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Ölpreisschock belastet asiatische Aktien trotz starker Unternehmensgewinne

Volatile Märkte in Korea und Japan reagieren auf Nahostkrise – doch die fundamentalen Auswirkungen bleiben begrenzt.

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Ölpreisschock belastet asiatische Aktien trotz starker Unternehmensgewinne

Tägliche Schwankungen von zehn Prozent sind für nationale Aktienindizes äußerst ungewöhnlich. Doch genau das erlebten Anleger in der vergangenen Woche an den asiatischen Märkten. Nach Angriffen gegen den Iran brach der südkoreanische Leitindex Kospi zunächst um sieben Prozent ein, verlor am Folgetag weitere zwölf Prozent – bevor er einen Tag später um zehn Prozent zulegte, die stärkste Rally seit der globalen Finanzkrise.

Der Grund für diese extreme Volatilität liegt in der besonderen Verwundbarkeit Südkoreas und Japans gegenüber steigenden Energiepreisen. Beide Länder zählen zu den weltweit größten Energieimporteuren und verfügen über keine nennenswerten eigenen Ölreserven. Rohöl aus dem Nahen Osten ist für beide Volkswirtschaften unverzichtbar.

Südkorea importiert jährlich rund eine Milliarde Barrel Rohöl. Jeder Anstieg des Ölpreises um zehn US-Dollar erhöht die nationale Rohölrechnung damit um rund zehn Milliarden US-Dollar. Der Rohölpreis überschritt am Montag die Marke von 100 US-Dollar pro Barrel – vor den Angriffen hatte er noch bei 72 US-Dollar gelegen.

Direkte Auswirkungen auf Unternehmensgewinne begrenzt

Trotz der heftigen Marktreaktionen sind die direkten Folgen höherer Ölpreise für viele börsennotierte Unternehmen in Asien weniger dramatisch als der Ausverkauf suggeriert. Abseits von Fluggesellschaften, der Schifffahrt und der Petrochemie macht Energie nur einen bescheidenen Anteil der Betriebskosten aus. Branchen wie Elektronik und Maschinenbau – das Rückgrat der koreanischen und japanischen Börsen – sind weit weniger direkt vom Rohölpreis abhängig.

Chiphersteller etwa, die rund 40 Prozent des gesamten Marktwerts des Kospi repräsentieren, sind zwar energieintensiv im Hinblick auf Stromverbrauch, aber kaum direkt den Rohölpreisen ausgesetzt. Ihre Margen werden primär von der globalen Chipnachfrage und der Preissetzungsmacht bestimmt. Unter der Annahme, dass Energie etwa zehn Prozent der Betriebskosten ausmacht, würde ein Ölpreisanstieg von 25 Prozent die Gesamtkosten lediglich um 2,5 Prozent erhöhen.

Ähnliches gilt für den japanischen Markt. Schwergewichte wie Toyota oder der Baumaschinenhersteller Komatsu erzielen den Großteil ihrer Gewinne durch Auslandsverkäufe. Ihre Entwicklung hängt damit weit stärker von der globalen Industrienachfrage ab als von den Energiekosten.

Worst-Case-Szenarien noch nicht eingepreist

Die heftigen Kursausschläge der vergangenen Woche spiegeln vor allem die Angst vor einer anhaltenden Versorgungsunterbrechung und dauerhaft hohen Rohölpreisen wider. Anleger preisten schnell mögliche Worst-Case-Szenarien ein. Sollte es jedoch nicht zu einer länger andauernden Eskalation im Nahen Osten kommen, dürften die tatsächlichen Gewinneinbußen für viele asiatische Blue-Chip-Unternehmen deutlich geringer ausfallen, als die Marktreaktion vermuten lässt. Für deutsche Investoren mit Engagements in asiatischen Märkten bedeutet das: Die kurzfristige Volatilität überzeichnet die fundamentalen Risiken erheblich.

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