Firmus-Börsengang wackelt trotz Nvidia: Bookbuilding abgeschlossen, Investoren vorsichtig
Das australische Rechenzentrumsunternehmen Firmus Grid hat den Bookbuilding-Prozess abgeschlossen, doch die geplante Milliarden-Notierung steht infrage.

Das australische Rechenzentrumsunternehmen Firmus Grid hat den Bookbuilding-Prozess für seinen geplanten Börsengang abgeschlossen. Wie Bloomberg am Donnerstag berichtete, ist die Notierung im Milliardenbereich jedoch in Frage gestellt, nachdem die Bedenken bei den Investoren gewachsen waren, dass das Angebot zurückgezogen werden könnte. Der Bookbuilding-Prozess endete wie geplant am Donnerstagmorgen, klare Hinweise auf den endgültigen Preis oder die Struktur des Angebots gab es laut mit der Angelegenheit vertrauten Personen jedoch nicht.
Firmus beabsichtigte, 5,5 Milliarden Dollar einschließlich einer Greenshoe-Option aufzunehmen. Ein Kurs von 11 australischen Dollar pro Aktie hätte eine Bewertung von 43,7 Milliarden australischen Dollar (30,4 Milliarden US-Dollar) impliziert. Damit hätte die Notierung zu den größten Börsengängen in der Geschichte Australiens gezählt.
Die Unsicherheit schlug sich auch an der Börse nieder. Die Aktien von Maas Group Holdings, einem Unterstützer von Firmus, fielen in Sydney um bis zu 30 Prozent – der größte je verzeichnete Rückgang des Unternehmens. Maas erklärte, man sei sich der Marktkommentare bewusst, kenne aber keine nicht öffentlich gemachten Informationen, die die Kursbewegung erklären würden.
Die Details
Laut Bloomberg hatte Firmus die Frist für den Bookbuilding-Prozess von Freitag auf Donnerstag vorverlegt. Zuvor hatte die Nachfrage die Größe des Angebots überstiegen. Der Bericht hebt hervor, dass einige potenzielle Investoren vorsichtiger wurden – angesichts der Möglichkeit, dass bestehende Aktionäre kurz nach der Notierung Aktien verkaufen könnten. Ein solcher Verkaufsdruck würde zu einem Überhang führen.
Firmus begann 2019 als Bitcoin-Mining-Betrieb in Australien. Seitdem profitierte das Unternehmen von der stark steigenden Nachfrage nach KI-Infrastruktur in Asien und baute eine Pipeline von Rechenzentrumsprojekten in Australien und Singapur auf. Aus dem ursprünglichen Mining-Geschäft ist damit ein Anbieter von Rechenkapazität für KI-Anwendungen geworden.
Das Unternehmen hat Zusagen von Investoren in Höhe von 2 Milliarden Dollar erhalten, darunter Nvidia und Blackstone. Jane Street ist ein weiterer bestehender Aktionär. Im April nahm Firmus zudem 505 Millionen Dollar in einer Finanzierungsrunde unter der Führung von Coatue Management auf.
Die Erlöse aus dem Börsengang hätten dazu dienen sollen, GPUs für das erste Rechenzentrum von Firmus in Batam, Indonesien, zu kaufen. Dieses wird gemeinsam mit DayOne Data Centers im Rahmen einer achtjährigen Partnerschaft mit Nvidia entwickelt. Die geplante Notierung wäre damit auch ein Gradmesser für die Bewertung von KI-Infrastruktur in der Region gewesen.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 13.02.2026 berichtete aktien.news, dass der in Singapur ansässige Rechenzentrumsbetreiber DayOne Data Centers einen der größten Börsengänge des Jahres vorbereitet. Laut Bloomberg News sollte das IPO ein Volumen von über 5 Milliarden Dollar erreichen, die Notierung könnte bereits 2026 an einer US-Börse erfolgen. Für das Vorhaben mandatierte DayOne ein Konsortium führender Investmentbanken: JPMorgan und Morgan Stanley als federführende Konsortialbanken, zusätzlich waren die Bank of America und die Citigroup eingebunden.
