Lululemon holt Athleta-Chefin Maggie Gauger als Chief Product Officer
Der Sportswear-Konzern schafft eine neue Führungsposition und tauscht zugleich mehrere Top-Manager aus.

Lululemon hat am Mittwoch eine weitreichende Umbildung seiner Führungsspitze angekündigt. Maggie Gauger, derzeit CEO der Activewear-Marke Athleta, wechselt zum Ende des Monats zum Sportbekleidungshersteller und übernimmt die neu geschaffene Rolle der Präsidentin und Chief Product Officer. Damit setzt Konzernchefin Heidi O'Neill, die erst im vergangenen Monat die Leitung übernommen hat, ein deutliches Signal im zunehmend wettbewerbsintensiven Sportswear-Markt.
Der Personalie kommt besondere Brisanz zu, weil Gauger erst im vergangenen Jahr von Nike zu Athleta gewechselt war. Ihr Abgang trifft die Marke, die zum Gap-Konzern gehört, in einer ohnehin angespannten Lage. Gap bestätigte gegenüber CNBC, dass Gauger das Unternehmen verlassen hat. Erika Everett, derzeit Chief Marketing Officer der Marke, übernimmt die Rolle der Marken-CEO interimistisch.
Neben Gauger besetzt Lululemon eine zweite Schlüsselposition neu: Joseph Godsey wird zum Chief Operating Officer ernannt. Zugleich kündigte das Unternehmen an, dass zwei Führungskräfte im November gehen werden. Nikki Neuburger, Chief Brand and Product Activation Officer, und Ted Dagnese, Chief Supply Chain Officer, verlassen Lululemon, um „andere Möglichkeiten zu verfolgen".
Der Schritt fällt in einen zunehmend wettbewerbsintensiven Bereich der Sportswear. Lululemon steht dabei nicht nur bei den Verkaufszahlen unter Druck, sondern auch bei der Besetzung seiner Führungsebene. Mit Gauger holt sich das Unternehmen eine Managerin, die zuletzt an der Spitze einer anderen Marke im Activewear-Segment stand.
Die Details
Die Neubesetzung an der Produktspitze ist eine neu geschaffene Position. Lululemon bündelt damit offenbar Produktverantwortung auf höchster Ebene — ein Schritt, der in einem Markt, in dem Design und Innovation über Kaufentscheidungen mitentscheiden, naheliegt. Gauger bringt Erfahrung aus zwei der bekanntesten Sportmarken mit: Sie kam im vergangenen Jahr von Nike zu Athleta und wechselt nun erneut.
Der Zeitpunkt der Bekanntgabe ist bemerkenswert. O'Neill steht erst seit dem vergangenen Monat an der Spitze von Lululemon. Zuvor hatte das Unternehmen mehr als ein Jahr lang enttäuschende Verkaufszahlen verzeichnet und sich mitten in einer Proxy-Schlacht befunden, die zu öffentlicher Kritik von Gründer Chip Wilson führte. Die jüngsten Personalentscheidungen sind damit die ersten größeren strukturellen Weichenstellungen der neuen CEO.
Lululemon sucht darüber hinaus weiteres Führungspersonal. Das Unternehmen teilte mit, dass es einen Chief Brand Officer, einen Chief Communications Officer und einen Chief Technology Officer sucht. Damit sind mindestens drei weitere Spitzenpositionen offen — ein Hinweis darauf, dass die Umstrukturierung noch nicht abgeschlossen ist.
Auf der Abgangsseite stehen mit Neuburger und Dagnese zwei erfahrene Manager. Neuburger verantwortete als Chief Brand and Product Activation Officer die Marken- und Produktaktivierung, Dagnese als Chief Supply Chain Officer die Lieferkette. Beide verlassen das Unternehmen im November. Lululemon nannte als Grund, sie wollten „andere Möglichkeiten verfolgen".
