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Trump und die Fed: Warum der Dollar ein Vertrauensproblem hat

Der Dollar steckt in der Klemme: Höhere Zinsen helfen nicht, wenn das Vertrauen fehlt.

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Trump und die Fed: Warum der Dollar ein Vertrauensproblem hat

Die US-Währung steckt in einer Zwickmühle. Obwohl die Federal Reserve die Zinsen anhebt und die Renditen von Staatsanleihen auf Mehrjahreshochs klettern, kommt der Dollar nicht so richtig in Fahrt. Der Grund: Ein wachsender Vertrauensverlust, der tiefere Ursachen hat.

Die Finanzmärkte preisen eine Zinserhöhung der Fed am Mittwoch mit über 90-prozentiger Wahrscheinlichkeit ein. Erwartet wird eine Anhebung um einen Viertelpunkt auf eine Spanne von 3,75 bis 4,00 Prozent. Höhere Zinsen machen Dollar-Anlagen eigentlich attraktiver – doch die langfristigen Risiken trüben das Bild.

"Der Dollar wird aktuell von zwei gegenläufigen Kräften beeinflusst", erklärt Stephan Kemper, Chefanlagestratege bei BNP Paribas Wealth Management. "Kurzfristig unterstützen höhere Zinsen die Währung, langfristig sorgen jedoch hohe Staatsschulden, Defizite und auch Fragen zur geldpolitischen Glaubwürdigkeit für Gegenwind."

Der wachsende Konflikt zwischen Trump und der Fed

Eine zentrale Rolle spielt der zunehmende Druck von US-Präsident Donald Trump auf die Notenbank. Sollte die Fed wie erwartet die Zinsen anheben, dürfte das Trump wenig gefallen. "Trump wird toben", prognostiziert Vermögensverwalter Eckhard Schulte von MainSky Asset Management.

Der Hintergrund: Das Finanzministerium setzt verstärkt auf kurzlaufende Anleihen, deren Renditen stärker am Leitzins hängen als die langlaufender Papiere. Höhere Fed-Zinsen schlagen damit besonders schnell auf die Zinskosten des Staates durch. Hinzu kommen die anstehenden Zwischenwahlen – steigende Zinsen kommen für den Republikaner zur Unzeit.

Trump forderte am Wochenende, die USA müssten die "niedrigsten Zinsen der Welt" haben. Anfang des Monats hatte er auf seiner Plattform Truth Social den Druck weiter erhöht: "Senkt den Zinssatz, sonst stelle ich den Handel mit Ländern ein, mit denen wir ein Defizit haben." Das Fed-Direktorium müsse unter seiner "großartigen neuen Führung" endlich vernünftig werden.

Fed-Chef Warsh im Spagat zwischen Inflation und Präsident

Fed-Chef Kevin Warsh steht vor einer heiklen Aufgabe. Die hartnäckig hohe Inflation von zuletzt 3,4 Prozent im August spricht für eine Zinserhöhung – der Präsident verlangt das Gegenteil. Damit zeichnet sich eine Konfrontation ab, nur vier Monate nachdem Warsh sein Amt angetreten hat.

Mit Warshs Vorgänger Jerome Powell hatte Trump bereits die Geduld verloren, weil dieser die Zinsen aus seiner Sicht nicht schnell genug senkte. Verbale Ausfälle waren die Folge, die Bezeichnung "Dummkopf" für den damaligen Fed-Chef dabei noch eine der harmloseren Beschimpfungen.

Für die Märkte ist dieser Konflikt längst mehr als politisches Hintergrundrauschen. Anlagestratege Kemper sieht eine wachsende Unsicherheit über die langfristige Geldpolitik. "Hinzu kommen Diskussionen über die Unabhängigkeit der Fed und das belastet das Vertrauen in den Dollar zusätzlich."

Auch Thu Lan Nguyen, Leiterin Devisen- und Rohstoffanalyse der Commerzbank, hält einen Konflikt zwischen Warsh und Trump für "nahezu unausweichlich – und das dürfte auch dem Markt so langsam dämmern".

Risikoprämien steigen – der Dollar verliert an Strahlkraft

Ablesbar ist die wachsende Verunsicherung an den Dollar-Risikoprämien am Optionsmarkt. Absicherungen gegen eine Abwertung des Dollar gegenüber dem Euro haben sich zuletzt spürbar verteuert. Parallel dazu sind die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen auf über fünf Prozent gestiegen – ein Niveau, das es seit 19 Jahren nicht mehr gab.

Wer die höheren Renditen mitnehmen will, muss Dollar kaufen. Früher habe das fast automatisch die US-Währung gestärkt, so Kemper. "Heute fragen Investoren aber zusätzlich, ob höhere Renditen Ausdruck wirtschaftlicher Stärke sind oder ob sie nicht eher höhere Inflations-, Fiskal- oder Glaubwürdigkeitsrisiken widerspiegeln."

Ein Teil des Renditeanstiegs ist demnach eher Warnsignal als Zeichen von Stärke. Besonders ins Gewicht fällt die US-Staatsverschuldung, die inzwischen erstmals die Marke von 40 Billionen Dollar überschritten hat. Kemper sieht darin den "wichtigsten strukturellen Belastungsfaktor" für den Dollar.

Was der Dollar wirklich braucht

Für die US-Währung hängt inzwischen viel davon ab, warum die Zinsen und Renditen steigen. Höhere Erträge können Kapital in die USA locken. Werden sie jedoch zunehmend als Preis für höhere Schulden-, Inflations- und Politikrisiken verstanden, verliert dieser Vorteil an Wirkung.

Für Fed-Chef Warsh steht am Mittwoch deshalb mehr auf dem Spiel als eine einzelne Zinserhöhung. Die Notenbank muss nicht nur zeigen, dass sie die Inflation ernst nimmt. Entscheidend ist auch, ob sie glaubhaft vermitteln kann, ihren Kurs langfristig unabhängig vom Weißen Haus zu bestimmen.

Unterm Strich braucht der Dollar mehr als höhere Zinsen und Renditen, um wieder zur Stärke zurückzufinden. Er braucht vor allem Vertrauen – in die Fed und in die amerikanische Finanzpolitik.

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