New Yorker Cannabis-Händler schulden 3,9 Millionen Dollar an Lieferanten
87 Cannabis-Händler in New York schulden Lieferanten 3,89 Millionen Dollar

Die Cannabis-Industrie in New York steckt in einer Zahlungskrise. Wie das New York Office of Cannabis Management (OCM) mitteilte, stehen 87 Händler – rund 12 Prozent aller lizenzierten Marihuana-Verkaufsstellen im Bundesstaat – auf einer offiziellen Liste säumiger Zahler. Gemeinsam schulden sie Lieferanten rund 3,89 Millionen Dollar.
Der auf Cannabisgesetze spezialisierte Rechtsanwalt Vicente wies in einem Blogbeitrag auf die wachsenden Probleme hin. Nach dem Staatsgesetz können Händler Produkte entweder bar oder per Kredit von Distributoren beziehen. Kreditkäufer müssen jedoch innerhalb von 30 Tagen vollständig zahlen. Kommen sie dieser Pflicht nicht nach, werden sie auf die sogenannte „Cash-on-Delivery“-Liste gesetzt – und bleiben dort, bis die offenen Beträge beglichen sind.
Zahlungsverzug von durchschnittlich neun Monaten
Die Daten zu den Zahlungsrückständen erfasst das OCM über Metrc, das staatliche Track-and-Trace-System. Dies gaben Beamte während einer Sitzung des Cannabis Advisory Board am 10. September bekannt. Die gelisteten Händler schulden demnach durchschnittlich rund 45.000 Dollar über fast zehn offene Rechnungen hinweg. Besonders alarmierend: Die durchschnittliche Verzugsspanne beträgt etwa 281 Tage – mehr als neun Monate nach Ablauf der gesetzlich vorgeschriebenen 30-Tage-Kreditfrist.
Die 87 säumigen Händler verteilen ihre Schulden auf insgesamt 44 Lieferanten. Branchenvertreter befürchten jedoch, dass der gemeldete Gesamtbetrag von 3,89 Millionen Dollar das wahre Ausmaß des Problems unterschätzt. Wie Vicente berichtete, halten einige Lieferanten kämpfende Händler bewusst von der offiziellen Liste fern, solange alternative Zahlungsvereinbarungen getroffen werden.
Cashflow-Probleme belasten die gesamte Lieferkette
Die Branche hat zudem grundsätzliche Bedenken hinsichtlich des Cashflows geäußert. Ein zentrales Problem: Lieferanten könnten gezwungen sein, Verbrauchssteuern auf fakturierte Umsätze abzuführen, bevor die Händler tatsächlich bezahlt haben. Auf diese Frage habe das OCM während der Sitzung nicht geantwortet, berichtete Vicente.
Die kumulierten Gesamtumsätze im Bereich Adult-Use belaufen sich seit dem Marktstart im Dezember 2022 auf rund 3,9 Milliarden Dollar. Laut OCM meldete der Staat bis zum 3. September dieses Jahres etwa 1,24 Milliarden Dollar an Umsatz. Dieses Tempo liegt jedoch hinter den Projektionen zurück, die das OCM zu Beginn des Jahres vorgestellt hatte.
Umsatzprognosen und Berichtsumstellungen
Im März sagte der geschäftsführende Exekutivdirektor John Kagia, dass die rekordverdächtigen frühen Verkäufe den Staat auf Kurs für 2,6 Milliarden Dollar im Jahr 2026 bringen würden. Die jährlichen Verkäufe könnten demnach bis 2028 potenziell 4,6 Milliarden Dollar erreichen. Allerdings zeigte sich zwischen dem vierten Quartal 2025 und dem ersten Quartal dieses Jahres ein scheinbarer Rückgang.
Das OCM führte diese Entwicklung auf eine Änderung der Berichterstattung zurück und nicht auf einen tatsächlichen Umsatzrückgang. Der Staat wechselte von selbst gemeldeten Zahlen zu Metrc-Daten, was den Unterschied ausmache, hieß es.
New Yorks Cannabismarkt in Zahlen
New York verfügt inzwischen über mehr als 2.300 lizenzierte Unternehmen im Bereich Adult-Use. Darunter befinden sich zehn registrierte Organisationen, die die begrenzte Anzahl an vertikalen medizinischen Cannabis-Genehmigungen im Bundesstaat halten. Etwa 709 Einzelhandelsgeschäfte sind in Betrieb, darunter 160, die erst in diesem Jahr eröffnet wurden.
Die Zahlungsprobleme der Händler sind ein weiteres Warnsignal für einen Markt, der zwar hohe Umsätze generiert, aber offenbar mit strukturellen Schwierigkeiten zu kämpfen hat. Die Kombination aus langen Zahlungszielen, Steuerbelastungen für Lieferanten und einer unzureichenden Datenlage könnte die weitere Entwicklung des New Yorker Cannabismarktes belasten.
