Diageo: Mitarbeiter der größten Destillerie legen Arbeit nieder
Mitarbeiter in Diageos größter Destillerie legen ab 28. September die Arbeit nieder.

Die Mitarbeiter in der Cameronbridge-Destillerie, der größten Produktionsstätte des Spirituosenkonzerns Diageo, werden ab dem 28. September für fast drei Wochen die Arbeit niederlegen. Der Streik richtet sich gegen die Pläne des Unternehmens, Hunderte von Arbeitsplätzen in seinen schottischen Betrieben zu streichen. Diageo reagiert damit auf einen massiven Nachfrageeinbruch und leitet eine tiefgreifende Umstrukturierung ein.
Mehr als die Hälfte der 200 Beschäftigten in Cameronbridge, Europas größter Getreidedestillerie, wird sich an den Arbeitsniederlegungen beteiligen. Die Anlage produziert Whisky für bekannte Mischungen wie Johnnie Walker und Buchanan's. Die Gewerkschaft Unite kündigte an, dass die Industriemaßnahmen die Produktion „zum Erliegen bringen" würden.
Hintergrund der Umstrukturierung
Die Entlassungen sind Teil einer umfassenden Neuausrichtung, die der neue Chief Executive Sir Dave Lewis eingeleitet hat. Der frühere Tesco-Chef hat sich zum Ziel gesetzt, bei dem im FTSE-100-notierten Unternehmen über die nächsten drei Jahre hinweg Kosten in Höhe von 19,1 Milliarden US-Dollar zu kürzen. Diageo drosselt bereits die Produktion in Destillerien in ganz Schottland.
An drei Standorten – Strathmill Distillery, Glen Spey Distillery und Roseisle Maltings – wurde die Produktion „auf absehbare Zeit" vollständig pausiert, wie eine mit der Angelegenheit vertraute Person berichtete. Schottland ist von den geplanten Entlassungen überdurchschnittlich stark betroffen, da Diageo dort umfangreiche Whisky-Operationen unterhält. Das Unternehmen, das auch die Marken Talisker und Lagavulin produziert, beschäftigt rund 3.000 Menschen in Destillerien und Abfüllanlagen in Schottland.
Scharfe Kritik der Gewerkschaft
Sharon Graham, Generalsekretärin der Gewerkschaft Unite, übte scharfe Kritik an den Plänen: „Wir haben Diageo wiederholt gewarnt, dass es keine Rechtfertigung dafür gibt, Hunderte von Arbeitsplätzen in den gesamten Operationen zu streichen, während das Unternehmen Hunderte von Millionen an Gewinn einfährt."
Die Gewerkschaft wirft Diageo vor, die Arbeitnehmer nicht über die Stellenkürzungen in Cameronbridge konsultiert und keine Einzelheiten zu den vorgeschlagenen Entlassungen bereitgestellt zu haben. Zudem äußerte Unite Bedenken hinsichtlich der Arbeitssicherheit, wenn Dutzende von Rollen gestrichen würden, ohne dass die Produktionsmenge reduziert werde.
Eine mit Diageo vertraute Person widersprach dieser Darstellung: Man habe mehrere Monate lang mit der Gewerkschaft über die vorgeschlagenen Stellenkürzungen beraten und noch keinen Gegenvorschlag erhalten.
Geschäftszahlen unter Druck
Bei seiner Jahresergebnispräsentation im vergangenen Monat meldete Diageo Umsatzerlöse in Höhe von 19,6 Milliarden US-Dollar – ein Rückgang um drei Prozent. Der operative Gewinn brach sogar um 27 Prozent auf 3,2 Milliarden US-Dollar ein. Das Unternehmen verbuchte Abfindungskosten in Höhe von 514 Millionen US-Dollar.
Analysten zufolge deutet diese Summe darauf hin, dass zwischen 3.000 und 5.000 Jobs aus der Belegschaft von 30.000 Mitarbeitern bei Diageo gestrichen werden. Das Unternehmen selbst spricht in Bezug auf Cameronbridge von einem Vorschlag, „bis zu zehn Stellen" abzubauen.
Reaktion von Diageo
Diageo zeigte sich enttäuscht über die Streikentscheidung. In einer Stellungnahme hieß es: „Der Vorschlag, bis zu zehn Stellen in der Cameronbridge Distillery abzubauen, ist notwendig, da wir reduzierte Produktionsvolumina beibehalten, um die langfristige Wettbewerbsfähigkeit unseres Unternehmens zu schützen. Wir bleiben weiterhin dazu verpflichtet, konstruktiv zu interagieren."
Für deutsche Anleger ist die Entwicklung bei Diageo relevant, da der Spirituosenkonzern zu den wichtigsten globalen Konsumgüterwerten zählt. Der Nachfrageeinbruch bei Spirituosen und die daraus resultierenden Kostensenkungsprogramme signalisieren, dass selbst etablierte Premiummarken unter dem veränderten Konsumverhalten leiden. Die Aktie des im FTSE 100 notierten Unternehmens dürfte in den kommenden Wochen unter dem Eindruck der Arbeitskämpfe und der schwachen Geschäftsentwicklung stehen.
