ANZEIGE

Olympische Spiele 2026: Wirtschaftlicher Nutzen für Ausrichter überschaubar

Milliarden-Investitionen bringen regionalen Wachstumsschub, doch IOC kassiert am meisten

2 Min
Olympische Spiele 2026: Wirtschaftlicher Nutzen für Ausrichter überschaubar

Während Athleten bei Olympischen Spielen auf lukrative Prämien und Sponsorenverträge hoffen, sieht die Rechnung für Ausrichterstädte deutlich komplexer aus. Eine olympische Goldmedaille hat zwar einen Materialwert von rund 2.000 Euro, doch die Gesamtkosten für die Gastgeber bewegen sich im Milliardenbereich.

Timo Zimmermann, Sportökonom und Professor an der International School of Management (ISM), dämpft die Erwartungen: "Der wirtschaftliche Impuls Olympischer Spiele ist überschaubar." Allerdings zeigen sich messbare regionale Effekte. Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf steigt in der Ausrichterregion im Jahr des Events sowie im Vorjahr um drei bis vier Prozent.

Verantwortlich für diesen Wachstumsschub sind Infrastrukturinvestitionen, Touristenströme und Ausgaben der Delegationen vor Ort. Genau auf diese Impulse setzen die vier deutschen Kandidaten im Rennen um eine Olympia-Bewerbung: Berlin, München, die Region Rhein-Ruhr und Hamburg. Der Deutsche Olympische Sportbund will im Herbst eine Entscheidung treffen.

Paris als Vorbild für nachhaltige Effekte

Hamburgs Innensenator Andy Grote (SPD) informierte sich kürzlich beim stellvertretenden Bürgermeister von Paris über die wirtschaftliche Nachhaltigkeit der Spiele 2024. Auf der Sportkonferenz SPOBIS zeigte er sich beeindruckt: "Die haben enorm Beschäftigungsverhältnisse aufgebaut, natürlich nicht alle dauerhaft." Besonders hervorzuheben sei, dass die wirtschaftlichen Effekte in der Region geblieben sind.

Französische, lokale und Pariser Unternehmen hätten massiv profitiert und einen nachhaltigen Schub erhalten. Diese Wertschöpfung vor Ort gilt als wichtiger Erfolgsfaktor für die langfristige wirtschaftliche Bilanz von Olympischen Spielen.

Milliarden-Investitionen mit überschaubarer BIP-Wirkung

Die Kostenseite bleibt dennoch gewaltig. Der Finanzdienstleister S&P Global schätzt die Gesamtkosten für die Winterspiele 2026 in Mailand und Cortina auf knapp sechs Milliarden Euro. Die Pariser Sommerspiele waren laut französischem Rechnungshof mit 6,6 Milliarden Euro noch teurer. Mehr als die Hälfte floss in Infrastrukturprojekte, der Rest in Organisation und Sicherheit.

Die Auswirkungen auf das französische Bruttoinlandsprodukt blieben dennoch überschaubar. Sportökonom Zimmermann identifiziert einen anderen Hauptprofiteur: "Das IOC nimmt die größten Summen ein aus der medialen und werberechtlichen Vermarktung." Das Internationale Olympische Komitee gibt davon 40 Prozent an den Ausrichter zurück und verwendet den Rest zur Förderung des olympischen Gedankens.

Langzeitnutzen schwer messbar

Experte Zimmermann betont, dass zur vollständigen Bewertung auch soziale, ökologische, psychologische und kulturelle Effekte berücksichtigt werden müssen. Problematisch sei allerdings, dass sich diese Impulse nicht einfach in Zahlen ausdrücken lassen.

Der wahre wirtschaftliche Wert zeige sich erst in der Langzeitperspektive: Modernisierung der Infrastruktur, verbessertes Image, gesteigerter Tourismus, Förderung des Sportsystems, positive Gesundheitseffekte und Nachhaltigkeitsimpulse. "Da taugen Olympische Spiele sehr gut, um Dinge entschlossen und vor allem beschleunigt anzugehen", so Zimmermann. Genau diese Langzeitperspektive stellen auch die vier deutschen Bewerber in den Fokus ihrer Kandidaturen.

Olympische SpieleWirtschaftlicher NutzenIOCOlympia Bewerbung DeutschlandSportökonomie

Meistgelesene News

  1. Frankfurter Erbpacht-Schock: 1.900 Prozent mehr für Hausbesitzer
  2. BlackRock-Strategin warnt: Fed-Zinsentscheidung ist nicht die entscheidende Frage
  3. Warsteiner verliert Motel One und Sauerland-Stern als Kunden
  4. Warsteiner Brauerei kämpft mit Krise und Absatzproblemen
  5. Fed-Zinsentscheidung: Märkte zwischen Inflationsdruck und Stabilisierung

Disclaimer