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NTPC plant zusätzlichen Kohleeinkauf von privaten Bergbauunternehmen in Indien

Indiens größter Stromerzeuger NTPC will mehr Kohle von privaten Bergbauunternehmen kaufen, um Engpässe zu überwinden und die steigende Stromnachfrage zu decken.

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NTPC plant zusätzlichen Kohleeinkauf von privaten Bergbauunternehmen in Indien

Indiens größter Stromerzeuger NTPC plant, mehr Kohle von privaten Bergbauunternehmen zu kaufen. Damit will das staatliche Unternehmen Kraftstoffengpässe überwinden und die steigende Stromnachfrage decken. Zwei mit der Angelegenheit vertraute Personen berichteten dies gegenüber Reuters.

Hintergrund ist eine angespannte Versorgungslage: Indien stützt sich zur Deckung der durch einen verlängerten Sommer ausgelösten steigenden Nachfrage auf thermische Kraftwerke, während die Wasserkraftproduktion infolge des El-Niño-Wetterphänomens schwächer ausfällt. Regierungsdaten zeigen, dass das Stromdefizit im September trotz einer höheren Auslastung der kohlegefeuerten Kraftwerke auf ein Niveau stieg, das höher war als in den vergangenen drei Jahren.

NTPC gab keine Antwort auf eine Anfrage von Reuters. In der Regel bezieht der Versorger seinen Kraftstoff von dem staatlichen Unternehmen Coal India, dem weltweit größten Kohleförderer.

Die Details

Die Kohlevorräte von NTPC in seinen Kraftwerken sind deutlich gesunken – von 18 Millionen metrischen Tonnen im April auf 5,5 Millionen Tonnen. Als Gründe nennen die informierten Quellen eine höhere Stromerzeugung und schwächere lokale Lieferungen aufgrund heftiger Regenfälle in den Bergbaugebieten, die die Nachfüllung eingeschränkt hätten.

Um die Lücke zu schließen, führt NTPC Gespräche mit privaten Unternehmen, um bis zu 15 Millionen Tonnen Kohle zu erwerben. Zusätzlich plant der Konzern, etwa 50 Millionen Tonnen aus eigenen Gruben zu nutzen. Sollten die Kohlelieferungen nicht erhöht werden, erwartet NTPC Anfang nächsten Jahres eine schwere Stromknappheit.

Der Kohleverbrauch von NTPC soll im Geschäftsjahr 2026/27 auf fast 300 Millionen Tonnen steigen. Im Vergleich dazu liegt der Durchschnitt bei 270 bis 280 Millionen Tonnen. Der Grund ist der ausgeweitete Betrieb, um der steigenden Stromnachfrage gerecht zu werden.

Die Lage ist landesweit angespannt: Fast 47% der indischen Kraftwerke wiesen kritisch niedrige Kohlevorräte auf, wobei die Lagerbestände nur für weniger als vier Tage Stromerzeugung reichten.

Um den Stromengpässen entgegenzuwirken, hatte das Bundesministerium für Energie letzte Woche mehr als 100 kohlegefeuerte Kraftwerke mit eigener Kohleförderung angewiesen, ihren Betrieb vom 1. Oktober bis zum Jahresende auf maximaler Kapazität laufen zu lassen. Laut Berichten von Reuters im vergangenen Monat erwägt Indien zudem eine verpflichtende Beimischung importierter Kohle in den Kraftwerken aufgrund lokaler Engpässe.

Unterdessen sagte das indische Bundeskohlenministerium am Montag, dass Coal India die Lieferungen an die indischen Kraftwerke nach den Regenfällen in den Bergbaugebieten wieder erhöht habe.

Hintergrund: Was bisher geschah

Bereits am 28.03.2026 berichtete aktien.news, dass Indien seine Beschaffungsregeln für chinesische Ausrüstung bei Staatsunternehmen lockert. Eine neue Regierungsanordnung befreit chinesische Bieter bei staatlichen Aufträgen von der bislang verpflichtenden Registrierung bei einem Regierungsausschuss, der politische und sicherheitstechnische Unbedenklichkeitsbescheinigungen ausstellt. Die Lockerung betrifft gezielt Bereiche, in denen Lieferengpässe und Projektverzögerungen zuletzt deutlich zugenommen hatten. Konkret darf Indiens größter staatlicher Kraftwerksausrüster Bharat Heavy Electricals künftig 21 Kategorien kritischer Ausrüstung aus China beziehen.

Am 15.09.2026 berichtete aktien.news, dass Indiens Metallkoks-Importe trotz eines im Juli verhängten Antidumpingzolls auf einen Rekord zusteuern. Inländische Engpässe und die starke Nachfrage von Roheisenerzeugern treiben die höheren Einkäufe aus Übersee an. Der Subkontinent, nach China der weltweit größte Rohstahlproduzent, wird im am April begonnenen Geschäftsjahr voraussichtlich rund 6 Millionen Tonnen Metallkoks importieren – ein Anstieg von 32 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Importe stammen hauptsächlich aus Indonesien und Polen.

Was das für Anleger bedeutet

Für deutsche Privatanleger ist die Entwicklung vor allem ein Signal für die anhaltende Bedeutung fossiler Energieträger in Schwellenländern. Kohle bleibt auch angesichts des Ausbaus erneuerbarer Energien in Indien zentraler Bestandteil des Stromsystems des Landes, um die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu verringern und die CO₂-Emissionen zu drosseln. Die Nachfrage nach Kohle und die Engpässe bei der Versorgung betreffen damit direkt den weltweit größten Kohleförderer Coal India sowie private Bergbauunternehmen, die nun als zusätzliche Lieferanten in Frage kommen.

Interessant ist der Zusammenhang mit der allgemeinen Rohstoffnachfrage Indiens. Wie der Metallkoks-Bericht zeigt, steigen die Importe trotz protektionistischer Maßnahmen. Das deutet darauf hin, dass die industrielle Nachfrage des Subkontinents stärker ist als politische Bremsversuche. Anleger, die in Rohstoff- und Bergbauunternehmen investiert sind, sollten die indische Nachfrageentwicklung daher im Blick behalten. Eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung lässt sich daraus nicht ableiten.

Ausblick

NTPC erwartet, dass ohne eine Erhöhung der Kohlelieferungen Anfang nächsten Jahres eine schwere Stromknappheit droht. Der Konzern plant, bis zu 15 Millionen Tonnen Kohle von privaten Unternehmen zu erwerben und etwa 50 Millionen Tonnen aus eigenen Gruben zu nutzen. Der Kohleverbrauch soll im Geschäftsjahr 2026/27 auf fast 300 Millionen Tonnen steigen.

Die vom Bundesministerium für Energie angewiesenen mehr als 100 kohlegefeuerten Kraftwerke mit eigener Kohleförderung sollen ihren Betrieb vom 1. Oktober bis zum Jahresende auf maximaler Kapazität laufen lassen. Zudem erwägt Indien laut Reuters-Berichten eine verpflichtende Beimischung importierter Kohle. Coal India hat die Lieferungen an die indischen Kraftwerke nach den Regenfällen in den Bergbaugebieten bereits wieder erhöht.

Kurz erklärt

  • Thermische Kraftwerke: Kraftwerke, die Strom durch die Verbrennung von Brennstoffen wie Kohle erzeugen.
  • El Niño: Ein Wetterphänomen, das unter anderem die Niederschlagsmuster und damit die Wasserkraftproduktion beeinflusst.
  • Captive Coal Mining: Eigene Kohleförderung von Kraftwerksbetreibern zur Versorgung der eigenen Anlagen.
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