Pfund fällt: BoE belässt Zinsen unverändert und dämpft Hoffnungen
Die Bank of England hält die Zinsen stabil – vorsichtige Protokolle und Inflationssorgen setzen das Pfund unter Druck.

Der Pfundkurs ist am Donnerstag gefallen, nachdem die Bank of England (BoE) ihren Leitzins unverändert ließ und die begleitenden Protokolle eine überraschend vorsichtige Haltung signalisierten. Das Währungspaar GBP/USD notierte um 13:20 Uhr deutscher Zeit bei 1,3350 und gab damit um 0,23 Prozent nach.
Der FTSE 100 reagierte hingegen positiv auf die Zinsentscheidung und legte um 0,7 Prozent zu. Dass das Pfund trotz einer breiteren Rallye bei Risikowährungen fiel, werten Analysten als klares Zeichen: Die Märkte stuften die Protokolle als eher dovish ein, als es die reine Stimmverteilung im geldpolitischen Ausschuss nahegelegt hätte.
Vorsichtige Töne aus der BoE
In den Protokollen der BoE wurden die Inflationsrisiken seit Juli als „weiter nach oben verzerrt“ eingestuft. Als Haupttreiber nannte die Notbank den Konflikt im Nahen Osten, der die Energiepreise in die Höhe treibt. Die Prognose für den Verbraucherpreisindex (CPI) liegt nun bei rund 3,75 Prozent im vierten Quartal 2026 und sogar über 4 Prozent zu Beginn des Jahres 2027 – ein deutlicher Anstieg gegenüber der August-Prognose von 3,1 Prozent.
Der Ausschuss stimmte zudem einstimmig dafür, seine Bestände an britischen Staatsanleihen (Gilts) über einen mehrjährigen Plan auf null abzubauen. Vorgesehen sind jährliche Verkäufe von durchschnittlich 20 Milliarden Pfund, was einer jährlichen Reduzierung von 46 Milliarden Pfund bis 2034 entspricht.
Fed gibt weiterhin den Ton an
Auf der anderen Seite des Atlantiks setzt die hawkische Entscheidung der US-Notenbank Fed vom Mittwoch den allgemeinen Ton an den Devisenmärkten. Fed-Vorsitzender Kevin Warsh bezeichnete die Erhöhung um 25 Basispunkte als eine Verringerung der „Dosis an Duldung“. Zwölf der 18 FOMC-Mitglieder prognostizieren mindestens eine weitere Erhöhung in diesem Jahr; die Märkte preisen derzeit 13 Basispunkte für Oktober und 32 Basispunkte bis Dezember ein.
Francesco Pesole, FX-Stratege bei ING, kommentierte: „Wir denken, dass sich die Risiken für den USD jetzt, da der geldpolitische Schub absorbiert wurde, ausgewogener darstellen, aber sie bleiben kurzfristig nach oben gerichtet.“
Enttäuschte Hoffnungen auf klare Signale
Die Zinsentscheidung der BoE entsprach zwar den Erwartungen, doch die Betonung der Protokolle auf das steigende Risiko sekundärer Effekte durch die Energiepreise scheint die Hoffnungen auf ein klar dovish signalisierendes Zeichen von Gouverneur Andrew Bailey gedämpft zu haben. Drei Mitglieder des Ausschusses hatten bereits für eine Erhöhung gestimmt.
Pesole hatte vor der Entscheidung angemerkt, dass die entscheidende Frage darin bestand, „ob Gouverneur Andrew Bailey Unbehagen bezüglich der Marktpreisung signalisiert“. Der Ton der Protokolle lasse weniger Zufriedenheit erkennen, als die Märkte einkalkuliert hatten. Dennoch verkaufte das Pfund weiter – ein Zeichen für die geringere Überzeugung, dass die BoE bald lockern wird, kombiniert mit der breiteren Stärke des Dollars.
Ausblick für Euro und Yen
Für den Euro liegt das kurzfristige Fair-Value-Modell von ING bei 1,150. Die Analysten warnen jedoch, dass „kein starker technischer Support im Sichtbereich ist, bevor nicht das Bereichsgebiet von 1,132–1,135 erreicht wird“ – dem Sommer-Tief. Der Euro zieht weiterhin etwas Unterstützung aus der eigenen hawkischen Haltung der Europäischen Zentralbank (EZB), was die erhöhten Ölpreise ausgleicht.
Das Jahresend-Ziel von ING für EUR/GBP von 0,87 bleibt unter Beobachtung. Für USD/JPY sehen die Analysten Support oberhalb von 155, mit einer Stabilisierung nahe 156 bis 157. Eine grundlegende Änderung dieser Prognosen würde laut ING entweder eine dauerhafte Deeskalation im Golf oder eine klarere zukunftsgerichtete Guidance der BoE erfordern.
