen die Nachfrage nach Speicherchips treiben und das Angebot weiterhin knapp bleibt, bleibe das Umfeld für Hersteller günstig. Er verwies dabei auf das Wachstum von KI-Agenten, die weitaus mehr Speicher verbrauchen können als ein Chatbot, der eine einzelne Frage beantwortet.
Als zusätzliches Signal für die Nachfragestabilität nannte Gilbert mehrjährige Liefervereinbarungen, die Speicherkaufleute abschlössen. „Speicherkaufleute schließen zudem mehrjährige Liefervereinbarungen ab, was Samsung eine bessere Planungssicherheit bei der Nachfrage bietet – in einem Geschäftszweig, in dem Investoren stets Sorgen wegen des nächsten Abschwungs hatten“, sagte er. Für deutsche Privatanleger, die über Samsung, den Kospi oder breite Technologieindizes am KI-Thema partizipieren, bleibt die zentrale Botschaft: Das Wachstum ist real, die Erwartungen sind es aber auch.
Ausblick
Konkrete Termine stehen bereits fest. Samsung wird seine vollständigen Quartalszahlen für das dritte Quartal später in diesem Monat veröffentlichen, einschließlich einer Aufschlüsselung nach Geschäftsbereichen. Erst dann wird sichtbar, welchen Anteil das Speicherchip-Geschäft, aber auch die anderen Sparten an dem Rekordergebnis haben.
Auch auf der strategischen Ebene hat Samsung zuletzt Akzente gesetzt. Im September kündigte das Unternehmen eine strategische Partnerschaft mit dem französischen KI-Startup Mistral AI an, mit dem Plan, die KI-Modelle des Startups in seinen Halbleitergeschäften einzusetzen. Das Unternehmen hat seine Investitionen und Partnerschaften im Zusammenhang mit künstlicher Intelligenz ausgebaut.
Ob der Rekordgewinn auch die Aktie stützt, wird sich an den vollständigen Zahlen messen lassen müssen. Der Handel am Donnerstag zeigt, wie sensibel der Markt inzwischen auf Abweichungen von den sehr hohen Erwartungen reagiert.
Kurz erklärt
- Operativer Gewinn: Der Gewinn aus dem laufenden Geschäft vor Zinsen, Steuern und Sondereinflüssen.
- Vorläufige Zahlen: Erste, noch nicht abschließend geprüfte Ergebnisangaben eines Unternehmens.
- High-Bandwidth Memory (HBM): Speicherbaustein mit besonders hoher Bandbreite, der in KI-Beschleunigern eingesetzt wird.
