Ölrallye hält an: Händler Mike Khouw sieht weiteres Potenzial
Händler Mike Khouw sieht weiteres Aufwärtspotenzial bei Ölwerten – trotz bereits hoher Kurse.

Die globalen Energiemärkte durchleben eine Phase historischer Verwerfungen, die nicht nur die Rohstoffpreise in die Höhe treibt, sondern auch das Interesse politischer Entscheidungsträger auf sich zieht. EZB-Präsidentin Christine Lagarde und BoE-Gouverneur Andrew Bailey haben sich zuletzt öffentlich mit der Ölmarktdynamik befasst – ein ungewöhnlicher Vorgang, der die Dringlichkeit der Lage unterstreicht. Für Anleger bedeutet dies: Der Fokus sollte weniger auf geldpolitischen Debatten liegen als vielmehr auf den fundamentalen Kräften des Ölmarktes.
Hintergrund der aktuellen Entwicklung ist eine Mischung aus jahrelanger Unterinvestition, geopolitischen Schocks und einer angespannten Angebotslage. Wie der renommierte Energieexperte John Arnold betont, war die zugrunde liegende Angebotssituation bereits bullisch. Jeder weitere Tag erhöht den notwendigen Investitionsbedarf, den Ölunternehmen sich angesichts gestiegener Preise leisten können. Jahre zurückhaltender Investitionen, schrumpfende reifere Förderfelder und Druck auf die freien Kapazitäten lassen sich weder durch Geldpolitik lösen noch durch das Abbauen von Lagerbeständen bewältigen – diese sind ohnehin größtenteils leer.
Die geopolitische Gemengelage
Die globalen Energiemärkte haben in den vergangenen Jahren eine Reihe schwerwiegender disruptiver geopolitischer Schocks erlitten. Dazu zählen die Verstaatlichung des venezolanischen Ölsektors durch die Regime von Chavez und Maduro, die Sabotage der Nord-Stream-Pipelines, der Krieg zwischen Russland und der Ukraine sowie der aktuelle Konflikt im Nahen Osten. Hinzu kommen iranische Angriffe in der Straße von Hormus, die Angriffe der Huthis im Roten Meer und zuletzt Attacken auf saudische Pipelines in der Region.
Öl macht rund 40 Prozent der globalen Energieproduktion und 96 Prozent des Transportkraftstoffs aus. Täglich müssen rund 100 Millionen Barrel dieser Substanz gefördert, transportiert, raffiniert und an die Kunden geliefert werden. Fast ein Prozent der globalen Arbeitskräfte ist direkt in diesem Sektor beschäftigt, weitere zwei Prozent indirekt. Die Komplexität dieses Marktes wird oft unterschätzt – bis geopolitische Faktoren alles durcheinanderbringen.
Raffinerien als große Gewinner
Die größten Gewinner der aktuellen Störungen sind die Raffinerien. Die sogenannten Crack-Spreads, also die Margen der Raffinerien, waren noch nie so weit auseinander. Diese Unternehmen werden auch in den kommenden Jahren Rekordgewinne verzeichnen, wenngleich ihre Aktienkurse bereits auf Allzeithöchstständen notieren. Irgendwann, so die Hoffnung, wird die Raffineriekapazität der Nachfrage hinterherziehen, und die Produktpreise werden sinken.
Viele Öldienstleistungsunternehmen haben sich inzwischen erholt, handeln jedoch noch nicht auf Allzeithöchstständen. Während Halbleiterunternehmen von der KI-bedingten Kapitalausstattung profitieren, sind es bei den Öldienstleistern die Investitionen zur Steigerung der Ölproduktion. SLB (ehemals Schlumberger) gilt als der größte Akteur in diesem Segment.
Handelsstrategie für Anleger
Für ein Engagement in diesem Bereich empfiehlt der Händler Mike Khouw längerfristige Long-Calls, die durch kurzfristigere Short-Strangles finanziert werden. Diese Strategie zielt darauf ab, von weiter steigenden Kursen zu profitieren, während gleichzeitig die Finanzierungskosten gesenkt werden.
Die Unwissenheit politischer Entscheidungsträger über die Mechanismen des Ölmarktes wird erst dann richtig deutlich, wenn geopolitische Faktoren ins Spiel kommen. Dass sich EZB-Präsidentin Lagarde und BoE-Gouverneur Bailey nun öffentlich mit Raffineriemargen und Ölmarktdynamik befassen müssen, zeigt, wie sehr die Realität des Energiemarktes in den Mittelpunkt gerückt ist. Für Anleger gilt: Wer wissen will, wohin die Aktienmärkte gehen, sollte den Ölmarkt im Blick behalten.
Hinweis:
Dieser Inhalt wird ausschließlich zu Informationszwecken bereitgestellt und stellt keine Finanz-, Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung dar. Bevor Sie finanzielle Entscheidungen treffen, sollten Sie erwägen, Rat von Ihrem eigenen Finanz- oder Anlageberater einzuholen.