Am 17.05.2026 meldete aktien.news, dass DayOne einen dualen Börsengang in Singapur und den USA prüft. Wie die Financial Times unter Berufung auf Insider berichtete, zog das Unternehmen zunächst ein exklusives Listing in New York in Betracht; Vertreter der singapurischen Börse überzeugten DayOne jedoch, auch eine Zweitnotierung in Singapur anzustreben. DayOne selbst lehnte eine Stellungnahme zu den Berichten ab.
Am 22.09.2026 berichtete aktien.news, dass der japanische Technologieinvestor SoftBank bei seinem Börsengang der Rechenzentrumstochter SB Energy auf erhebliche Hindernisse stößt. Das Unternehmen habe den Zeitplan verlangsamt, da die Anlegerstimmung gegenüber Rechenzentren angespannt ist. SB Energy, unterstützt von SoftBank-Gründer Masayoshi Son sowie von OpenAI und Nvidia, strebt eine Bewertung von rund 50 Milliarden US-Dollar an – obwohl noch kein einziges Rechenzentrum in Betrieb genommen wurde.
Am 26.09.2026 folgte der Bericht, dass DayOne seine Pläne für einen Börsengang so bald wie im November vorantreibt. Das Unternehmen wolle den Antrag bei der US-Börsenaufsicht SEC Mitte Oktober öffentlich machen und im November notiert sein – trotz steigender Zinsen und Rückschlägen in anderen Bereichen des Rechenzentrums-Ökosystems.
Was das für Anleger bedeutet
Die Schwierigkeiten von Firmus treten in einem Umfeld auf, in dem KI-bezogene Unternehmen eine Welle der Kapitalbeschaffung auf den globalen Aktienmärkten angetrieben haben. Zugleich ist die Anlegerstimmung bezüglich des Tempos von Krediten und Ausgaben zuletzt vorsichtiger geworden. Für deutsche Privatanleger zeigt der Fall, dass die Bewertung von KI-Infrastrukturprojekten stark von der Stimmung an den Kapitalmärkten abhängt.
Besonders relevant ist das Risiko eines Aktienüberhangs: Wenn bestehende Aktionäre kurz nach der Notierung verkaufen, kann der Kurs unter Druck geraten. Die Reaktion der Maas-Aktie mit einem Rückgang von bis zu 30 Prozent verdeutlicht, wie stark bereits die bloße Unsicherheit über einen Börsengang auf verbundene Unternehmen durchschlagen kann.
Ein Hinweis auf die Größenordnung: Die potenzielle Notierung hätte mit dem Angebot von Medibank aus dem Jahr 2014 vergleichbar gewesen, das knapp 5 Milliarden Dollar einbrachte. Die genannten Zahlen und Entwicklungen sind eine Einordnung der Risiken und stellen keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung dar.
Ausblick
Ob der Börsengang fortgesetzt wird, ist offen. Der Bookbuilding-Prozess ist abgeschlossen, doch ein endgültiger Preis oder eine Struktur wurden nicht bekannt. Firmus hatte die Frist ursprünglich vorgezogen, weil die Nachfrage die Angebotsgröße übertraf – nun hat sich das Bild eingetrübt.
Im Umfeld der Rechenzentrumsbranche bleiben mehrere Vorhaben in Bewegung: DayOne treibt laut den Berichten vom September einen Börsengang so bald wie im November voran, während SoftBank den Zeitplan für SB Energy verlangsamt hat und auf eine Besserung der Anlegerstimmung wartet.
Kurz erklärt
- Bookbuilding: Verfahren, bei dem die Nachfrage von Investoren nach neuen Aktien gesammelt wird, um den Ausgabepreis zu bestimmen.
- Greenshoe-Option: Zusätzliche Aktien, die bei hoher Nachfrage ausgegeben werden können, um den Kurs nach der Notierung zu stabilisieren.
- Überhang: Situation, in der viele Aktien kurz nach der Notierung zum Verkauf stehen und dadurch den Kurs belasten.