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 29.04.2026 berichtete aktien.news, dass Lululemon-Gründer Chip Wilson öffentlich Zweifel an der Wahl der neuen Unternehmenschefin geäußert hatte. Der Sportbekleidungshersteller hatte die ehemalige Nike-Managerin Heidi O'Neill zur neuen CEO ernannt — ein Schritt, den Wilson kritisch bewertete. Wilson gilt seit Monaten als eine der lautesten Stimmen, die eine grundlegende Erneuerung des Unternehmens fordern. Er hatte Lululemon in der Vergangenheit scharf dafür kritisiert, seinen sogenannten „Coolness-Faktor" verloren zu haben, und sieht die Marke als veraltet an.
Am 30.05.2026 berichtete aktien.news, dass Gap-Chef Richard Dickson die angeschlagene Activewear-Marke Athleta trotz enttäuschender Quartalszahlen verteidigte. In der CNBC-Sendung „Mad Money" erklärte er, der Turnaround nehme mehr Zeit in Anspruch als ursprünglich geplant. „Athleta ist eine wichtige Marke im Portfolio", betonte Dickson. „Wir befinden uns im Jahr des Wiederaufbaus." Die Zahlen für das erste Quartal 2026 verdeutlichten die Tiefe der Krise: Der Umsatz von Athleta sank um 12 Prozent auf 270 Millionen US-Dollar, während die vergleichbaren Umsätze um 11 Prozent zurückgingen. Das Management warnte zudem, dass die Trends im zweiten Quartal voraussichtlich ähnlich schwach ausfallen würden wie im ersten.
Was das für Anleger bedeutet
Für Anleger ist die Personalrochade bei Lululemon ein Signal, dass das Management die Schwächephase nicht aussitzen will. O'Neill baut die Führungsebene in kurzer Zeit um und holt mit Gauger eine Managerin, die sowohl bei Nike als auch bei Athleta gearbeitet hat. Ob sich das in besseren Verkaufszahlen niederschlägt, ist offen — der Quelltext nennt keine Prognose.
Bemerkenswert ist die Verflechtung der beiden Unternehmen. Lululemon verstärkt sich auf Kosten von Athleta, das zum Gap-Konzern gehört und laut dem Bericht vom Mai 2026 mit rückläufigen Umsätzen zu kämpfen hat. Für Gap bedeutet der Abgang der Marken-CEO eine zusätzliche Baustelle, die nun interimistisch von Erika Everett geführt wird.
Anleger sollten zudem die offenen Vakanzen im Blick behalten. Die Suche nach Chief Brand Officer, Chief Communications Officer und Chief Technology Officer läuft. Bis diese Positionen besetzt sind, bleibt die Führungsebene teilweise im Umbau. Der Abgang von Neuburger und Dagnese im November dürfte die Übergangsphase verlängern.
Ein weiterer Faktor bleibt die Kritik aus dem Umfeld des Gründers. Wilson hatte sich laut dem Bericht vom 29.04.2026 als eine der lautesten Stimmen für eine grundlegende Erneuerung positioniert. Die nun angekündigten Personalwechsel dürften auch vor diesem Hintergrund zu lesen sein.
Ausblick
Klar terminiert ist bislang nur der Wechsel an der Produktspitze: Gauger tritt zum Ende des Monats in ihre neue Rolle ein. Neuburger und Dagnese verlassen Lululemon im November. Die Suche nach den drei weiteren Führungspositionen läuft, ein Zeitplan wurde nicht genannt. Wie sich die Umstrukturierung auf die Geschäftszahlen auswirkt, lässt sich anhand der vorliegenden Informationen nicht abschätzen.
Kurz erklärt
- Chief Product Officer: Führungskraft, die die Produktstrategie und Produktentwicklung eines Unternehmens verantwortet.
- Chief Operating Officer: Führungskraft, die das operative Tagesgeschäft eines Unternehmens steuert.
- Proxy-Schlacht: Auseinandersetzung zwischen Aktionären und Management um die Besetzung des Verwaltungsrats und die Ausrichtung eines Unternehmens.
- Interimistisch: vorübergehend, also auf Zeit übernommen.
